Apple und die Macworld-Absage: Eine richtige Entscheidung?

Seit gestern gibt es in der Mac-Welt praktisch nur noch ein Thema: Steve Jobs' Abwesenheit von der Macworld-Keynote und Apples Absage für die Macworld 2010. Ersteres eine Tatsache, die von vielen (wie auch uns) bereits vermutet wurde, zweiteres aber eine echte Überraschung.

MacBook aus Aluminium (10/2008), Bild: Apple

Seit Beginn der Macworld 1985 war die Messe eines der wichtigsten Events der Mac-Szene, erst recht seitdem im Jahr 1997 bei der Keynote Steve Jobs wieder auf die Apple-Bühne stiegt. Diese Ära ist nun zu Ende: Am 6. Januar wird Phil Schiller als Jobs‘ Stellvertreter auf die Bühne des Moscone Center treten und die eventuell vorhandenen Neuheiten vorstellen.

Messen genießen keinen Fokus mehr

Schon seit einiger Zeit hat sich langsam aber sicher abgezeichnet, dass die Messen nicht im Hauptfokus der Firma mit dem Apfel stehen. Mittlerweile sind es eher spezielle Events, die Apple kurzfristig ankündigt und Einladungen nur an ein ausgewähltes Zielpublikum verteilt.

Bis vor einigen Jahren gab es innerhalb eines Jahres mehrere wichtige Termine wie Messen oder Konferenzen, bei denen neue Geräte und Software zentral vorgestellt wurden. 2005 gab es sogar zwei Macworld Expos, die in den USA abgehalten wurden, bis die an der Ostküste vom Programmplan gestrichen wurde. Und dann ist da ja auch immer noch die Worldwide Developers Conference, auf der nicht nur neue Software, sondern auch neue Hardware den Weg in die Öffentlichkeit fand. Wichtigstes Ereignis war sicher die Bekanntgabe des Wechsels auf Intel-Prozessoren im Jahr 2005.

Eigene Events im Vorteil

Vorteil der eigenen Events: Alles lässt sich flexibler planen. Nachteil von Veranstaltungen wie der Macworld: Es gibt vorgegebene Termine, an denen bestimmte Dinge erwartet werden. Gerade Messen kosten außerdem eine Menge Geld, auch kein unerheblicher Faktor, den Apple bei der eigenen Entscheidung ins Kalkül gezogen hat.

Messen wie die Macworld Expo sind primär für Zubehörhersteller, Händler und das Fachpublikum eine wichtige Sache. Und das, obwohl der große Auftritt von Apple den Großteil der anderen vorgestellten Produkte in den Schatten stellt. Sicher ist das auch einer der Gründe, warum viele ausstellende Firmen schon Wochen im Voraus über neue Produkte berichten, und Pressetermine mitunter schon vor der Messe stattfinden. Mit Apples Ausstieg von der Messe könnte sich das Blatt für Hersteller von Mac-Zubehör wenden, im schlimmsten Fall hinterlassen die Herren aus Cupertino aber ein so großes Loch, dass die Macworld Expo mitten hineinfällt und aus der Veranstaltung eine Konferenz mit angeschlossener Mini-Messe wird.

Wirtschaftlich ergibt der Ausstieg von Apple bei der Macworld Sinn: Man ist bei Veröffentlichungen nicht mehr auf Termine angewiesen, Kosten für Messestand und Personal können eingespart werden. Anstatt dessen gibt es die Spontan-Präsentationen, zu denen gesondert eingeladen wird, wenn die Zeit dafür gekommen ist und Produkte in einem ausgereiften Zustand sind. Letzte, prominente Beispiele: Die Präsentation der neuen iPods und der Unibody-MacBooks.

Als alternative „Showbühne“ erweitert der Konzern konstant das Angebot an Apple Stores weltweit. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Das Betreten eines solchen Mac-Tempels ist doch ähnlich schön wie der Besuch eines Messestandes, für den man sonst bezahlen müsste. Wenn nicht sogar noch schöner.

Was aus der Macworld im Jahr 2010 wird, kann man aktuell noch nicht absehen. Es ist aber bezeichnend genug, dass Aussteller wie Belkin und Adobe ihre Messeauftritte 2009 absagen und sich, wie in Adobes Fall, primär auf den Konferenzteil der Veranstaltung stürzen. Und das liegt sicher nicht primär an der wirtschaftlichen Lage, sondern viel mehr an einem: Dass solche Messen an Stellenwert verloren haben.

Für Apple war die Entscheidung sicher nicht falsch, denn sie können auch ohne die Macworld weiterhin bestehen. Für die Messeveranstalter und die anderen Aussteller wird die Lage aber sicher nicht einfach, da ohne Apple das stärkste Zugpferd für die Besucher fehlt. Für den Konsumenten bedeutet eine veränderte Produktvorstellungspolitik vermutlich nur Gutes: Neue Geräte werden künftig sicher nicht überstürzt auf den Markt geworfen, nur weil eben gerade eine Messe ansteht.

Mehr über kg:

Erst Atari-Besitzer, dann ab Mitte der Neunziger Apple-User, angefangen mit einem Performa 5200, jetzt MacBook-Nutzerin.

Metadaten
  • Geschrieben am: 17. Dezember 2008
  • Zuletzt aktualisiert am: 2. März 2021
  • Wörter: 616
  • Zeichen: 4456
  • Lesezeit: 2 Minuten 40 Sekunden