Apple Music in Hi-Fi-Qualität und Dolby Atmos, ohne Mehrkosten

Die Gerüchte um die Einführung von Apple Music in Hi-Fi-Qualität haben sich bewahrheitet. Der Konzern aus Cupertino stellt ein neues Angebot für seinen Musikstreaming-Service vor, das ab dem 1. Juni allen Nutzern und Nutzerinnen zur Verfügung stehen wird, und zwar ohne Mehrkosten. Alle 75 Millionen Songs aus dem Katalog werden in Hi-Fi-Qualität angeboten. Darüber hinaus baut Apple sukzessive den Bestand an Songs aus, die 3D-Audio und Dolby Atmos unterstützen.

Apple Music mit Losless und 3D-Audio, Bild: Apple

Die höherwertige Übertragung findet in Zukunft zwei neuen, unterschiedlichen Qualitätsstufen statt. Kompatible Geräte können außerdem bei Bedarf die Qualität dynamisch anpassen.

Lossless, High-Res-Lossless und Dolby Atmos

Gestreamt werden kann in Zukunft nicht nur „normal“ über den AAC-Codec, sondern unter anderem auch in zwei höheren Qualitätsstufen mit Apples Lossless Audio Codec (ALAC). Neben „Lossless“ (24-bit mit 48 kHz) gesellt sich noch „High-Res Lossless“ (24-bit mit 192 kHz).

Dateien sind wesentlich größer

Apple codiert Musik bislang mit AAC bei 256 kbps, wenn man „hohe Qualität“ einstellt und erlaubte daneben das Streaming mit „hoher Effizienz“. Eine drei Minuten lange Audiodatei kommt in letzterer Variante auf 1,5 MB Datenvolumen, mit hoher Qualität bereits auf 6 MB. Der gleiche Song codiert als „Lossless“ verbraucht indes 36 MB und die Variante mit „High-Res Lossless“ benötigt satte 145 MB.

Nicht alle Songs mit 3D-Audio verfügbar, aber bald alle in hoher Qualität

Apple gibt an, dass nicht alle Songs auch mit 3D-Audio genossen werden können. Anfangs seien es „einige Tausend“ Songs. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass auch das Ausgangsmaterial in der Vergangenheit gar nicht erst mit Blick für 3D-Audio aufgenommen wurde. Zu den Künstlern und Künstlerinnen, die zum Start mit an Bord sind, zählen unter anderem J Balvin, Gustavo Dudamel, Ariana Grande, Maroon 5, Kacey Musgraves, The Weeknd und andere mehr.

Das Unternehmen verspricht in seiner Pressemeldung allerdings, dass man sukzessive weitere Songs mit Dolby Atmos und 3D-Audio-Unterstützung hinzufügen wird. Darüber hinaus präsentiert Apple dann auch spezielle, kuratierte Inhaltslisten mit kompatiblen Liedern, sodass jeder sich ein „Bild“ davon machen kann.

Sehr wohl plant Apple, alle 75 Millionen Songs aus seinem Apple Music Katalog als „Lossless“ anzubieten. Anfänglich würden 20 Millionen Lieder in hoher Qualität bereitstehen. In der Musik-App werden die Songs entsprechend über passende Logos gekennzeichnet.

Welche Geräte sind kompatibel?

Grundsätzlich können alle Nutzer in der Theorie auch von 3D-Audio profitieren. Von Dolby Atmos / 3D-Audio profitieren vor allem Besitzer von AirPods oder Beats-Kopfhörern mit H1- oder W1-Chip. Das bedeutet, dass auch Nutzer von AirPods der zweiten Generation (seit 2019) Dolby Atmos zu hören bekommen. Apple schreibt außerdem, dass die „neuste“ Generation von Macs, iPhones und iPads ebenfalls den 3D-Sound ausgeben können. Diese Aussage umfasst „hoffentlich“ nicht nur tatsächlich die aktuelle Generation. Allerdings: Apple kündigte nur an, dass diese Geräte „automatisch“ das neue Format abspielen würden.

