Epic Games vs Apple: die ersten 7 Tage

Am 3. Mai begann das Gerichtsverfahren zwischen Epic Games und Apple in den USA. Es begann relativ unaufgeregt mit den Eröffnungsplädoyers der jeweiligen Anwälte. Doch über die kommenden Tage und Wochen erfuhr die Öffentlichkeit einige interessante Details. Manche Entwickler bekamen beispielsweise eine Extrawurst. Außerdem dachte Apple daran, Netflix zu bestrafen und Tim Sweeney musste zugeben, dass auch Microsoft, Sony oder Nintendo genauso viel Provision kassieren wie der iPhone-Hersteller.

Fortnite, Bild: Epic Games

3. Mai 2021

Am 3. Mai startet ein lange erwartetes Gerichtsverfahren zwischen Epic Games und Apple in den USA. Es geht zurück auf eine Klage des Spieleherstellers. Dieser hatte gegen Apples (und Googles) App Store Bedingungen verstoßen, und zwar absichtlich. Epic fügte nachträglich eine weitere Bezahloption innerhalb der Fortnite-App hinzu. In der Folge wurde dem Unternehmen eine Frist gesetzt, die rückgängig zu machen. Doch es ließ den Konflikt eskalieren und flog folgerichtig samt und sonders aus dem App Store.

Apple hat ein Monopol

Epic Games Firmenchef, Tim Sweeney, trägt vor Gericht vor, dass Apple mit den 30 Prozent Provisionsabschlag im App Store viel mehr als seine Kosten decke. Es würde damit stattdessen ein Monopol zementieren.

App Store ist sicher

Der iPhone-Hersteller hingegen betont, dass der App Store viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Zudem sei der App-Shop verlässlich, sicher und familienfreundlich. Dazu betonte Apples Anwältin Karen Dunn, dass Epic Games aus iOS Android machen wolle. Nur weder Apple noch seine Kunden wollten dies.

4. Mai 2021

Am zweiten Verhandlungstag durfte Tim Sweeney erneut in den Zeugenstand. Er wurde von Apples Anwälten ins Kreuzverhör genommen.

Apples Provision nicht höher als anderswo

Viele Gamer, dutzende Beobachter, aber auch Fans anderer Unternehmen wissen, dass Apples Provisionsmodell sich nicht grundlegend von der Konkurrenz unterscheidet. Das musste dann auch Epics Chef zugeben. Microsoft, Sony oder Nintendo würden auf deren Plattformen ebenfalls 30 Prozent Provision verlangen.

Metal-API ist toll

Die Anwälte des iPhone-Herstellers erinnerten Sweeney und das Gericht außerdem daran, dass der Epic-Chef Apples Technologie bis vor Kurzem hervorragend leiden konnte. Es wurde aus E-Mails zitiert, die belegen, dass Sweeney ein Fan von Apples Metal-API ist, die einfach zu bedienen sei und gegenüber der Konkurrenz so viel mehr Leistung böte.

App Store, bitte öffnen Sie

Bekannt wurde außerdem eine E-Mail Tim Sweeneys an Eddy Cue und Phil Schiller. Darin bat der Epic-CEO bereits im Juni 2015, Apple möge den App Store doch offener gestalten, als es bis dahin tat.

5. Mai 2021

Am dritten Verhandlungstag werden weitere Dokumente Apples öffentlich.

Netflix bestrafen?

Interne Dokumente und Kommunikation von Apple-Mitarbeitern belegen: das Unternehmen wollte Netflix bestrafen. Warum? Der Videostreaming-Anbieter hatte in ersten A/B-Tests In-App-Käufe in seiner App abgeschaltet. In der Folge konnte Apple nicht mehr an den Abos des Streaming-Anbieters mitverdienen.

Unter anderem eine E-Mail aus dem Februar 2018 zeigt die Kommunikation des App Store Business Management Vorstands Carson Oliver.

