Von Alexander Trust am 31.03.2020 (letztes Update: 31.03.2020).

Wasserstand #11: Der Newsletter mit Corona

Wasserstand
Wasserstand, Bild: CC0

Nein, bei uns hat sich zum Glück noch niemand mit SARS-CoV-2 angesteckt. Eigentlich versuchen wir auch das Thema nicht auszuschlachten, wie manche anderen Kollegen dies tun. Trotzdem begegnet uns die Covid-19-Lungenkrankheit viel zu oft.

Kampf gegen Atemmasken- und Desinfektionsmittel-Windmühlen

Während sich Leute Gedanken machen, wie sie genügend Klopapier, Mehl, Hefe, Reis und Nudeln bekommen, treibt aber auch zunehmend mehr Leute der Schutz der eigenen Gesundheit um.

Das versuchen leider viel zu viele A…löcher auszunutzen. Wir sind mittlerweile fast täglich bei Adsense unterwegs und löschen Werbeanzeigen und verbieten gewissen Werbekontos auf Macnotes zu werben. Die sprießen leider wie Pilze aus dem Boden.

Angebote aus China

Natürlich gibt es da einen Reflex, und auch der wird bedient. Denn manche Werbeanzeige für Atemmasken führt zu einem Onlineshop, deren Besitzer in China beheimatet sind. Wir folgen den Links, recherchieren die Domains und verschaffen uns ein Bild von den Angeboten. Ausschlusskriterium Nummer 1 ist jedoch ein Wucherpreis. Wenn eine Cent-teure Atemmaske, mit Schlussverkauf mit 30, 40 und 50% Rabatt immer noch 12 Euro im 5er-Pack kosten soll, dann wird das Angebot gebannt.

Coronaviren

Coronaviren – Symbolbild, Bild: CC0

Dortmunder und Münchner mit von der Partie

Nur es gibt auch „Deutsche“, die aus unserer Not versuchen eine Geschäftsidee zu machen. Merkwürdig war eine Anzeige von einem Onlineshop eines Betreibers aus Dortmund. Der Shop war mit der heißen Nadel gestrickt, bot lediglich „zwei“ Produkte an und zwar völlig überteuert. Dahinter steckt eine uG-Neugründung, die auch außerhalb der Corona-Krise vergleichbare Shops aufzieht, um absurden Bedarf zu decken.

Und auch ein Shop aus München trieb es auf die Spitze. Der Herr gab im Impressum an, eine GmbH zu betreiben und nutzte diverse „Qualitätssiegel“ um Seriosität vorzugaukeln. Eine Recherche im Bundesanzeiger ergab: Diese GmbH gibt es nicht. Außerdem gab es verheerende Bewertungen zu diesem Münchener Geschäftsmann auf den Bewertungsseiten für Onlineshops. Er zocke Kunden ab, lässt auf Vorkasse bezahlen und liefere aber keine Ware war dort zuhauf zu lesen.

Andere Monetarisierungsmöglichkeiten müssen her

Onlinewerbung nimmt teilweise sehr asoziale Züge an. Ich hasse diese Werbung, die ausschaut wie ein Pop-up, ein Gewinnspiel vorgaukelt und vor allem Smartphone-Besitzern zu schaffen macht. Ich mag aber auch Werbebanner nicht, die zu Shops von Betrügern führen. Wenn ich so etwas erlebe, dann wünsche ich mir immer, dass es andere Finanzierungskonzepte gäbe, die auch „der breiten Masse“ ein wiederkehrendes Einkommen ermöglichten. Patreon ist für uns momentan keine Alternative, da das erst funktioniert, wenn man bereits eine Community aufgebaut hat.

Wenn Google nicht die Verantwortung der Auswahl auf die einzelnen Betreiber abwälzen würde, sondern selbst als Agentur aufträte, und die Anzeigen zentral vermarkten würde, wäre vermutlich schon vielen Leuten geholfen. Nur so passiert immer das Gleiche: Ein Webseitenbetreiber, und noch einer, und noch einer – alle blockieren nach und nach dieselben Werbekunden und Anzeigen. So viel vergeudete Lebenszeit, die dabei draufgeht.

