ml, den 26. April 2008

Test: MacBook Pro 15″ mit Penryn-CPU

MacBook Pro 15 Zoll (2008)
MacBook Pro 15 Zoll (2008), Bild: Macnotes

Ende Februar verpasste Apple seiner gesamten Notebookpalette eine Frischzellenkur. Alle Geräte bekamen Intels neueste Mobil-CPU Penryn verpasst. Außerdem spendierte man den Geräten mehr Haupt- und Grafikspeicher, sowie etwas größere Festplatten. Im vergangenen Jahr im August konnten wir bereits den Vorgänger des aktuellen MacBook Pro mit Santa-Rosa-Chipsatz testen. Jetzt stand uns für eine Woche ein aktuelles MacBook Pro 15 Zoll mit 2,5 GHz Penryn-CPU zur Verfügung. Für den Tester war dieser Test ein persönliches Aha-Erlebnis, kannte er doch bislang nur sein PowerBook G4.

Design

Offensichtlich hält man das Design des MacBook Pro bei Apple für ausgereift. Denn man ließ es seit der Vorstellung der Aluminium-PowerBooks im Januar 2003 im Wesentlichen unverändert. Lediglich die iSight-Kamera und der Infrarotempfänger für die Fernbedienung kamen im Laufe der Zeit hinzu. Dass Apple damit gar nicht so falsch liegt, zeigt das PowerBook des Testers. Selbst nach über fünf Jahren sieht es nahezu wie neu aus. Kratzer? Matte Stellen? Fehlanzeige.

Trotzdem mehren sich die Stimmen, die sich ein neues Design für die Pro-Notebooks wünschen. In welche Richtung das gehen könnte, zeigt Apples MacBook Air (Test bei uns). Das bietet einen extrem flachen Display-Deckel, eine Keilform und auch die aus dem MacBook bekannte und als sehr gut empfundene Tastatur.

Zumindest letztere wurde an die aktuellen Modelle angepasst. Das heißt, der Apfel auf der Command-Taste ist verschwunden. Auch die Funktionstasten belegte man neu. Sie sind jetzt mit kleinen Icons für Dashboard und Expose beschriftet. Erfreulich ist auch, dass endlich die Tasten der Tastatur nicht mehr gegen das Display drücken und damit Kratzer und Verunreinigungen auf dem Bildschirm hinterlassen.

PowerBook G4 im Vergleich mit MacBook Pro 15 Zoll (2008)

PowerBook G4 im Vergleich mit MacBook Pro 15 Zoll (2008), Bild: Macnotes

Das Gerät misst 35,7 x 2,59 x 24,3 cm (BxHxT), und es wiegt 2,45 Kilogramm. Damit ist es rund 100 Gramm leichter als die ersten G4-PowerBooks mit diesem Design. Der MagSafe-Anschluss wurde im Gegensatz zum MacBook Air nicht geändert. Daher besteht auch weiterhin die Gefahr von Kabelbruch bzw. Überhitzung. Wie die MacBooks kommt auch das MacBook Pro jetzt mit dem kleineren 60-Watt-Netzteil daher.

Schon beim PowerBook ärgerte mich die Befestigung der Gummifüßchen an der Unterseite des Laptops. Denn nach kurzer Zeit lösten sich diese ab und gingen meist verloren. Die Befestigung änderte Apple beim MacBook Pro bislang nicht. Es droht das gleiche Schicksal. Wie es besser geht, zeigte Apple übrigens schon beim MacBook.

Ausstattung

Die Ausstattung unseres Testgeräts ist angemessen und entspricht der mittleren Konfiguration im Apple Store. Der Rechner wird von einer 2,5 GHz Penryn Doppelkern-CPU angetrieben. Gegenüber dem Vorgänger ist die Strukturbreite bei den Penryn-CPUs auf 45 nm verkleinert worden. Zusammen mit einem neuen Tiefschlafmodus wurde damit der Stromverbrauch des Prozessors gesenkt. Unter dem Namen SSE4 beherrscht Penryn knapp 50 neue Vektorbefehle. Die benutzt aber momentan noch keine Applikation, und selbst Mac OS X nicht. Ein großer Performance-Sprung ist daher nicht zu erwarten, auch wegen der Vergrößerung des L2-Caches auf 6 MB nicht.

Der Prozessor kann auf standardmäßig 2 GB Hauptspeicher zurückgreifen. Erstmals sind Macs damit ab Werk mit ausreichend RAM ausgestattet. Möchte man den Hauptspeicher weiter aufrüsten, so kann man das mit bis zu 4 GB tun. Hier gibt es keine Veränderungen zum Vorgänger. Denn in den MacBook Pro kommt weiterhin der Santa-Rosa-Chipsatz zum Einsatz.

