Apples Quartalszahlen Q4/2020: Cupertino im Soll, aber iPhone schwächelt

Heute Abend war es wieder so weit. Nachdem Apple zu Monatsbeginn ankündigte heute seine Quartalszahlen zu präsentieren, legte es nach Börsenschluss den Geschäftsbericht für das abgelaufene vierte Fiskalquartal vor. Der iPhone-Hersteller aus Cupertino konnte in fast allen Geschäftsbereichen zulegen, nur mit seinen Smartphones erlitt es eine böse Überraschung. Trotzdem kommt es gut durch die Coronakrise. Der Konzern gab bekannt, dass er 64,7 Milliarden US-Dollar Umsatz machte. Unter dem Strich blieben 12,67 Milliarden US-Dollar Gewinn.

Börse New York in der Wall Street, Bild: CC0

Davor gab Apple zuletzt am 30. Juli seine Quartalszahlen bekannt. Auch diese wussten zu überzeugen.

Wieder keine Prognose

Erneut war es wegen der Coronapandemie ein offenes Quartal, bei dem das Unternehmen vorab keine Prognose aufstellte. Zu unstet ist derzeit der weltweite Handel. Analysten orientierten sich deshalb unisono am Ergebnis des letzten Jahres und hofften, dass das Unternehmen dieses Ergebnis leicht übertreffen würde können.

Apple enttäuschte die Erwartungen eigentlich nicht. Obwohl in das Quartalsergebnis keinerlei iPhone-12-Verkaufszahlen mit reinspielen, war das Unternehmen dennoch in der Lage, das Ergebnis des Vorjahrs zu erreichen. Seinerzeit meldete Apple rund 64 Milliarden US-Dollar Umsatz. Der operative Gewinn lag vor einem Jahr bei 13,67 Milliarden US-Dollar. Apple steigerte nun also den Umsatz, hatte aber leicht höhere Kosten und erzielte etwas weniger Gewinn.

Ergebnis ohne neues iPhone

In den letzten Jahren steckte in dem Quartalsergebnis für das vierte Fiskalquartal meist immer auch eine Woche, in der das Unternehmen bereits die nächste Generation seiner iPhones anbot. Doch in diesem Jahr ist das anders. Denn erst Mitte Oktober präsentierte Apple seine neuen Smartphones. Seit Freitag vergangener Woche kann man das iPhone 12 und das iPhone 12 Pro kaufen. Mitte November sind dann auch das iPhone 12 Mini und das iPhone 12 Pro Max verfügbar.

Für Analysten bedeutet das, dass sie es noch schwieriger haben werden das kommende Weihnachtsquartal abzuschätzen, da es gar keinen Indikator gibt, wie gut das iPhone der aktuellen Generation bei den Kunden ankommt. Das sollte bei den Damen und Herren aber sowieso zunehmend eine untergeordnetere Rolle spielen. Denn in der Vergangenheit gab es Quartale, da rund 80 Prozent der Umsätze auf das iPhone entfielen. Mittlerweile ist Apples Geschäft deutlich diverser und ist es nicht mehr so leicht ablesbar, welchen Einfluss das iPhone nimmt.

Apples Quartalszahlen (Q4 2020) auf einen Blick

Das Geschäft Apples mit iPhones, iPads, Macs, Wearables und Services erwirtschaftete im vierten Steuerquartal 2020 64,698 Milliarden US-Dollar Umsatz (+1 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Die Vergleichszahlen, die wir heranziehen, entfallen immer auf den gleichen Zeitraum des Vorjahrs, es sei denn, es ist anders vermerkt.

Dem Mac-Anbieter aus Cupertino bleiben im vierten Steuerquartal 12,673 Milliarden US-Dollar Gewinn übrig (vgl. PDF).

  • Mit dem iPhone erwirtschafte Apple 26,444 Milliarden US-Dollar (-26,2 %).
  • Die Verkäufe von iPads erzielten 6,797 Milliarden US-Dollar (+31,5 %).
  • Das Mac-Geschäft trug 9,032 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei (+22,6 %).
  • Daneben konnte Apple Wearables, HomePods und weitere Geräte im Wert von 7,876 Milliarden US-Dollar verkaufen (+17,2 %).
  • Schließlich wuchs auch das Servicegeschäft um Apple Music, Apple TV+ und Co. Damit erzielte das Unternehmen weitere 14,549 Milliarden US-Dollar Umsatz (+14 %).

