Von Alexander Trust am 29.01.2020 (letztes Update: 25.02.2020).

Kommentar: Ach Apple, was machen wir bloß mit dem Mac?

Apple Macintosh
Apple Macintosh, Bild: CC0

Apple veröffentlichte seine Quartalszahlen. Die sind, um es mit Mo-Do zu sagen: „Gut, gut, supergut!“ Doch der Geschäftsbericht stellt erstmals auch die Existenzberechtigung von Apples Mac-Geschäft in Frage.

Denn erstmals lieferte nun auch Apples Geschäft mit Wearables und anderer Elektronik mehr Umsatz als der Mac.

Apple macht mehr Geld mit Watch und Co. als mit dem Mac

Die Kategorie „Wearables, Home and Accessories“ trug 10,010 Milliarden US-Dollar zum Konzernumsatz bei. Das Geschäft mit Macs hingegen nur 7,16 Milliarden US-Dollar. Apple verdiente also mit „Kleinvieh“ 28,4 Prozent mehr als mit MacBooks, iMacs und Co.

AirPods (Pro) gehen weg wie warme Semmeln, die Apple Watch auch. Tim Cook erzählte in der Telefonkonferenz nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts („Earnings Call“), dass drei Viertel aller Apple-Watch-Käufer die Smartwatch zum ersten mal kauften. Der CEO verriet aber auch, dass Apple Probleme hatte, die Nachfrage bei den AirPods und der Apple Watch Series 3 zu bedienen.

Die Kontingente für die Geräte sind weiterhin niedrig. Gegenüber der Agentur Reuters versprach Cook aber, dass das Unternehmen hart an der Verfügbarkeit beider Produkte arbeite.

Apple Watch beim Basketball

Apple Watch beim Basketball, Bild: Apple

Cook bemühte außerdem einen interessanten Vergleich: Apples Geschäft mit Wearables habe nun die Größe eines Fortune 150 Unternehmen. Beeindruckend.

Hey Mac, was machen wir bloß mit dir?

Des einen Freud ist aber immer auch mal des anderen Leid. Tatsächlich müssen sich alle strecken, die Apple auf den Wunschzettel schreiben wollen, dass das Unternehmen doch bitte möglichst ganz viele Ressourcen dafür aufwenden soll, dem Mac wieder Leben einzuhauchen.

Braucht es den Mac, wie wir ihn kennen gelernt haben, überhaupt noch? Da war das Bastelprojekt am Hochschulclub in den 1970ern, das sich in den cineastisch beworbenen Macintosh entwickelte.

Dieses Experiment wäre beinahe schief gegangen, bekam aber Ende der 1990er noch die Kurve. Der iMac G3 war’s, der Apple aus der Patsche half – und Bill Gates.

Und nun gibt es MacBook mit Touch Bar und Mac Pros die wieder so ausschauen wie damals, vor dem Mülleimer. Die Käsereibe ist zurück. Sie wird die kreativen Profis begeistern. Aber den Mainstream erreicht Apple mit seinen Macs nicht.

Sind wir doch mal ehrlich: Die Glasscheibe namens iMac, die Apple zuletzt beim US-Patent- und Markent-Amt anmeldete, ist eine schöne Utopie. Doch wenn wir länger drüber nachdenken, dann ist so ein Produkt derzeit noch nicht machbar und würde, wenn es so weit ist, leider nicht billig. Klar, ich traue Apple sogar zu, dass es so eine neue Design-Ikone raushaut. Nur den Massenmarkt wird auch die nicht erobern.

Die letzte Rettung: Der ARM-Mac?

Wenn ich als Mac-Nutzer länger die Stirn in Falten lege, kommt mir momentan nur ein Rettungsanker in den Sinn: Der Mac mit ARM-Prozessor.

Gerüchte, dass Apple zumindest ein Laptop mit ARM-Prozessor anbieten könnte, gibt es schon eine Weile. Zuletzt hieß es außerdem, dass die nächste iPhone-Chip-Generation auf dem Leistungslevel eines MacBook Pro 15 Zoll ankommt.

Apple A10 Fusion

Apple A10 Fusion, Bild: CC0, Henriok

Warum aber ist der ARM-Mac ein möglicher Rettungsring? Falls Apple tatsächlich ein Laptop mit eigenem Prozessor anbietet, könnte es dies zu einem Preis tun, der der Konkurrenz Feuer unterm Hintern macht. Doch das Gerät könnte dann auch von der App-Vielfalt für iOS und iPadOS profitieren. Gerade die lässt am Mac eben zu wünschen übrig, zumindest wenn man damit mehr machen möchte als „arbeiten“.

Das alles bedeutet aber nicht, dass der Mac tot ist. Er ist momentan nur in die zweite Reihe getreten. Vielleicht erlebt er ja ein Revival, vielleicht auch nicht.

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