EU-Kartellwächter bereiten Anklage gegen Apple vor

Die EU-Kommission wurde aufgrund einer Beschwerde Spotifys hin erst tätig. Nun berichtet die Agentur Reuters exklusiv über die Vorbereitungen einer Anklage der EU gegen Apple.

Apple Music, Bild: Apple

Noch in diesem Sommer soll eine Anklage der EU-Kartellwächter Apple zugestellt werden. Dies berichtet die Agentur Reuters unter Berufung auf zwei Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

Apples Geschäftsmodell steht auf dem Spiel

Insgesamt vier Fälle behandelt die EU-Kommission derzeit gegen Apple, allesamt sind im Sommer 2020 auf den Tisch gekommen. Zumindest eine davon, die auf eine Beschwerde von Konkurrent Spotify zurückgeht, dürfte Apples Geschäftsmodell betreffen.

App-Entwickler müssen an Apple eine Gebühr abgeben, wenn sie Software im App Store verkaufen wollen. Ende letzten Jahres reduzierte Apple als Zeichen des guten Willens für „kleine Entwickler“ diese Gebühr von 30 auf dann 15 Prozent.

Abonnements dürfen nicht ohne Apple ausgehandelt werden. Es gibt jedoch Ausnahmen und natürlich können Anbieter Software bereitstellen, in die man sich einloggt, bei der man den Bezahlvorgang aber in jedem Fall außerhalb der App realisieren muss. Dies ist umständlicher und ein Nachteil in der Benutzerführung gegenüber Apples eigenen Apps. Entweder nimmt der Anbieter dann in Kauf, Apple etwas abgeben zu müssen oder er akzeptiert, dass Apples Angebote oder die von Konkurrenten, die dies akzeptieren, leichter bedienbar sind.

Schwierig ist dies vor allem, da Apple mit Apple Music ein Konkurrenzangebot zu Spotify betreibt.

Warten auf EU-Kommission

Reuters weist zurecht darauf hin, dass die EU-Kommission in solchen Fällen vorab immer auch eine Stellungnahme veröffentlichen wird. Dies kann zwar trotzdem noch Wochen oder Monate dauern, wird aber dann sehr interessant werden. Denn darin wird normalerweise die Anklage begründet, eine mögliche Strafe angedroht und aber auch Möglichkeiten zur Lösung bereitet.

Lösungsansatz: Ausgliederung von Servicegeschäft

Eine Lösung fällt uns spontan ein: Apple könnte Apple Music und seine übrigen Services in ein separates Unternehmen ausgliedern. Eine „Apple Services“-Gesellschaft müsste dann dem Mutterkonzern seinerseits Tantieme entrichten und sich außerdem an die Spielregeln im App Store halten.

Spotify drohte Entwicklern

Spotify selbst legt sehr viel Wert darauf, sein System geschlossen zu halten und drohte Entwicklern Ende letzten Jahres mit dem Lizenzentzug, wenn sie nicht aufhörten, Datenmigration zu anderen Anbietern in ihren Apps zu erlauben.