Verwertung und Verteilung

Wie wäre es mit einem Werbekonzept nach dem Beispiel des Streamings oder von geteilten Inhalten generell? Es gibt einen Topf voll Geld und alle können daran partizipieren. So ähnlich geschieht es auch schon bei diversen Verwertungsgesellschaften wie beispielsweise der VG Wort. Die verwalten Gelder und schütten diese nicht nur an Verlage oder Buchautoren aus, sondern seit vielen Jahren auch schon an Webseitenbetreiber oder Online-Autoren, wenn deren Artikel lang genug sind oder genügend Zugriffe erhalten. So etwas gibt es aber auch bei YouTube für Inhalteanbieter.

Macnotes macht Fortschritte

Kommen wir kurz zu etwas Positiverem: Der März war im wirklichen Leben ein wenig surreal wegen der politischen Entscheide rund um die Coronavirus-Pandemie. Doch Macnotes konnte in diesem Monat sowohl an Sichtbarkeit als auch bei den Leserzahlen zugewinnen. Es scheint außerdem fast so als hätten wir bei einem der letzten Google-Updates durchaus profitiert.

Im Vergleich mit dem Januar und Februar haben sich unsere Zugriffszahlen deutlich gesteigert. Der Monat ist zwar noch nicht rum, aber die Zahlen liegen im Schnitt 30 bis 35% über den Vormonaten.

Denkt doch erstmal, bevor Ihr schreibt

Der eigentliche Auslöser, warum ich dachte, jetzt hab ich genug „Material“ für einen neuen Wasserstand, waren ein paar Kommentare im Blog und den sozialen Netzwerken der letzten Tage.

Medieninkompetenz

So meckerte heute jemand herum, dass unsere „Resercherse“ zu oberflächlich sei. Eigentlich beschwerte er sich nur über seine eigene Medieninkompetenz. Wo man denn ProRes RAW für Windows herunterladen könne, wollte er wissen. Dass der Link, den er suchte, die ganze Zeit über in dem Text steckte, schien er zu übersehen.

Dankenswerterweise nutzte er für seinen beleidigenden Kommentar in schlechter Rechtschreibung tatsächlich seine richtige E-Mail-Adresse. Ich schaute mir also die Homepage seiner „Werbeagentur“ an und fand: Die gleichen Fehler, die er auch in seinem unflätigen Kommentar von sich ließ. Ich weiß nicht, ob dort jemand nur vergaß, seine Tabletten zu nehmen. Aber ich würde ihm ans Herz legen, einfach kleinere Brötchen zu backen.

Anmaßungen auf Facebook

Doch kommen wir zu einem anderen Fall auf Facebook. Vor Monaten schrieb uns über eine unserer Facebook-Seiten mal jemand an. Er wollte wissen, ob wir nicht einen Autor suchten. Ich lehnte dankend ab. Denn wir haben für Macnotes im November 2019 nicht nur ein fünfstelliges Invest getätigt, das sich erst über Jahre amortisieren muss, sondern betreiben das Projekt auch jetzt immer noch mit viel eigener „unbezahlter“ Energie. Das ist kein Problem für uns. Denn wir machen das gerne und mit einer Idee für die rosige Zukunft von Macnotes als Marke. Als Marke, die Bücher herausgibt, die Veranstaltungen organisiert, die Spenden sammelt und die Leute zusammenbringt.

Sehr wohl ein Problem ist aber für mich, andere Leute für lau für mich arbeiten zu lassen. Also erklärte ich demjenigen, dass wir derzeit keine Kapazitäten haben, weil wir sie uns einfach nicht leisten können. Doch als Antwort bekam ich nur zu hören, dass er doch auch kostenlos für uns arbeiten würde. Ich erkannte, dass dort jemand ein „Nein“ nicht akzeptieren kann und entschied mich, die Diskussion nicht fortzusetzen.

