Test: MacBook Pro 15″

MacBook Pro (2008), Bild: Macnotes

Seit der Ankunft meines neuen MacBook Pro sind einige Wochen vergangen. In dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit das Gerät auf Herz und Nieren zu prüfen. Insbesondere der mit Glas verspiegelte Bildschirm musste seine Eignung beweisen. Soviel vorab: Die Spiegelungen sind weniger schlimm als man nach den ersten Berichten befürchten musste, jedoch gibt es durchaus Situationen in denen die Reflexionen störend sind. Doch der Reihe nach.

Holpriger Start

Das Gerät wurde direkt nach der Vorstellung am 14. Oktober von mir bestellt. Zumindest in Deutschland hatte Apple aber die ersten Wochen massive Lieferschwierigkeiten, so dass das MacBook Pro erst knapp 4 Wochen später geliefert wurde.

Bei der Inbetriebnahme verweigerte das Superdrive-Laufwerk zunächst seine Arbeit und ich sah bereits den ersten Garantiefall meiner langen Apple-Geschichte bevorstehen. Ein Blick in den Apple System Profiler ergab, dass es scheinbar gar kein Laufwerk im Rechner gab, was entweder auf einen kompletten Hardware-Defekt oder ein lockere Kabel hinwies. Ein Versuch war es wert und die Entfernung der Bodenplatte ergab sofort die Fehlerursache. Der Stecker zwischen Laufwerk und Motherboard war nicht verbunden. Nach Beseitigung dieses offensichtlichen Qualitätsproblems funktionierte alles wie erwartet.

Technische Daten

Das Testgerät ist mit einer 2,53GHz schnellen Penryn-Doppelkern-CPU ausgestattet. Damit ist es unwesentlich schneller als das MacBook Pro welches wir im April getestet haben. Im Unterschied zum alten Modell ist der Frontside-Bus über den die 4GB RAM angebunden sind aber mit 1066MHz geringfügig schneller getaktet, was zumindest bei Anwendungen die auf hohen Datendurchsatz angewiesen sind zu kleinen Geschwindigkeitszuwächsen führen sollte. Zudem setzt Apple beim RAM jetzt auf den DDR3-Standard, der eine etwas geringere Leistungsaufnahme als der Vorgänger DDR2 hat.

Daten speichert das MacBook Pro standardmäßig auf einer 320GB großen Festplatte. Optional stehen im Apple Store auch ein 500GB-Modell bzw. eine 128GB SSD zur Verfügung. Wer sich aktuell noch nicht entscheiden kann, kann die Festplatte später jederzeit einfach austauschen, da sie nach Entfernen des Akkudeckels sofort zugänglich ist. Als DVD-Laufwerk verbaut Apple ein 8-fach Superdrive. Blu-Ray-Unterstützung lässt weiter auf sich warten und ist auch nicht als Option verfügbar.

Erstmals seit dem Umstieg auf Intel-CPUs verbaut Apple in seinen Rechnern wieder einen Chipsatz der nicht von Intel kommt. Wie beim MacBook setzt Apple beim MacBook Pro auf den Geforce 9000 Chipsatz von Nvidia. Dieser verfügt über den im Vergleich zur Intel-Chipsatzgraphik recht leistungsfähigen Graphikchip 9400M GT, der mit seinen 16 Shader-Einheiten auch Nvidias CUDA unterstützt. Zusätzlich verbaut Apple noch eine Nvidia 9600GT mit 512MB Grafikspeicher. Damit ist das MacBook Pro Apples erstes Dual-Graphik-fähiges Notebook. Allerdings kann Leopard die Grafikkarten noch nicht parallel nutzen und ein Umschalten zwischen beiden GPUs ist ohne Aus- und Einloggen nicht möglich. Abhilfe wird hier wohl erst Snow Leopard schaffen, welches Mitte nächsten Jahres erwartet wird. Das LED-beleuchtete Glossy-Display zeigt 1440×900 Punkte an.

Anschluss sucht das MacBook Pro über einen Gigabit-Ethernet-Port, zwei USB-Anschlüsse, einen Mini-Display-Port und einen ExpressCard-Slot. Im Gegensatz zum MacBook verbaut Apple auch noch einen Firewire 800 Anschluss. Der Audio-Ein- und Ausgang erkennt auch optisch-digitale Kabel.

