Alexander Trust, den 12. November 2020

Windows, Virtualisierung und Emulatoren auf Apple Silicon: Der Stand der Dinge

Apple M1
Apple M1

Parallels gab bekannt, dass es an einer neuen Version von Parallels Desktop für Apples Computer mit M1-Chip arbeitet. Grundsätzlich sollten aber auch vorhandene Lösungen auf Apple Silicon funktionieren. Aber wie steht es um Parallels, VMWare oder VirtualBox und Co. auf Macs mit Apple-Prozessor? Wir haben uns einen Überblick verschafft.

Als Apple im Sommer im Rahmen der WWDC 2020 ankündigte, Macs mit eigenen Prozessoren ausstatten zu wollen, kam bei einigen Nutzern die Frage auf, was dann mit der Möglichkeit geschieht, Windows auf dem Mac zu nutzen.

Boot Camp fällt weg, Big Sur kommt

Tatsächlich wurde schnell klar, dass Boot Camp nicht mehr unterstützt werden wird, jedenfalls nicht auf Macs mit Apple-Prozessor.

Doch Apples Craig Federighi beruhigte die Nutzer schon während der WWDC-Präsentation, dass das neue macOS Big Sur und aber auch Apples eigene Prozessoren neue Möglichkeiten zur Virtualisierung bieten werden. Tatsächlich zeigte Federighi sogar die Virtualisierung von Betriebssystem auf einem Mac mit Apple-Prozessor.

Mittlerweile gab Apples Software-Chef sogar ein Interview, in dem er jedoch Microsoft den Staffelstab übergab. Es sei möglich, Windows auf M1-Macs zu nutzen, Microsoft müsse es nur wollen.

Von Anbietern wie Parallels oder VMWare hörte man darüber zunächst wenig.

Big Sur kommt

Obwohl macOS Big Sur am Donnerstag veröffentlicht wird, sind auch andere Lösungen wie Oracles VirtualBox noch nicht am Ziel. Auf Apple-Macs nutzt „alte“ Software die Rosetta-2-Schnittstelle, um weiterhin zu funktionieren. Wie gut das klappt, oder wie schlecht, darüber kann man sich bislang kein echtes Bild verschaffen. Zwar gibt es bei allen großen Anbietern vereinzelte Diskussionen in Benutzerforen. Doch die bilden nicht ein Gesamtbild ab, vor allem keines, das für Otto-Normalverbraucher taugt.

Die Kompatibilität mit Big Sur alleine ist kein Garant für eine „reibungslose“ Funktion auf Apple Silicon, im Sinne von stromsparend und hoch optimiert. Grundsätzlich gilt: Wenn eine App unter Big Sur läuft, dann auch auf Apple-Macs. Gleiches gilt vielfach auch für Software, die unter macOS Catalina funktionierte.

Erste Apple-Macs im Anmarsch

Nun präsentierte Apple kürzlich die ersten Macs mit eigenem M1-Prozessor – einen neuen Mac Mini, ein neues MacBook Air und ein neues MacBook Pro mit 13 Zoll Display. Kurze Zeit später gab es eine Stellungnahme von Parallels.

Parallels funktioniert bereits mit Apple Silicon

Wir erinnern uns. Schon auf der WWDC 2020 wurde eine Version von Parallels gezeigt, die auf Apple Silicon lief (auf dem A12Z), Craig Federighi stellte sie vor. Allerdings zeigte Apple zu der Zeit lediglich ein virtualisiertes Linux und kein Windows.

Nun verspricht Nick Dobrovolskiy von Parallels, dass man es nicht abwarten könne, die neue Hardware von Apple auszuprobieren. Man habe seit der Entwicklermesse eine Menge Fortschritte gemacht. Parallels Desktop gibt es in der neuen Version als Universal Binary. Nutzer vorheriger Versionen benötigten in jedem Fall ein Update, wenn sie die volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen wollen.

Tech-Preview von VMWare

VMWare Fusion, das Pendant zu Parallels Desktop von VMWare, gab es früh nach der WWDC 2020 als „Tech Preview“. Version 12 wurde dann im September veröffentlicht, sie funktioniert unter macOS Big Sur. Doch gibt es sie bislang aber nur für Intel-Macs.

VMWare selbst verrät nicht, ob die App trotzdem auch auf Macs mit Apple-Prozessor läuft. Wegen der Geheimhaltungsklauseln von Entwicklern, die ein Apple-Silicon-Entwicklerkit bekamen, gibt es außerdem keine Hinweise darauf, ob eine von ihnen das womöglich ausprobiert hat.

