AirTag im Test: Apple-Tracker ist ausbaufähig

AirTag im Schlüsselanhänger, Bild: Alexander Trust

Apple veröffentlichte vor Kurzem seinen ersten Bluetooth-Tracker AirTag, der offenbar schon 2019 auf den Markt hätte kommen können. Wir haben uns das „Gerät“ gekauft und verraten in unserem AirTag-Test, welche Erfahrungen wir damit gemacht haben.

Wir wissen heute, dass die vielen Gerüchte um Apples AirTags etwas Wahres hatten. Sieht man von den Hinweisen in Betaversionen von iOS ab, gibt es mittlerweile auch offizielle Belege dafür, dass sich die Veröffentlichung des Bluetooth-Token aus unbekannten Gründen verzögerte. Ein Blick auf die Verpackung der AirTags zeigt ein Copyright-Datum „2020“. Je nachdem, in welchem Land man das Produkt außerdem kauft, gibt es Kurzanleitungen, auf deren Rückseite zudem ein Datum „2019“ steht.

Ob Apple in der Zwischenzeit das Gerät auch umgebaut hat, oder ob es lediglich an bürokratischen Hürden lag, die die Veröffentlichung verzögerten, ist im Ergebnis vernachlässigbar. Es hilft trotzdem mit dem Blick auf das Produkt, dass es jetzt nicht den „neusten Schrei“ darstellt.

AirTag einfach einzurichten

Beim Auspacken wird schnell klar, dass der AirTag ein simples Produkt ist. Er hat eine Funktion zu erfüllen und Apple versucht es den Nutzern besonders einfach zu machen. Wir haben in unserer Anleitung zum Einrichten des AirTag bereits beschrieben, wie einfach es ist. Beim Auspacken wickelt man einen Kunststoffüberzug vom Gerät ab und stellt so auch den Kontakt zwischen Batterie und AirTag her. Alles, was es dann noch braucht, ist ein kompatibles iPhone oder iPad mit iOS 14.5 oder neuer.

Die Einrichtung erfolgt in wenigen Sekunden. Danach kann man das Gerät seinem Zweck zuführen.

Gekauft, und jetzt?

Wer so einen AirTag kauft, der sollte sich am besten vorher Gedanken gemacht haben, wofür er ihn benutzen möchte. Ein prototypisches Szenario ist, den Bluetooth-Tracker an den Schlüsselbund zu machen. Alternativ könnt man ihn auf Reisen in einen Koffer stecken, damit diese nicht wegkommen kann. Ebenfalls denkbar ist, den Tracker in die Handtasche, den Rucksack oder beispielsweise das eigene Auto zu packen.

Generell gilt, man kann den Tracker für Dinge verwenden, die einem am Herzen liegen, oder die man oft braucht aber mindestens genauso oft verlegt.

Unfertig, mit Absicht oder Vorsatz?

Die AirTags sind also einfach eingerichtet und gut wiederzufinden, jedenfalls, wenn man ein relativ neues iPhone 11 oder iPhone 12 mit integriertem U1-Chip nutzt. Alle anderen Geräte finden die Tracker nur näherungsweise. Da sie aber ja Geräusche von sich geben, sollte man sie trotzdem relativ leicht finden.

Ein Punkt, der aber vor allen Dingen in Familien und Beziehungen zum Problem wird: Man kann AirTags nicht beliebig teilen. Angenommen zwei Personen teilen sich ein Auto und entsprechend auch den Schlüssel. Bei Trackern der Konkurrenz gibt es in der Regel eine Funktion, um den Token für die andere Person sichtbar zu machen. Apple hat diese Funktion (noch) nicht implementiert. Man kann in der „Wo ist?“-App den Token nur als derjenige sehen und suchen, der ihn eingerichtet hat.

Es scheint, als hätte Apple diese Funktion übersehen. Möglich aber auch, dass sie sich bislang nicht mit dem darunter liegenden Konzept zur Anonymisierung verbinden lassen. Diese Frage muss Apple beantworten.

Für die Umwelt, oder dagegen?

Ein Aspekt, der Käufer und Käuferinnen der AirTags ebenfalls umtreiben sollte, ist der Umweltschutz. Als bekannt wurde, dass man bei den Geräten die Batterie tauschen kann, dachte ich auf den ersten Blick, dass dies ein Vorteil sei. Schließlich müsste man die Hardware nicht wegwerfen, sondern könnte einfach die Batterie tauschen.

Den Batteriedeckel drückt und dreht man gegen den Uhrzeigersinn, um den AirTag zu öffnen.

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AirTag geöffnet zum Batteriewechsel, Bild: Alexander Trust

Warum aber setzt Apple auf Wegwerfbatterien? Wie passt das zum Ansatz des Unternehmens, der Umwelt helfen zu wollen? Auch hier mag man vorschnell urteilen. Mein Laienverständnis von wiederaufladbaren Batterien sagt mir, dass es derzeit besser ist auf sie zu verzichten, wenn sie derart klein sind. Die Batterietechnologie von heute ist nämlich in dem Bereich eingeschränkt. Das macht aus den AirPods nämlich regelrechte Wegwerfprodukte. In ihnen schlummert zwar eine wiederaufladbare Batterie. Doch wegen der kompakten Abmessungen nutzt sich die Chemie darin so schnell ab, dass man bei regelmäßiger Nutzung spätestens nach zwei, drei Jahren eine neue Batterie benötigt. Hätte Apple das bei den AirTags besser machen können als mit Wegwerfbatterien? Ich weiß es nicht, lass mich aber gerne eines Besseren belehren. Entsprechend ist dies aber ein Punkt, den ich in dem Test der AirTags zur Diskussion stelle und nicht abschließend beurteilen kann.

Fazit

Mein Fazit zu den AirTags ist vorläufiger Natur. Beispielsweise kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie lange die Batterie tatsächlich halten wird. Doch auch das ist zumindest eine Facette, die man nicht außer Acht lassen soll.

Gefühlt ist die Umweltbilanz der AirTags trotz Wegwerfbatterie besser als diejenige anderer Apple-Produkte. Das kann aber ein Trugschluss sein.

Und dann, ja dann ist Apple wie immer ein Umstandskasten. Die kinderleichte Einrichtung und das millimetergenaue Wiederfinden mit U1-Geräten ist toll. Doch dass Personen einer „Familie“ einen AirTag nicht gemeinsam auf der Karte sehen können, geschweige denn suchen, ist zumindest außerhalb von Singlehaushalten alltagsfremd. Ja, jeder hat vielleicht seinen eigenen Rucksack, aber was, wenn gerade der Andere beim Suchen helfen soll, oder man selbst gar nicht zu Hause ist. An der Stelle muss Apple noch nachbessern.

Die Zeit gebe ich dem Unternehmen auch. Deshalb kündige ich an dieser Stelle schon einmal an, dass mein Testergebnis nur vorläufig ist. Ich werde noch einmal nachbessern, wenn Apple nachbessert, so wie ich es zum Beispiel beim Test des Mac mini M1 auch gemacht habe.

Unter dem Strich sollte man sich aber auch die Frage stellen, braucht man einen AirTag wirklich. Denn wir sind schließlich all die Jahre vorher auch ohne ausgekommen. Und nur, weil ein Produkt von Apple stammt, muss man es sich nicht zwingend kaufen.

Wertung

6/10

Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 4. Mai 2021
  • Zuletzt aktualisiert am: 5. Mai 2021
  • Wörter: 891
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  • Lesezeit: 3 Minuten 52 Sekunden