Es gingen einige Wochen ins Land, bis dann auf einmal ein Kommentar unter einem Beitrag auf Facebook das Thema wieder aufs Tapet brachte. Derselbe Nutzer fragte, ob wir wir „nicht langsam“ einen Autor einstellen „sollten“, oder einen Social-Media-Manager. Er begründete diese Forderung mit „unserer schlechten Reichweite“. Ich habe nichts gegen Engagement, aber mit solchen übereifrigen Aktionen disqualifizierte sich die betreffende Person nun ganz sicher auch für die Zukunft. Uns in der Öffentlichkeit anzugreifen, weil wir seinem Wunsch nicht entsprochen haben, ist ein Zeugnis von Selbstüberschätzung. Denn am Ende entscheiden wir, ob wir zusätzliche Ressourcen benötigen, oder nicht. Wir verfolgen eine langfristige Strategie mit Macnotes und sind auf einem guten Weg.

Hey, Mies-Muß: Wir verkaufen unser Tafelsilber nicht!

Wir bekommen viele Anfragen, ob wir nicht Werbung für dies oder das oder jenes machen wollen. Manchmal überlege ich, ob ich den Marketing-Mitarbeitern antworten soll, oder ob ich es lieber bleiben lasse. Nur ich denke mir jedesmal aufs Neue, dass es genügend Webseiten dort draußen gibt, die für diese nutzlosen Tools werben. Schon das stört mich. Denn es gibt selbst renommierte Verlage, die diese Software bewerben, weil die Kasse stimmt.

Die Apps versprechen iTunes zu ersetzen oder ein Backup Eures iPhones zu erstellen. Apps mit denen Ihr Klingeltöne erstellen könnt und Videos oder Audiodateien konvertieren. Das ist Software, die keinen Mehrwert bietet, aber bei genauerer Betrachtung der Entwickler immer im gleichen Bürogebäude zu sitzen scheint.

Dumm gelaufen

Dumm gelaufen, Bild: CC0

Warum entwickelt ein Konzern also Software unter ganz vielen verschiedenen Namen? Was möchte er damit erreichen? Ich möchte darüber jetzt nicht nachdenken, weil ich Besseres zu tun habe. Aber es macht für mich keinen Sinn. Genauso wenig wie das komische Lizenzmodell dieser Apps, die es nicht nur für macOS, sondern auch für Windows gibt. Denn für irgendeine Promotion auf irgendeiner Webseite gibt es immer wieder eine neue „kostenlose“ Version dieser Software. Die bekommt dann aber keine Updates mehr und es kann also sein, dass Ihr sie mit einer neuen Version von iOS auf dem iPhone nicht mehr nutzen könnt. Das ist dann aber kein Problem, denn es gibt ja an der nächsten Ecke wieder eine neue Kostenlos-Aktion. Wenn jemand Software quasi verschenkt und aber diese nicht Open-Source ist – auch darüber möchte ich mir nicht den Kopf zerbrechen.

Ich weiß nur, dass wir für solche Software hier nicht werben werden.

Tolle erste Monate

Entsprechend möchten wir uns an dieser Stelle auch für den Zuspruch bedanken, den wir seit der Übernahme erhalten haben. Wir werden langsam wieder anders wahrgenommen. Die Dinge, die wir in der kurzen Zeit schon umsetzen konnten, zeitigen erste Erfolge. Mehr braucht es nicht. Denn wir sind genügsam und nicht größenwahnsinnig.

Als ich im November nämlich schrieb, dass wir aus den Vorjahren verloren gegangenes Vertrauen wiedererlangen wollen, meinte ich das ernst. Und dies kann man nicht mit Hauruck-Aktionen, sondern nur Schritt für Schritt.

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