Design aus einem Guss

Bei den neuen MacBook Pros hat Apple die für das MacBook Air entwickelte Fertigungstechnik übernommen. Die Unterschale des Notebooks wird aus einem Stück Aluminium ausgefräst. Dadurch wird das Gehäuse extrem stabil und verwindungssteif. So ist es möglich das Gerät nur an einer Ecke anzuheben, ohne das sich das Gehäuse verbiegt. Die Unterseite wird durch zwei Bodenplatten verschlossen. Unter der größeren, welche von 6 Schrauben gehalten wird, verbergen sich u. a. die RAM-Steckplätze. Die kleinere wird durch einen Verriegelungsmechanismus gelöst und legt dann Akku und Festplatte frei. Die Spaltmaße für die Platten sind erfreulich gering und gleichmäßig.

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MacBook Pro (2008), Bild: Macnotes

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MacBook Pro (2008), Bild: Macnotes

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MacBook Pro (2008), Bild: Macnotes

In den Bodenplatten sind große Plastikfüße eingelassen. Diese wirken wesentlich stabiler und haltbarer als die Minifüßchen älterer Generationen, bieten aber auf glatten Oberflächen einen weniger sicheren Halt. Da der Akku unter der Bodenplatte verschwindet, hat Apple die Statusanzeige kurzerhand an die linke Seite neben den ExpressCard-Slot verlegt. Das ist zudem praktischer als das Notebook jedesmal auf den Rücken zu legen.

Bei der Tastatur verbaut Apple bewährtes Material und lehnt sich an die vom iMac bekannte Alu-Tastatur an. Der Druckpunkt ist gut und die Tasten haben einen sehr leisen Anschlag. Durch die glatte Oberfläche werden sie aber schnell schmierig. Die Tasten werden von der von der älteren Generation bekannten Hintergrundbeleuchtung erleuchtet.

Das Glossy-Display wird wie beim iMac von einer stark spiegelnden Glasscheibe bedeckt. Rund um das Display herum gibt es einen schwarzen Rand. So schaut das MacBook Pro im aufgeklappten Zustand ein wenig wie ein iMac aus.

Display

Das Display stellt 1440×900 Pixel dar und verfügt über einen sehr großen Blickwinkel. Die LED-Beleuchtung ist sehr hell und homogen. Hinter der Glasscheibe versteckt sich ein Glossy-Bildschirm, der für knackigere Farben und einen höheren Kontrast sorgen soll.

Bedenklich ist die Glasscheibe über dem Display. Der schwarze Rand spiegelt permanent und sorgt immer wieder für Störungen. Selbst in dunklen Räumen mit voller Display-Helligkeit verschwinden die Spiegelungen auf dem Display nicht immer völlig. Sobald dunkle Flächen angezeigt werden, beispielsweise bei Spielen, Fotos und Filmen, aber auch als Hintergrund einiger Anwendungen, sind deutlich konturierte Spiegelbilder unvermeidbar. Damit scheiden die MacBook Pros für einige Pro-Anwender bereits wegen des Displays aus.

Fingerfertigkeiten

Ein unbestrittenes Highlight der neuen MacBook-Pro-Reihe ist das Multitouchtrackpad. Getreu Apples Minimalismusanspruchs wurde die Trackpad-Taste weggelassen und stattdessen das gesamte Trackpad zur Taste gemacht. Das das Trackpad komplett aus Glas gefertigt ist sieht man ihm nicht an, aber die Haptik ist hervorragend. Bis etwa zur Mitte des Trackpads funktionieren Klicks sehr gut, darüber benötigt man schon etwas Kraft, da der Hebel natürlich immer kleiner wird. Damit das Trackpad Klicks mit dem zweiten Finger oder Daumen nicht als Multitouch-Geste interpretiert, hat Apple oben und unten einen ca. ein Zentimeter breiten Streifen von der Erkennung von solchen Gesten ausgeschlossen.

Alle auf dem Trackpad ausführbaren Gesten werden mit einem kurzen Video in den System-Einstellungen erklärt. Neu hinzugekommen ist eine 4-Finger-Geste zur Steuerung von Exposé. Insgesamt macht das Trackpad eine Maus im Alltagsbetrieb schnell vergessen. Es beeindruckt vor allen Dingen durch seine Größe. Andere Trackpads kommen einem anschließend wie eine Briefmarke vor.