Anreize für Netflix

Bestraft hat Apple Netflix nicht. Der Videostreaming-Anbieter war außerdem besorgt, weil gerade diejenigen Kunden besonders häufig kündigten, die über einen In-App-Kauf abonniert hatten.

In der Folge unterbreitete Apple Netflix sogar einige Werbemaßnahmen, um die Umsätze zu steigern. Es wollte der Firma auch entgegenkommen und längere Karenzphasen einrichten, in denen Netflix seinen Anspruch auf erhöhte Abo-Umsätze nicht verlöre. Genutzt hat es nichts, Netflix entfernte irgendwann die Möglichkeit zum In-App-Abo.

6. Mai 2021

An Tag Vier kommt unter anderem App-Store-Vizepräsident Matt Fischer in den Zeugenstand.

Extrawürste für Hulu

Wir erfahren unter anderem, dass Hulu (gehört zu Disney) Zugang zu besonderen Programmfunktionen bekam. So konnte der US-Videostreaming-Anbieter spezielle Funktionen zum Beenden von Abonnements und für die Rückerstattung nutzen.

Dieses Detail zeigt, dass Apple nicht ganz bei der Wahrheit bleibt, wenn es behauptet, alle Entwickler bekämen dieselben Möglichkeiten. Manche Programmierer reagieren darauf nachvollziehbar mit Unverständnis.

7. Mai 2021

Am Freitag der Woche klingt die erste Woche der Gerichtsverhandlung aus. Erst am Dienstag geht es wegen eines Feiertags weiter.

Ein Drittel aller Einsendungen lehnt Apple ab

Wir erfahren an diesem Tag, dass Apple in den Jahren 2017 bis 2019 rund fünf Millionen App-Einsendungen im Jahr zu bewältigen hatte. Der iPhone-Hersteller lehnte mehr als ein Drittel davon ab, Tendenz steigend.

Zur Einschätzung von Apps bedient sich Apple auch rund 500 Experten. Die testen die Software, klopfen auch mögliche Einfallstore ab. Dazu steht diesen spezielle Software bereit. Die Tester überprüfen, welche Daten Apps wissen möchten, ob sie die Batterielaufzeit über Gebühr strapazieren und suchen nach unerlaubtem Code.

Menschen machen Fehler

In den Dokumenten Apples ist sogar ein Foto zu sehen, dass den Arbeitsplatz mit vielen Macs, iPads und iPhones zeigt, sowie unterschiedlichen Eingabegeräten.

Da Apple jedoch so sehr betont, wie sorgsam man mit den App-Einsendungen umgehe, wollte Epic Games das Haar in der Suppe zeigen. So musste Apples Marketingchef Trystan Kosmynka im Zeugenstand gestehen, dass eine App über einen Amoklauf in einer Schule sicher nicht die beste Leistung gewesen sei.

Schlupflöcher schließen

Kosmynka rechtfertigte, dass es den Review-Prozess im App Store trotzdem brauche und man nicht etwa ganz darauf verzichten könne. Apple sei darauf bedacht, sich stetig zu verbessern. Wenn man Schlupflöcher finde, schließe man sie.

Es sei hingegen nicht vertretbar auf das Prozedere zu verzichten, wenn man vor allem die Sicherheit von Kindern nicht gefährden möchte.

Xcode Ghost betrifft 128 Millionen Nutzer

Vielleicht erinnern sich langjährige Apple-Beobachter an das Jahr 2015. In China nahm eine Malware-Attacke seinen Lauf. Entwickler hatten eine manipulierte Version von Apples IDE Xcode heruntergeladen. Damit eingesandte Apps enthielten Schadcode. Es handelte sich um mehr als 2.500 Apps.

Der Vorfall wird am heutigen Tag noch einmal aufgegriffen, als negatives Beispiel für Apples Unzulänglichkeiten bei der Softwaresicherheit.