Kursrutsch nach Börsenschluss

Die institutionellen Anleger quotierten das Ergebnis negativ. Im nachbörslichen Handel ging der Kurs der Apple-Aktie nach unten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrags um rund 4 % auf 110 US-Dollar. Allerdings pendelt sich der Wert meist noch ein, kann mitunter sogar am nächsten Tag ganz anders auskommen. In jedem Fall scheinen die Investoren unzufrieden mit dem Abschneiden, vermutlich besonders des iPhones.

Das Quartal nach dem Aktiensplit

Im vergangenen Quartal kündigte Apple einen Aktiensplit an. Investoren erhielten für eine Aktie dann vier neue mit je einem Viertel an Wert. Vermutlich hat Apple damit weniger Kleinanleger im Blick gehabt, sondern sich selbst. Durch kleinere Beträge ist es in der Lage, Aktienrückkäufe flexibler zu gestalten.

Nun kündigte Apple aber am Abend wieder keinen Ausblick auf das kommende Q1/2021 an. Das Weihnachtsquartal ist jedoch das stärkste im Laufe eines Kalenderjahres. Entsprechend wird es interessant sein zu beobachten, wie teuer die Geschenke der Leute unter den erschwerten Corona-Bedingungen in diesem Jahr ausfallen.

Dividende im November

Apple gibt außerdem wieder eine Dividende aus. Durch den Aktiensplit fällt diese natürlich niedriger aus als davor. Denkt man sich die Aktienteilung weg, erhalten Aktionäre aber genauso viel wie zuvor. Pro Anteilsschein gibt es 0,205 US-Cent. Stichtag für die Gratifikation ist der 9. November 2020. Ausgezahlt wird die Dividende dann am 12. November.

Kommentar: Apple vielleicht ein Zukunftsunternehmen

Manche wissen vielleicht mit dem Begriff der sich selbsterfüllenden Prophezeiung etwas anzufangen. Die „self-fulfilling prophecy“ in Apples Fall könnte bedeuten, dass das Unternehmen irgendwann aus uns einen Terminator macht, oder einen Universal Soldier, oder doch zumindest einen Menschen mit Augmentationen, wie den 7-Millionen-Dollar-Mann. Denn Apple arbeitet im Verborgenen auf vielen Feldern und der LiDAR-Scanner ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, um bessere Fotos bei Nacht zu schießen, oder Objekte in der virtuellen und erweiterten Realität besser in ein digitales Bild zu positionieren. Vielmehr zeigen Patente wie der LiDAR-Scanner möglicherweise in Zukunft in Verbindung mit einer Brille sogar ein echtes Hilfsmittel wird, das Schwachstellen des menschlichen Auges ausgleichen kann. Werden wir in Zukunft mit Apples Brille im Dunkeln besser sehen können? Es hätte etwas von Science-Fiction, vor allem für alle Brillenträger dort draußen.

Deutlich weniger Science-Fiction dürften hingegen Apples rosige Aussichten im Markt für Heimcomputer sein. Wenn Apples MacBooks mit eigenen Prozessoren tatsächlich doppelt so lange Akkulaufzeiten bieten, wie am Markt verfügbare Geräte und aber selbst in kleiner Ausführung vorhandene Intel-Geräte in den Schatten stellen, dann dürften Kunden Apple wegen seiner ARM-Macs die Bude einrennen. Als die Frage beantwortet werden musste, VHS oder Betamax, waren Pornos die Antwort.

Apple muss sich aber nicht auf Pornographie einlassen. Stattdessen könnte das Unternehmen sich endlich für die Computerspiel-Industrie öffnen, die ein immenses Potenzial bietet. Denn Computer- und Videospiele sind mittlerweile Kulturgut und nicht mehr nur Popkultur. E-Sport wird deutlich weniger esoterisch empfunden als Schach, und Apple müsste nur verstehen, das Potenzial zu nutzen. Mit Apple Arcade versucht es, einen Schritt in die Richtung zu tun, doch das Angebot berücksichtigt lediglich einen Teil von Apples Zielgruppe.

Apple braucht sich nicht treiben lassen, muss aber einen Zahn zulegen

Es wäre falsch, wenn Apple auf jeden Trend reagiert. Das tut das Unternehmen sowieso nicht. Aber es wäre auch hilfreich, wenn Apple Dinge, die es ankündigt, auch etwas flotter realisiert. Es gibt mit Sicherheit einige Kunden, die sich fragen, warum denn Apple One, das Abo-Paket-Angebot noch nicht gestartet ist.

Oder es gäbe vermutlich auch genug internationale Kunden, die eine Kreditkarte von Apple verwenden würden. Wenn Apple wirklich wollte, könnte man manche Dinge mit Sicherheit auf dem kleinen Dienstweg erledigen oder auch einmal in Verhandlungen einen Schritt auf den Gegenüber zugehen.