Alexander Trust, den 18. November 2020

App Store Small Business Programm: kleine Entwickler geben nur noch 15 Prozent ab

App Store
App Store, Bild: CC0

Apple kündigte heute das neue „App Store Small Business Programm“ an. Was auf den ersten Blick wie eine unscheinbare Pressemeldung wirkt, ist eine Entscheidung, die den App Store als Geschäftsumfeld gewissermaßen revolutioniert. Ab 1. Januar 2021 müssen „kleine“ Entwickler nur noch 15 Prozent Umsatzmarge an Apple abgeben. Das entscheidet sich jeweils am Umsatz des Vorjahres.

„Verdiente“ ein Entwickler 2020 nicht mehr als „eine Million“ US-Dollar mit seinen Produkten im App Store, dann erhält er 2021 in Zukunft 85 Prozent vom Umsatz, und Apple behält lediglich 15 Prozent ein. Tatsächlich macht Apple den Umsatz nach Abzug der Provision zur Grundlage. Wenn einem Entwickler nach Abzug der 30-Prozent-Abgabe also eine Million US-Dollar übrig bleiben, muss er diese auch in Zukunft zahlen.

Apple stellt sich auf Seite kleiner Entwickler

Eigentlich kann diese Entscheidung Apples nicht nur Selbstzweck sein. Denn auch „Kleinvieh macht Mist“ und hat der Konzern von den vielen Kleinunternehmern ebenfalls profitiert. Doch auf den ersten Blick wirkt das jetzt vorgestellte „App Store Small Business Programm“ wie ein gekonnter Schachzug, und zwar aus gleich mehreren Gründen.

Wie das Small Business Programm Apple hilft

Apple geriet zuletzt zunehmend in die Kritik wegen der Praxis, 30 Prozent vom erzielten Umsatz im App Store einzubehalten. Die Kritiker aus dem Lager der „Indie“-Entwickler dürften nun verstummen.

Gleichzeitig zieht man sie so auf seine Seite und stärkt die eigene Position gegenüber Unternehmen wie Epic Games, das mit Apple vor Gericht streitet. Zusammen mit Spotify gründeten die Firmen sogar eine eigene Lobbyorganisation mit Büros in Brüssel und Washington D.C., um politischen Einfluss auszuüben. Dieser Koalition wird nun Wind aus den Segeln genommen.

Darüber hinaus kann Apple diese „Sozialisierung“ des App Stores (wer mehr verdient, zahlt auch mehr), positiv für die eigene Imagepflege einsetzen. Das Unternehmen setzt sich für „kleine Entwickler“ ein.

Zweite Goldgräberstimmung im App Store wird aufkommen

Doch Apple schafft, ob gewollt oder nicht, mit dieser Entscheidung noch etwas anderes. Es wird auf diese Weise eine zweite Goldgräberstimmung erzeugen. Die Einführung des „App Store Small Business Programms“ wird wie ein Katalysator wirken.

Denn nach 12 Jahren App Store ist die erste Goldgräberphase mittlerweile abgeklungen und hat sich Ernüchterung breitgemacht. Es werden neue Entwickler aufs Tapet kommen, mit frischen Ideen, die nicht denken, dass man ohne Businessplan und finanzielle Investitionen nicht auf einen grünen Zweig kommen kann. Stattdessen kann man nun mit weniger verkauften Apps trotzdem mehr verdienen.

Details zum Apple Small Business Programm

Apple hat bislang noch wenige Details zum „App Store Small Business Programm“ bekannt gegeben. Die umfassende Dokumentation soll im Dezember erfolgen.

Doch schon jetzt wissen wir Folgendes:

  • Entscheidungsgrundlage für die niedrigere Gebühr von 15 Prozent ist zum Stichtag der Umsatz des Vorjahres nach Abzug der Provision.
  • Erzielt ein Entwickler im laufenden Jahr mehr als eine Million US-Dollar Umsatz, wird erst nach Übertritt dieser Schwelle für den Rest des Jahres die 30-Prozent-Abgabe fällig.
  • Fällt ein Entwickler irgendwann unter die Schwelle von einer Million US-Dollar Umsatz, qualifiziert er sich fürs Folgejahr erneut für die niedrigere 15-Prozent-Abgabe.

Apple behält außerdem grundsätzlich seine Provisionsbasis von 30 Prozent bei. Bei einer unabhängigen Analyse fand man heraus, dass diese Provisionsbasis gängige Praxis sei.

Unklar ist noch, ob dies tatsächlich nur für den App Store gilt, oder beispielsweise auch Autoren oder Musiker von dem Programm profitieren.


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