Gerüchte-Checkup zur WWDC 2008

Traditionell vor großen Mac-Events versuchen wir bei Macnotes die Gerüchte, die im Vorfeld durch die Gazetten zogen, zusammenzufassen und etwas zu ordnen. Dabei lagen wir bei vergangenen Events immer recht gut bei dem, was anschließend auf der Keynote vorgestellt wurde.

Moscone West zur WWDC 2008

Dieses Jahr scheint alles etwas anders zu sein. Die Gerüchte ändern sich fast stündlich. Mittlerweile schwirrt einem der Kopf wegen der Vielzahl an vorab aufgetauchten Bildern, technischen Spezifikationen und sonstigen Gerüchten. Vielleicht sind also einige Gerüchte bereits morgen schon wieder überholt. Trotzdem möchten wir Euch an dieser Stelle unseren traditionellen Gerüchte-Checkup servieren.

iPhone

Den dicksten Gerüchtebrei haben die Gerüchteköche rund um das Thema iPhone angesetzt. Das 3G-iPhone gilt zur morgigen Keynote als gesetzt. Mit abschaltbarer UMTS-Funktion, wie es bereits in den letzten Builds der 2.0-Beta des OS X iPhone zu sehen war, will Apple das Problem des hohen Stromverbrauchs in den Griff kriegen.

Die Frage ist, auf welchen Prozessor Apple bei der zweiten Generation des Mobiltelefons setzt. Zunächst preschte ein Intel-Manager vor und verkündete das nächste iPhone würde von Intels neuestem Atom-Prozessor angetrieben. Am nächsten Tag stellte man klar, dass man das iPhone nur als Stellvertreter der Geräteklasse nannte. Wir meinen, dass der für das iPhone geeignete Silverthorne aktuell noch zu viel Strom verbraucht und daher vorerst nicht im iPhone zum Einsatz kommen wird.

GPS im neuen iPhone?

Das nächste iPhone wird GPS-Funktionalität haben. Darauf deuteten ebenfalls die letzten Builds des OS X iPhone 2.0 hin. Die enthielten ein Geotagging-Feature. Ohne GPS ist eine solche Funktion nicht sinnvoll zu nutzen. Die Triangulierung über Mobilfunksendemasten ist ungenau.

Streit gibt es noch über die Art und Weise der GPS-Integration. Einige meinen, Apple würde nur eine Schnittstelle schaffen. Über die könnten Drittanbieter später GPS-Module an das iPhone anbinden. Wir meinen, dass Apple GPS direkt in das iPhone einbaut. Denn nicht zuletzt kritisierten viele Nutzer das Fehlern von GPS. Zudem werden ortsabhängige Dienste in Zukunft immer wichtiger und evtl. sogar zu einer Einnahmequelle. Diesen Markt will sich Apple sicher nicht entgehen lassen.

Über das Design des nächsten iPhones kursierten in den letzten Wochen zahlreiche unterschiedliche Meinungen. Erst sollte es dicker und später dünner als das aktuelle Modell sein. Viele der aufgetauchten Bilder waren nur gut gemachte Photoshop-Arbeiten. Die zuletzt am Freitag aufgetauchten Bilder machen allerdings einen sehr realistischen Eindruck.

Mac OS X

Sicher ist, dass Apple bereits an Mac OS X 10.6 arbeitet. Darauf deuten auch zahlreiche Hinweise in Konfigurationsdateien in den aktuellen WebKit-Builds und der iPhone-2.0-Beta-Software hin. Bleibt auch noch die Frage nach dem Namen für das Release, denn so langsam wird die Auswahl an verbleibenden Raubkatzen gering. Und Mac OS X Ozelot würde zumindest passen, denn der Ozelot, lateinisch Leopardus pardalis, würde doch perfekt zu einem größeren Leopard-Update passen.

Snow Leopard?