Bei der Grafikkarte setzt Apple weiterhin auf die Nvidia 8600M GT. Die kommuniziert über einen PCIe x16-Anschluss. Lediglich die Größe des Grafikspeichers verdoppelte man, beim kleinen Modell auf 256MB und beim mittleren Modell auf 512MB. Die Festplatte fasst nominal 250GB. Das entspricht formatiert noch knapp 230GB. Auch bei den Anschlussmöglichkeiten änderte sich nichts. Wie gewohnt gibt es zwei USB-Anschlüsse, einmal Firewire 400 und einmal 800, sowie Gigabit-Ethernet und einen DVI-Ausgang. Außerdem steht ein PCExpress-Card-Slot zur Verfügung.

Als Display setzt Apple ein LCD mit LED-Beleuchtung ein. Mit 1440×900 Pixeln bietet es viel Platz zum mobilen Arbeiten. Der Vorteil einer LED-Beleuchtung gegenüber der herkömmlichen Beleuchtung mit Kathodenstrahlern ist, dass LEDs keine Vorwärmzeit brauchen und damit sofort ihre volle Helligkeit erreichen. Zudem benötigen Leuchtdioden weniger Strom, was letztendlich der Akkulaufzeit zu Gute kommt. Denn das Display ist einer der größten Stromschlucker beim Laptop. Als Testgerät stellte Apple uns ein MacBook Pro mit mattem Display zur Verfügung. Das konnte sich in allen Situationen gut behaupten. Der horizontale Einblickwinkel ist groß und erlaubt auch neben dem Laptop sitzenden Personen noch den Blick auf ein farben- und kontrastreiches Bild. Das Display unseres Testgeräts wies auch nicht die Streifen auf, die unser Redaktionskollege Toni beobachtete.

Licht …

Eine nette Erweiterung ist das aus dem MacBook Air bekannte Multitouch-Trackpad. Beherrschten die alten Trackpads bereits das Scrollen mit Hilfe von zwei Fingern, so lässt sich mit der vom iPhone bekannten Pinch-Bewegung z. B. in Safari die Schriftgröße ändern oder mit 3-Finger-Wischen vor- und rückwärts navigieren. Das macht Spaß, ist allerdings momentan auf wenige Programme beschränkt, da noch nicht viele die neuen Multitouch-Gesten verstehen. Das Trackpad ist etwas größer als beim Vorgänger. Es reicht aber nicht an die Größe des Trackpads beim MacBook Air heran. Allerdings ist das Trackpad so groß, dass man manchmal versehentlich einen Finger darauf liegen hat, während man verzweifelt mit den anderen versucht den Mauszeiger zu bewegen. Das ist aber eher Gewöhnungssache.

Gewöhnungssache ist auch die automatische Beleuchtungsregelung. Mit Hilfe eines Lichtsensors, der unter dem linken Lautsprecher verbaut ist, regelt das Betriebssystem automatisch die Helligkeit des Displays und schaltet bei Bedarf die Tastaturbeleuchtung ein. Wer das lieber selbst in die Hand nimmt, kann diese Funktion auch in den Systemeinstellungen deaktivieren. Im Test kam es nämlich häufiger vor, dass ich die Hand neben der Tastatur ablegte und damit den Lichtsensor verdeckte. Daraufhin regelte das Gerät die Helligkeit des Displays herunter und schaltete die Tastaturbeleuchtung ein.

Erfreulich ist auch die Geräuschentwicklung des MacBook Pro. In normalen Umgebungen sind Festplatte und Lüfter selbst unter Volllast nicht bzw. kaum zu hören. Erst in sehr ruhigen Umgebungen kann man ein gleichmäßiges und verhaltenes Rauschen des Lüfters wahrnehmen. Dass der Lüfter leise ist, ist auch notwendig. Denn arbeitet man längere Zeit z. B. mit Parallels Desktop, dann wird das MacBook Pro an der Unterseite fast schon unangenehm heiß. Dabei liegt die gefühlte Temperatur durchaus auf dem Niveau meines PowerBooks. Ich möchte daher nicht wissen, wie heiß der Vorgänger wurde. Denn erste Berichte sagten aus, dass das MacBook Pro mit Penryn-CPU jetzt merklich kühler sei.

Ein nettes Detail fiel mir während des Tests auf. Wenn der Bildschirm zum Stromsparen abdunkelte, ging die Leuchtdiode die sonst im Sleepmodus sanft pulsiert in Dauerleuchten über. Zunächst dachte ich, dass etwas mit dem Power-Management nicht stimmt und das MacBook Pro ungewollt schlafen geht, aber ein Dauerleuchten signalisiert nur ein abgeschaltetes Display.

…und (wenig) Schatten

Negativ aufgefallen ist mir der begrenzte Öffnungswinkel des Displays. Lediglich bis zu 125 Grad lässt sich das Display nach hinten klappen, was für große Menschen, wenn sie das Gerät auf dem Oberschenkel stehen haben definitiv zu wenig ist. Bei meinem PowerBook lässt sich das Display bis zu 145 Grad öffnen.

