Alexander Trust, den 19. September 2020

Apple Fitness+, was ist das eigentlich?

Apple Fitness+
Apple Fitness+, Bild: Apple

Auf seinem Time-Flies-Event Mitte des Monats präsentierte der iPhone-Hersteller neue Tablets und neue Versionen seiner Smartwatch. Doch das Unternehmen stellte auch ein weiteres Service-Angebot vor: Apple Fitness+.

Vorweg: In iOS 14 und iPadOS 14 fand eine Umbenennung statt. Die „Aktivitäten“-App ist nun die „Fitness“-App. Mit der Umbenennung deutet Apple bereits an, dass rund um diese App nun noch mehr Bewegung geschieht. Tatsächlich erlaubt Apple den Nutzern, noch aktiver zu sein. Denn mittlerweile erkennt die Apple Watch auch, wenn man tanzt und Tanzen wird zum Workout.

Doch das ganze System der Herausforderungen wurde ausgebaut. Aber wozu das Ganze? Wieso sollte man sich anstrengen?

Apple Fitness+ ein neues Service-Angebot aus Cupertino

Schon vorher konnte man ins Fitnessstudio gehen, oder Radfahren, Schwimmen und anderes mehr. Es gab einfache Möglichkeiten, Freunde herauszufordern. Doch mit Fitness+ kommt noch mehr Bewegung ins Spiel.

Tatsächlich hat Apple einen Trend für sich entdeckt, der seit einigen Jahren immer größer wird. Krankenkassen bieten mittlerweile Kooperationen mit Anbietern von Fitnessprogrammen für Zuhause an. Zeitschriften und Magazine überhäufen Leser mit Tipps zu einfachsten Übungen für die Fitness Daheim. Das Fitnessstudio war einmal. Wann man will, wo man will, kann man am heimischen Fernseher oder vom iPhone und iPad aus mit Videokursen die eigene Kraft, Ausdauer, Agilität und andere Dinge mehr stärken.

Apple Fitness+ setzt genau dort an. Zusammen mit professionellen Fitnesstrainern werden Videos entwickelt, um die persönliche Fitness zu steigern. In wöchentlichem Rhythmus sollen neue „Kursinhalte“ erscheinen, aus verschiedenen Kategorien wie Yoga, Tanzen, Gehen oder Laufen auf dem Laufband, Fahrradfahren, hochintensives Training (HIIT), Rudern, Kraft und andere mehr.

Fitness+ keine Idee aus der Corona-Krise

Apples technischer Direktor, Jeff Williams, erklärte gegenüber der Agentur Reuters, dass man den Service schon lange Zeit vor der Covid-19-Pandemie ins Auge fasste. Williams erklärt, dass einer der häufigsten Vorschläge von Ärzten an Patienten sei: Bewegen Sie sich mehr. Die Apple Watch sei wie dafür gemacht, die Menschen zu mehr Bewegungen anzuhalten.

Apple Watch zentraler Bestandteil von Fitness+

Videokurse zu schauen und mitzumachen, ist das Eine. Das Andere ist, seine Anstrengungen und seinen Erfolg zu messen und ihn vergleichen zu können. Entsprechend stellt die Apple Watch beim Starten eines Fitness+-Kurses immer schon das richtige Workout ein und stellt sich darauf ein. Nutzer können dann z. B. den Puls, die Trainingszeit und die verbrauchten Kalorien als zusätzliche Motivation am (großen) Bildschirm beobachten.

Doch die Watch ist eben noch mehr. Die Fitnessdaten, die sie erhebt, sie dienen zusammen mit modernen Maschinenlern-Algorithmen dazu, dem Nutzer passende Fitnessangebote aus Fitness+ vorzuschlagen, die sich nach dem eigenen Fitnesslevel richten und darauf abgestimmt sein sollen, was das System über einen weiß. Dabei betont Apple die Wichtigkeit der Privatsphäre. Deshalb arbeitet der Algorithmus nur auf den eigenen Geräten und kann außerdem keine Bezüge zur Person herstellen, sondern sieht nur ein anonymes Individuum, dem es versucht zu helfen.

