Apples Quartalszahlen Q2/2022: Rekord, $97,3 Milliarden, 9 % Umsatzplus

Apple stellte am Abend wie angekündigt seine Quartalszahlen für das Q2 2022 vor. Der Konzern aus Cupertino gab erneut einen Rekordgewinn und einen Rekordumsatz bekannt, und das trotz der derzeit herrschenden Probleme, die die Weltwirtschaft in Schieflage bringen. Das Unternehmen erzielte 97,3 Milliarden US-Dollar Umsatz. Davon blieben 25,01 Milliarden US-Dollar Gewinn vor Steuern.

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Vor dem Hintergrund anhaltender Lockdowns in China (zuletzt Shanghai und Peking) und Rohstoff-Knappheit und Lieferverzögerungen wegen des russischen Kriegs in der Ukraine blicken aktuell viele Börsianer täglich gebannt an die Börse. Die aktuelle Welle an Quartalsberichten auch anderer Unternehmen enthielt nicht nur Positives. Netflix beispielsweise verzeichnete Nutzerschwund, viele andere Unternehmen machten Abschreibungen, weil das Russlandgeschäft beendet wurde. Die Indizes gaben in den letzten Tagen nach und waren davor einige Wochen sehr volatil. Doch gerade heute konnte die Apple-Aktie im Tagesverlauf deutlich zulegen (zeitweise mehr als 4 % am NASDAQ).

Wie üblich wurde der Quartalsbericht erst nach Börsenschluss in den USA an die dortige Börsenaufsicht übermittelt. Apple teilte sein Quartalsergebnis für den Zeitraum vom 26. Dezember bis einschließlich 26. März mit. Dazu veröffentlichte Apple die Unterlagen auch auf seiner Website.

Über den Erwartungen

Apple hat abermals die Erwartungen der Wall-Street-Analysten übertroffen. Diese gingen davon aus, dass Apple einen EPS von 1,43 US-Dollar erzielt. Tatsächlich erreichte Apple einen EPS von 1,52 US-Dollar. Die Analyst:innen sahen im Schnitt ein Ergebnis von knapp 93,9 Milliarden US-Dollar (Apple erreichte indes $97,3).

Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr legte Apple erneut zu. Folgerichtig erzielte das Unternehmen einen neuen Rekord für ein März-Quartal.

Angesichts der Tatsache, dass auch die Tage nach Weihnachten noch mit ins Ergebnis reinspielen, ist gerade das stark nachgefragte iPhone 13 immer noch ein wichtiger Posten im Quartalsbericht.

Neu hingegen sind potenzielle Mac-Verkäufe des Mac Studio und des passenden Apple Studio Displays. Dadurch, dass die Liefertermine vor allem für Varianten des Studio-Macs mit mehr Arbeitsspeicher als der Standardauswahl lange Lieferzeiten hatten und haben, kann man nur bedingt Aussagen dazu treffen, ob Lieferengpässe oder eine hohe Nachfrage Schuld daran waren. Am Ende trifft vermutlich beides ein bisschen zu. Denn zwei Jahre nach der Einführung kann man die PlayStation 5 immer noch nicht zum Normalpreis erwerben und wurden von der Konsole von Sony dennoch schon knapp 19 Millionen weltweit verkauft.

In der Folge werden sicher einige Analyse-Unternehmen wieder Ihre Interpretationen liefern und Macnotes diese aufgreifen. Apple selbst macht jedoch keine dezidierten Aussagen über Verkaufszahlen einzelner Geräte.

Apple hätte vermutlich nicht damit gerechnet, dass sich die Liefersituation bei Komponenten nach wie vor „schwierig“ darstellt. So kam es in China zuletzt wegen der Coronavirus-Pandemie auch mehr als zwei Jahre nach dem Ausbruch zu übertrieben harten Lockdown-Maßnahmen, die ganze Städte und damit auch Produktionsstätten beeinträchtigten. Apple hatte zwar im Sommer 2021 gewarnt, es werde bis Jahresende zu Lieferschwierigkeiten für iPads und Macs kommen. Doch auch im neuen Jahr gibt es Versorgungsschwierigkeiten vor allem mit Speicherbauteilen und Produktionskapazitäten.

Apples Quartalszahlen Q2 2022 im Überblick

Wie viel hat Apple im Detail verdient? Mit seinen Smartphones, Tablets, Computern, Wearables und Services erwirtschaftete Apple im ersten Fiskalquartal Q2 2022 97,278 Milliarden US-Dollar Umsatz (+ 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Dem Unternehmen blieben 25,01 Milliarden US-Dollar Gewinn übrig (vgl. Finanzdaten).