Display-Winkel beim PowerBook G4 und MacBook Pro (2008)

Display-Winkel beim PowerBook G4 und MacBook Pro (2008), Bild: Macnotes

Interessant ist auch ein Problem, das mit dem Display unter Boot Camp und Windows XP auftrat. Reduzierte man dort die Helligkeit des Displays von der maximalen Helligkeit, so fing der Rechner in einer unangenehm hohen Frequenz zu fiepen an. Da das Problem unter Mac OS X nicht auftrat, ist zu vermuten, dass es sich um ein Treiberproblem handelt.

Mit dem Speedbump und der gleichzeitigen Preissenkung hat Apple die Fernbedienung Apple Remote von der Ausstattungsliste gestrichen. Offenbar geht man bei Apple davon aus, dass mittlerweile viele eine Fernbedienung besitzen. Die Apple Remote ist daher als Zubehör für 19 Euro erhältlich.

Akkulaufzeit

Mit der Vorstellung der neuen MacBook Pros reduzierte Apple die eigenen Angaben zur Akkulaufzeit von bislang 6 Stunden auf nunmehr 5 Stunden. Dieser Wert dürfte deutlich näher an der Wirklichkeit sein, zumal Apple hier auch von „drahtloser Produktivität“ spricht und damit näher an den wirklichen Nutzungsszenarien der Benutzer sein dürfte.

In unserem Test kamen wir bei einfachen Büroarbeiten (E-Mail, Texte schreiben, Surfen ohne viel Flash-Inhalte) auf eine Laufzeit von über 4 Stunden. Die Helligkeit des Displays war dabei auf mittlerer Stufe eingestellt. Unsere Test-DVD (Bad Boys 2 Extended, 141 Minuten Laufzeit) spielte das MacBook Pro vollständig ab. Auch hier war die Helligkeit auf mittlerer Stufe eingestellt und das WLAN aktiv. Am Ende des Films standen noch 6 Minuten Restlaufzeit zur Verfügung. Der Klang der eingebauten Lautsprecher ist übrigens recht annehmbar, wobei sie natürlich Schwächen im Bereich der Basswiedergabe haben. Zumindest sind es die besten Laptop-Lautsprecher die ich bislang gehört habe.

Benchmarks

Die inneren Werte des MacBook Pros versprechen schon reichlich Leistung. Was letztendlich aber zählt „is auf’m Platz“. Signifikante Performance-Steigerungen sind nicht zu erwarten, denn die Prozessorarchitektur ist nach wie vor die selbe. Lediglich die moderat erhöhten Taktraten sollten sich positiv auf die Leistung auswirken.

Im Cinebench-Benchmark zeigen sich Zuwachsraten die etwas höher sind, als die reine Taktratensteigerung erwarten lässt. Möglicherweise profitiert Cinebench auch leicht vom vergrößerten Cache des Penryn. Eine Ausreißer gab es bei unserem Testgerät beim OpenGL-Test. Hier lagen die Werte nur knapp über denen des MacBook Air und deutlich, etwa 50 Prozent, unter denen des direkten Vorgängers mit der gleichen Grafikkarte. Bei anderen Penryn-MacBook-Pros konnte das nicht beobachtet werden, so dass hier von einem Hardwarefehler bei unserem Testgerät ausgegangen werden muss. Auch unter Windows XP lag der OpenGL-Wert deutlich unter dem was zu erwarten wäre. Das schließt zumindest den Treiber als Ursache für die OpenGL-Schwäche aus.

Neben den nackten Zahlen fühlt sich das MacBook Pro absolut schnell an. Erst beim Bearbeiten eines Films in iMovie und dem Rendern einer DVD mit iDVD kann man beide Prozessorkerne voll auslasten. Das MacBook Pro bietet also Leistung satt.

Fazit

Das MacBook Pro ist ein grundsolides Gerät. Das Design ist bis auf Kleinigkeiten ausgereift und erprobt. Die Leistung des Notebooks ist groß. Es bietet genug Reserven, um alle alltäglichen Aufgaben ohne Zeitverzug erledigen zu können. Videobearbeitung in iMovie geht flott und flüssig von der Hand. Die Akkulaufzeit bei normalen Büroarbeiten von über 4 Stunden ist sehr ordentlich. Allerdings lassen sich die von Apple proklamierten 5 Stunden drahtloser Produktivität nur schwer erreichen.

Trotz der kleineren Kritikpunkte und des offensichtlichen OpenGL-Problems vergeben wir für das MacBook Pro 5 von 5 möglichen Macs. Das OpenGL-Problem ließ sich nicht verallgemeinern und war eher auf ein Problem mit unserem Gerät zurückzuführen. Besitzer des Vorgängermodells können allerdings getrost ihre Brieftasche wieder einstecken, denn der Performance-Gewinn gegenüber diesen Geräten ist gering. Für Mac-Nutzer mit älteren Geräten, ist das neue MacBook Pro allerdings mehr als eine Überlegung wert.


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