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit von Apples Mobilrechnern hat sich seit Jahren kaum geändert und wird von Apple immer mit ca. 5 Stunden angegeben. Auf dem Papier soll das MacBook Pro auch 5 Stunden abseits der Steckdose arbeiten können. In der Realität ist dieser Wert allerdings nur sehr schwer bei minimaler Displayhelligkeit und abgeschaltetem WLAN zu erreichen.

Mit einer Akkufüllung spielte das MacBook Pro immerhin eine komplette 2 1/2 Stunden dauernde DVD ab und verfügte dann noch über etwas Restlaufzeit. Beim Mix von verschiedenen Tätigkeiten (Texte Schreiben, Surfen, Musik hören usw.) hielt das Notebook immerhin über 4 Stunden durch. Die Displayhelligkeit war auf mittlere Stufe eingestellt und das MacBook Pro arbeitete nur mit der Chipsatzgrafik. Aktiviert man die Grafikkarte, geht die Laufzeit spürbar um ca. 30 Minuten zurück.

Das das MacBook Pro insgesamt recht sparsam mit dem Strom umgeht, merkt man an der Geräusch- und Wärmeentwicklung. Zwar laufen die Lüfter permanent mit knapp 2000 Umdrehungen, sind aber nur bei absoluter Stille zu hören. Erst bei 3000 und mehr Umdrehungen hört man ein Summen. Insgesamt drehen die Lüfter erst sehr spät und nur nach langer Maximalbelastung des Rechners hoch. Insgesamt wird der Rechner an der Unterseite angenehm warm, Verbrennungsgefahr besteht allerdings nicht.

Performance

Die Performance des MacBook Pros liegt in etwa auf dem Niveau des Vorgängers. Der Prozessor ist zwar mit 300MHz mehr getaktet und der Frontside-Bus ist auch schneller geworden, aber in der Praxis machen sich diese Steigerungen nicht bemerkbar. Xbench liefert fast identische Ergebnisse, die eher in der Streuung als in einer echten Performance-Steigerung begründet sind.

Insgesamt bietet das MacBook Pro genügend Rechenleistung für alle Lebenslagen. Interessant dürfte es sein, das Gerät mal mit einer SSD zu testen, denn viele Verzögerungen liegen nicht an mangelnder Rechenpower, sondern an einer langsamen Festplatte.

Fazit

Das Re-Design der MacBook-Pro-Serie ist Apple gelungen. Das neue Design lässt den Vorgänger fast schon altbacken ausschauen. Die Unibody-Fertigungstechnik macht das Gerät nicht nur zu einem der dünnsten 15″-Notebooks, sondern auch zu einem der stabilsten. Weniger gelungen ist das Glas-Display. Wie schlimm die Spiegelungen bei den Displays sind muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Schade ist, dass Apple hier keine Matt-Option anbietet und Funktionalität klar dem Design unterordnet.

Beim Innenleben hat Apple das MacBook Pro auf aktuelle Standards aktualisiert. Größere Änderungen dürften bis zur Einführung der nächsten Prozessorgeneration von Intel („Nehalem“) Mitte nächsten Jahres ausbleiben. Dass Apple mit dem Nvidia 9400M und 9600M die erste SLI-fähige Graphiklösung in Macs verbaut, hat momentan keine Bedeutung, da Leopard diesen Verbund nicht nutzen kann. Abhilfe wird hier erst Snow Leopard schaffen.

Insofern kann man das MacBook Pro als Investition in die Zukunft betrachten. Leistungsmäßig liegt es auf dem Niveau des Vorgängers. Für Besitzer dieses Geräts besteht also kein Upgrade-Bedarf. Für Besitzer älterer Modelle könnte ein Upgrade durchaus interessant sein, denn das Multitouch-Trackpad und die LED-Beleuchtung des Displays sind ein echter Mehrwert.

Wertung

7/10

Positives

  •  neues Design ist gelungen
  •  Multitouch-Trackpad bietet Mehrwert
  •  LED-Hintergrundbeleuchtung gut

Negatives

  •  keine Option für mattes Display
Mehr über ml:

Dipl.-Informatiker mit Schwerpunkten: Betriebssysteme, Softwaretechnologie. Hat zu Hause ein richtiges kleines Mac-Museum.

Metadaten
  • Geschrieben am: 28. Dezember 2008
  • Zuletzt aktualisiert am: 2. März 2021
  • Wörter: 1428
  • Zeichen: 10950
  • Lesezeit: 6 Minuten 12 Sekunden