Letzte Woche hieß es dann, Apple würde auf dem Weg zum nächsten großen Release von Mac OS X eine Zwischenversion einschieben. Die trägt den Codenamen Snow Leopard. Auf der WWDC soll es dazu sogar schon einen ersten Einblick geben. Der Schneeleopard soll nur noch Intel-Macs mit 64-Bit-CPU unterstützen. Damit würden selbst die ersten Intel-Macs mit Yonah-Prozessor bereits nicht mehr von 10.6 unterstützt werden. Mit diesem radikalen Schritt will Apple Altlasten aus dem System werfen.

Das Apple diesen Pfad gehen wird wurde bereits auf der letzten WWDC klar, als man bekannt gab, dass die Carbon-Schnittstellen nicht mehr an die 64-Bit-Architektur angepasst werden würden. In OS X 10.6 soll Carbon ganz verschwinden, was für einige Softwarehersteller ein großes Problem werden dürfte, denn Adobe hat schon angekündigt, dass die kommende CS4 noch auf Carbon setzen wird. Erst die CS5 soll vollständig auf Cocoa setzen.

Aus der Sicht von Apple ergibt eine Zwischenversion zur Stabilisierung der Plattform viel Sinn. Aus Konsumentensicht könnte dieser Schritt brutal, da auf einen Schlag Macs die älter als 2 Jahre sind zu Auslaufmodellen erklärt werden würden. Apple ist dafür bekannt konsequent alte Zöpfe abzuschneiden, wenn sie auf dem weiteren Weg hinderlich sind. Daher halten wir das Szenario für recht wahrscheinlich. Gerüchte die OS X aber jetzt schon als PC-Version sehen, halten wir für Wunschdenken. Der Mac-Absatz brummt, daher gibt es für Apple keinen Grund daran etwas zu ändern.

Macs

Bei den Macs ist Apple dieses Jahr schon mit einer Upgrade-Runde durch. Anfang des Jahres wurde der Mac Pro auf Penryn-CPUs (Hapertown) aktualisiert. Im Februar waren die Mobil-Macs dran und schließlich erhielt auch der iMac eine Frischzellenkur. Daher halten wir ein Update bei den Macs für relativ unwahrscheinlich. Dafür spricht auch, dass Apple Mac-Updates in der letzten Zeit immer außerhalb der großen Mac-Events vorgenommen hat.

Einige Gerüchte legten ein Update der MacBooks zur WWDC nahe, welches mit einem neuen Design der Geräte einhergehen sollte. Allerdings blieben diese Gerüchte wenig konkret. Zudem wird sich Intels ursprünglich zum 22. Juni angekündigte Vorstellung der Centrino-2-Plattform um einige Wochen verschieben, so dass Apple wohl kaum jetzt schon Geräte vorstellen wird, die es erst in 2 Monaten zu kaufen geben wird.

iPods

Bei den iPods gab es in letzter Zeit bis auf ein Speicher-Upgrade keine Aktualisierungen mehr. Deshalb wurden einige Rabatt-Angebote von manchen zum Anlass genommen, ein Update des iPod nanos für die WWDC vorherzusagen. Ein Update bei den iPods halten wir für sehr unwahrscheinlich. Die WWDC ist eine Entwicklermesse und Verbraucherprodukte spielen dort eher eine untergeordnete Stelle.

One more thing…?

In dieser Kategorie kann jeder seine persönlichen Wünsche von der Neuauflage des Newton bis hin zum Multitouch-Mac unterbringen. Bei Macrumors wurde über ein Other new device gemunkelt. Genaueres weiß man dort aber auch nicht. Zudem sind in den letzten Tagen einige Pakete aufgetaucht, die angeblich erst am Tag nach der Keynote geöffnet werden dürfen.

So bleibt es noch bis morgen spannend. Die Keynote könnt ihr morgen bei uns live im Ticker verfolgen. Unser Redakteur Sebastian ist inzwischen in San Francisco eingetroffen und wird, sobald er den Jetlag überwunden hat, am Moscone Center vorbeischauen.

Mehr über ml:

Dipl.-Informatiker mit Schwerpunkten: Betriebssysteme, Softwaretechnologie. Hat zu Hause ein richtiges kleines Mac-Museum.

Metadaten
  • Geschrieben am: 8. Juni 2008
  • Zuletzt aktualisiert am: 1. März 2021
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