  • Das iPhone-Geschäft trug 50,75 Milliarden US-Dollar bei (+ 5,5 %).
  • Die iPad-Verkäufe erzielten 7,646 Milliarden US-Dollar (- 2,1 %).
  • Der Mac lieferte 10,435 Milliarden US-Dollar für den Umsatz des Konzerns (+ 14,6 %).
  • Weiterhin verkaufte Apple Wearables, HomePods und weitere Geräte im Wert von 8,806 Milliarden US-Dollar (+ 12,3 %).
  • Das Servicegeschäft rund um Apple Music, Apple TV+ und Co. steuerte weitere 19,821 Milliarden US-Dollar Umsatz bei (+ 17,2 %).

Wie reagiert die Börse?

Da im Tagesverlauf die Aktie bereits um einige Prozentpunkte gestiegen ist, gab es nachbörslich nur noch kleine Ausschläge. Trotzdem reagierte der Handel äußerst positiv auf Apples erneutes Rekordergebnis. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung rangiert das Papier rund 1 % über dem Schlusskurs. Dies ist jedoch nur eine Momentaufnahme und kann sich entsprechend verändern.

Dividende im Mai

Außerdem informierte Apple über den Termin für die kommende Dividende. Aktionär:innen erhalten pro Anteilsschein eine Vergütung in Höhe von 0,23 US-Cent. Das Unternehmen erhöht die Dividende, die es zuletzt im Q2 2021 anhob. Der Sprung von 0,22 auf 0,23 Cent fällt zwar klein aus, ist aber ein positives Signal in schwierigen Zeiten. Der Stichtag für den Bonus ist der 9. Mai 2022. Ausgezahlt wird er dann am 12. Mai.

Analyse/Kommentar: 2022 wird schwierig

Im Kommentar zum Quartalsbericht Q1 2022 schrieb ich, dass das Jahr 2022 so langsam in die Gänge kommt. Dann passierte der 24. Februar und Russlands Invasion in die Ukraine. Seitdem sind die Märkte nervös und viele Menschen in Angst, Millionen von Ukrainer:innen auf der Flucht. Es ist schwer diese menschliche Facette mit dem schnöden Mammon in Verbindung zu bringen. Entsprechend sei mir die banale Analyse verziehen.

In jedem Fall beeinträchtigt die aktuelle Situation die Weltwirtschaft und haben die Märkte seit Jahresbeginn nachgegeben. Apple schafft es bislang aber, selbst diesem Druck standzuhalten. Zu Jahresbeginn wurde die Aktie mit über 180 US-Dollar gehandelt und war zum Börsenschluss etwas mehr als 163 US-Dollar wert.

Welche Produkte gibt es 2022?

Wir freuen uns zunächst einmal auf Apples WWDC 2022. Apple wird Anfang Juni die neue Generation an Betriebssystemen vorstellen. Ein Augenmerk wird unserer Meinung nach auf Smart Home liegen. Denn der neue Hersteller übergreifende Standard Matter sollte endlich losgelassen werden.

Darüber hinaus erwarten wir einen ersten großen Schritt hin zu Spezialisierung für Geräte mit Apple Silicon. Nicht zuletzt integrierte das Unternehmen den Apple A13 Chip in sein Apple Studio Display, damit auch Intel-Macs von Zusatzfunktionen profitieren können, wenn diese an den Monitor angeschlossen sind. Denkbar ist auch, dass die Grenzen zwischen Mac und iPhone oder iPad noch weiter verschwimmen. iPad-Nutzer:innen wünschen sich besseres Multitasking.

Über allem schwebt auch weiterhin noch die Virtual- und Augmented-Reality-Wolke. Veröffentlicht Apple schon in diesem Jahr ein Headset? Falls ja, wird es nicht billig, bietet aber wegweisende Technik. Außerdem spendiert Apple dem Gerät wohl ein eigenes Betriebssystem.

Lieferengpässe im nächsten Quartal

Apples Finanzchef Luca Maestri gab in der Telefonkonferenz im Anschluss an die Veröffentlichung der Quartalszahlen bekannt, dass die Liefersituation im kommenden Q3 2022 eher schlechter als besser werde.

Lockdown-Maßnahmen in China und Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern würden den erwartbaren Umsatz Apples zwischen 4 und 8 Milliarden US-Dollar niedriger ausfallen lassen als „möglich“. Laut Tim Cook hatte die Schließung Shanghais mit den größten negativen Einfluss.

Nun bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass Apple auch im nächsten Quartal weiter tolle Umsätze macht, sondern lediglich weniger als es könnte. In jedem Fall wird Apple die Nachfrage bei iPhones, iPads und Macs nicht zur vollsten Zufriedenheit bedienen können.