Was kostet Apple Fitness+?

Apple bietet Fitness+ für 9,99 US-Dollar im Monat an. Ein Jahresabo soll 79,99 US-Dollar kosten. Käufer einer Apple Watch Series 3, Watch SE oder Watch Series 6 erhalten drei Monate Fitness+ gratis. Es gibt dabei die ersten 30 Tage kostenlos, wie man der Pressemitteilung entnehmen kann.

Fitness+ unterstützt die Familienfreigabe. Es können also bis zu fünf weitere Personen von dem Abo profitieren. Wer „nach“ dem 15. September eine Apple Watch Series 3 oder neuer kauft, erhält 3 Monate Fitness+ gratis. Auch erhalten Kunden, die die Watch bei Best Buy kaufen und am Partnerprogramm teilnehmen erhalten sogar sechs Monate des Fitness-Abos aus Cupertino kostenlos. Teilnehmer des „My Best Buy“-Programms, die schon eine Series 3 oder neuer haben, bekommen immerhin zwei Monate Fitness+ nachträglich kostenlos.

Verfügbarkeit: Wann gibt es Fitness+ in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Kommen wir nun zu einem eher unschönen Thema: der Verfügbarkeit. Denn der neue Service startet sowieso erst gegen Ende des Jahres und wird zu Begin ausschließlich in folgenden englischsprachigen Ländern erhältlich sein:

  • Australien,
  • Großbritannien,
  • Irland,
  • Kanada,
  • Neuseeland,
  • USA.

Wann ein Start in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sich abzeichnet, ist nicht bekannt.

Warum es noch Jahre dauern kann, bis Fitness+ zu uns kommt

Apple setzt für seine Fitnessprogramme auf Trainer mit Geschichte, die besonders motivieren sollen. Vermutlich möchte es für den deutschsprachigen Raum auch ebensolche Trainer finden, wenn es denn zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt danach sucht.

Zum einen ist es mehr als tragisch, dass man glaubt, dass es nicht zumindest auch mehr als eine Handvoll Kunden gäbe, die auch mit den englischsprachigen Inhalten kein Problem hätten. Kinect Fitness von Microsoft verfügt ebenfalls über vorwiegend englischsprachige Inhalte, aber die konnte man auch in Deutschland kaufen.

Dieses Szenario: Die Suche nach geeignetem deutschsprachigem Personal und die Produktion passender Inhalte würde vermutlich eine Veröffentlichung von Fitness+ im Raum DACH im Jahr 2021 erlauben.

Doch es scheint nicht unmöglich, dass der Service auch im nächsten Jahr nicht in Deutschland startet. Warum? Apple ist kein Wohlfahrtsverein, sondern ein Unternehmen, das Geld verdienen möchte. Es kann gut sein, dass bei einer mittleren bis niedrigen Akzeptanz des Service in den USA, oder zu hohen Hürden hierzulande, die Umsetzung sich zieht wie Kaugummi. Wir haben das zum Beispiel bei Apple Pay erlebt. Wir erleben es aber auch bei Apple News+. Tragisch ist, dass Apple sein Nachrichten-Angebot nur mit Mainstream-Medien im Hinterkopf planen möchte und gerade die aber Angst vor Kontrollverlust haben und gerne mehr Geld möchten. Dass es guten „Indie“-Journalismus jenseits Autobild und Co. gibt, der durch Apples Angebot auch profitieren könnte, dafür ist der Konzern (noch) nicht empfänglich.

Doch ein paar versöhnliche Worte zum Schluss. Die Fitnessbranche weltweit ist beinahe ein 100 Milliarden US-Dollar Geschäft (vgl. Statista). Auf die Fitnessindustrie in Deutschland entfallen davon sechseinhalb Prozent (6,2 Milliarden US-Dollar). Entsprechend dürfte Apple ein genuines Interesse haben, eher früher als später auch hierzulande mit dem Service zu reüssieren.


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