Im Support-Forum von VMWare ließ ein Mitarbeiter jedoch interessante Details fallen. Die Vorstellung eines Nutzers sei unzutreffend, dass VMWare Intel-Prozessoren oder die x86-Architektur nachempfinden müsse. Vielmehr müsse man der Software einfach beibringen mit Apples ARM-Computern zu sprechen. Im September lautete der Hinweis, dass man noch nicht soweit sei, etwas zu verkünden.

M1-Prozessor mit Virtualisierungsebene

Interessant an der Aussage jedoch ist, dass das iPad vermutlich so bald keine Virtualisierung von VMWare bekommt, da die iPad-Prozessoren keine Virtualisierungsfunktionen böten, anders als Apples M1-Prozessor.

VMWare arbeitet an Unterstützung für Apple Silicon

Tatsächlich gibt es für Nutzer von VMWare aber einen Hoffnungsschimmer. Denn das Unternehmen äußerte sich am Tag von Apples „One more thing“-Event auf Twitter. Man arbeitet daran, VMWare-Virtualisierung auch auf Apple-Silicon-Macs zu unterstützen.

Microsoft und Windows für ARM

Doch, zurück zu Windows und ARM. Wenn VMWare nach wie vor lediglich auf reine Virtualisierung setzt und keine Emulation vornimmt, dann müsste als Nutzer eine Version von Windows für ARM-Systeme einsetzen, um es zu virtualisieren.

Für dieses System gibt es aber bei Weitem nicht alle Software, die es für Windows auf x86-/x64-Systemen gibt. Damit dies aber nicht so bleibt, arbeitet Microsoft selbst an einer Emulation von x64-Apps unter Windows für ARM. Die schlechte Nachricht jedoch. Die Umsetzung dauert noch ein paar Monate. Denn Microsoft kündigte den Test erst im Oktober an. Er startet im November und ein großes Update für Windows für ARM im „Frühjahr 2021“ soll dann die Funktion aller Voraussicht nach auf die Plattform bringen.

VirtualBox, DOSBox, Qemu und andere

Und wie ist es um andere Virtualisierungslösungen bestellt? Bei VirtualBox scheint es, wie zuvor bereits erwähnt, Fortschritte mit macOS Big Sur zu geben. Darüber, ob die Software auch auf Apple-Macs läuft, gibt es noch keine Hinweise.

DOSBox gibt es für ARM

DOSBox oder DOSBox-X könnten mit ein wenig Aufwand auch auf Apple Silicon laufen. Immerhin gibt es schon jetzt die Möglichkeit, die Software auf Surface-Geräten mit ARM-Prozessoren zu nutzen, oder beispielsweise dem Raspberry Pi.

Wird Docker noch Monate brauchen?

Inwieweit Webentwickler mit Container-Software und beispielsweise Docker-Support rechnen können ist unklar. Diskussionen auf GitHub lassen vermuten, dass es noch Monate dauern könnte, bis Docker auf Macs mit Apple Silicon funktioniert. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es nur eine Version für Intel-Macs. Allerdings: Docker 2.5.0.0 und neuer laufen bereits unter macOS Big Sur. Offenbar kommen sich Docker und Virtual Box aber in die Quere, wie man Apples Support-Foren entnehmen kann.

Qemu dank Homebrew auf Apple Silicon?

Den Emulator/Virtualisierer Qemu kann man am Mac über die App-Installer MacPorts oder Homebrew installieren.

Bei Homebrew selbst begann man bereits im Juni nach der WWDC mit der Diskussion über Apple Silicon. Dort möchte man Apples eigene Prozessoren in jedem Fall unterstützen. Über den Fortschritt informieren die Entwickler auf Github.

Der Weg von Qemu auf Apple Silicon führt also auch über Homebrew. Grundsätzlich schein Homebrew aber auch auf Apple Silicon zu funktionieren, bislang mit Einschränkungen.

Sobald wir neue Anhaltspunkte zu den hier thematisierten Apps und Erkenntnisse zu weiteren Virtualisierungslösungen im Umgang mit Apples M1-Chips haben, werden wir den Beitrag entsprechend aktualisieren. Über Hinweise über die sozialen Medien zu dem Thema sind wir natürlich dankbar und ergänzen diese auch.


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