Kommentar: Es geht auch ohne Steve

Wer die heutige Keynote verfolgt hat, der konnte beruhigt aufatmen. Apple ist auch ohne Steve Jobs im Vordergrund gut aufgestellt und in der Lage, mitreißende Produkte zu entwickeln.

MacBook Pro (10/2008), Bild: Apple

Natürlich glaubt niemand ernsthaft, dass Steve Jobs im Hintergrund nicht doch seine Finger im Spiel gehabt haben wird, doch seit seinem vorübergehenden Rückzug aus dem aktiven Dienst zum Jahreswechsel 2008/2009, dürften auch die letzten Zweifler überzeugt worden sein.

Macs

Die Keynote heute folgte wieder einem strengen Ablauf: Kurz etwas zum Erfolg der vergangenen Tage sagen, den aktuellen Stand präsentieren und sagen, wie stolz man auf die aktuellen Produkte ist, um dann sogleich die Neuerungen zu präsentieren. Bei den Macs präsentierte man renovierte MacBook Pros, die jetzt durchweg mit fest eingebautem Hochleistungsakku daherkommen. Erste wirkliche Begeisterung kam beim Publikum bei der Wiedereinführung des Firewire-Anschluss (Firewire 800) für das kleinste MacBook Pro auf. So kann man auch die Massen glücklich machen.

Snow Leopard

Nach knapp 20 Minuten durfte dann Bertrand Serlet mit dem obligatorischen Seitenhieb Richtung Redmond mit der Präsentation von Apples nächster Betriebssystem-Inkarnation starten. Die begann und endete damit, dass man groß den integrierten Exchange-Support für Mail, iCal und das Adressbuch pries.

Dazwischen gab es wenig Neues zu hören. Der Finder wurde von Grund auf neu geschrieben und soll sich nun endlich wirklich OS-X-like verhalten. Dem Dock wurde Exposé für einzelne Applikationen beigebracht und der Umstieg auf 64Bit sowie Grand Central Dispatch und OpenCL werden für mächtig Power unter der Motorhaube sorgen. Nicht wirklich überraschend, aber zum ersten Mal in dieser Offenheit kommuniziert, kam dann die Ankündigung, dass der Schneeleopard nur noch auf Intel-Macs rennen wird.

Überraschend und erfreulich zugleich dürfte dann die Ankündigung des Preises für das Update gewesen sein. $29 will Apple für die Schneekatze verlangen und damit dürfte die Hemmschwelle für viele Anwender sehr niedrig liegen, sich im September 10.6 auf ihre Macs zu spielen. Gleichzeitig treibt Apple damit die Anwender an, sich von alten Zöpfen und nicht mehr zukunftsfähiger Hardware (PowerPC) zu trennen.

iPhone

Den bedeutend größten Teil (70 Minuten) der Keynote bestritt Scott Forstall mit der Präsentation des iPhone OS 3.0. Damit untermauert Apple zugleich, welchen Stellenwert das iPhone für die Firma hat. Aber auch die Zahlen sprechen für sich: 50.000 Apps im App Store, mehr als eine Milliarde Downloads innerhalb von nur 9 Monaten und bereits 40 Millionen, iPod touch eingeschlossen, verkaufte Geräte zeigen, welch fulminanten Start die Plattform seit 2007 hingelegt hat.

Mit Copy ’n Paste, Spotlight, MMS, Tethering und den vielen neuen APIs für Entwickler sorgt Apple dafür, dass der Smartphone-Markt auch weiterhin vom iPhone getrieben sein wird. Dabei zeigt sich, dass es weniger die Hardware des iPhones ist, denn hier gibt es zahllose Mitbewerber die auf diesem Gebiet deutlich führend sind, sondern die Software und die Möglichkeit für Entwickler ihre Ideen auf dem iPhone zu verwirklichen.

Gängelungen durch undurchsichtige App-Store-Regeln mal dahingestellt. Die fast 30-minütige Demo verschiedenster Apps macht deutlich, welches Potential in der nächsten Systemgeneration steckt und das Apple hier den Konkurrenten Lichtjahre voraus ist. Allein der Vergleich der verfügbaren Applikationen für das iPhone (50.000), Android (4900) und Nokia (1088) macht deutlich, welche Plattform von Entwicklern und Anwendern bevorzugt wird.

iPhone 3GS

Als wäre das noch nicht genug, präsentierte Phil Schiller zum Schluss noch das neue iPhone 3GS. Dabei steht das S für Speed, denn das neue iPhone soll mehr als zweimal so schnell wie sein Vorgänger sein. Dabei bringt es neben einem Magnetometer (für Kompass) eine deutlich verbesserte Kamera mit Autofokus und Videofunktion mit. Spannend wird es zu sehen, wie sich die Sprachsteuerung Voice Control bewährt. Das UMTS-Modul wurde auf den HSDPA-Standard mit 7.2Mbps verbessert. Trotzdem soll sich die Akkulaufzeit gesteigert haben.

Bei so vielen Neuerungen ist es nur konsequent, dass Apple das Design unverändert gelassen hat und das iPhone 3G als neues Einstiegsmodell mit 8GB Speicher für $99 anbietet. Der Aufstieg in die 16GB-Klasse kostet $199. Für 32GB Speicher muss man $299 zahlen. Die neuen Preise gelten ab sofort, auch wenn es das 3GS erst nächste Wochen zu kaufen gibt.

Fazit

Apple hat zur WWDC09-Keynote ein ordentliches Programm vorgelegt. Echte Neuigkeiten gab es zwar nicht, aber es war interessant zu sehen, wie Apple zwischen den Zeilen den ein oder anderen Hieb gegen Partner AT&T verteilte. So ganz glücklich scheint man mit der exklusiven Partnerschaft nicht mehr zu sein, denn offensichtlich bremst AT&T den möglichen Wachstumskurs von Apple im Smartphonemarkt aus. MMS wird es bei AT&T erst Ende des Sommers geben, Tethering bleibt wohl für die US-Kunden ein frommer Wunsch.

Ansonsten strotzt Apple auch ohne Steve Jobs nur so vor Kraft. Der CEO wird wohl noch diesen Monat an die Spitze des Unternehmens zurückkehren. Der Konkurrenz dürfte das schlaflose Nächte bereiten.