Für andere Kopfhörer und Geräte könnte man es von Hand aktivieren. Ob das dann allerdings auf diesen Produkten entsprechend gut klingt, ist anzuzweifeln. Man findet die Option in jedem Fall in der Einstellungen-App in der Kategorie Musik. Dort kann man Dolby Atmos in Zukunft dauerhaft einschalten.

Hi-Res Lossless nur mit Zubehör?

Apple weist in seiner Pressemeldung darauf hin, dass wegen der großen Datenmenge von Hi-Res Lossless Nutzer in jedem Fall der Datenübertragung werden zustimmen müssen.

Darüber hinaus benötige man für die Übertragung aber auch externes Zubehör, wie einen USB-DAC, um auf passenden Lautsprechern entsprechend wiedergegeben werden zu können. Gegenüber T3 bestätigte ein Apple-Sprecher, dass „Lossless“ nicht kompatibel mit den AirPods Pro oder AirPods Max sein wird. Die Kopfhörer werden weiterhin nur AAC übertragen. Kompatible iPhones, iPads und Macs werden jedoch Musik in Lossless-Qualität wiedergeben können, wie es bei T3 heißt. Der HomePod indes kann lediglich 3D-Audio, nicht aber Lossless.

iOS 14.6, tvOS 14.6 und macOS 11.4 notwendig

Da die Betaversionen der aktuellen Betriebssystem-Updates Hinweise enthielten, konnte man bereits erahnen, dass mit dem Update die neue Musikwiedergabequalität Einzug halten wird. Wer 3D-Audio und Lossless Audio nutzen möchte, der benötigt also neben der Hardware auch mindestens iOS 14.6, iPadOS 14.6, macOS 11.4 und tvOS 14.6.

Dass Apple im Juni mit dem Service starten möchte, kann als Hinweis gewertet werden, dass die finale Version auch zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht wird.

Batterielaufzeit verlängern

Darüber hinaus passen die kompatiblen Wiedergabegeräte die Qualität unter Umständen auch dynamisch an. Was bedeutet das? Angenommen das iPhone hat schlechten Empfang, dann wird es nicht versuchen, die Datei in besonders hoher Qualität wiederzugeben. Das würde eher zu einem stetigen Wiedergabestopp führen. Ein anderes Beispiel ist die Batterie der Geräte. Wenn die sich dem Ende zuneigt, dann wird die Hardware ebenfalls die Wiedergabequalität reduzieren, um die Restlaufzeit zu verlängern. Natürlich kann man dieses Verhalten auch abschalten.

Zuvor fand man unter anderem auch Hinweise auf das neue Angebot in einer Betaversion der „Apple Music“-Android-App. So fand man Textbausteine, die darauf hinwiesen, dass „Lossless Audiodateien“ deutlich mehr Datenvolumen benötigen als „normale“ Versionen der Lieder.

Konkurrenz wird unter Druck gesetzt

Vor Kurzem veröffentlichte YouTuber Marques Brownlee alias MKBHD ein Video, in dem er gut erläuterte, wie Apple auf eigene Weise Konkurrenz unter Druck setzt. Er beschrieb dies am Beispiel der neuen AirTags. Mit Apple Music Lossless ohne Extrakosten setzt Apple nun die Konkurrenz nach gleichem Muster erneut unter Druck. Denn als Apple Kunde bekommt man das Angebot ohne Aufpreis. Konkurrenten wie Spotify müssen aber, wenn ein Abo über den App Store abgeschlossen wird, noch Provision abgeben. Entweder zahlen sie dann darauf, oder müssen die Kosten auf den Kunden abwälzen. Dies wiederum bedeutet dann einen Nachteil beim Konsumenten.

Amazon zieht mit

Beinahe zeitgleich mit der Bekanntgabe durch Apple berichtete das Branchenmagazin Billboard, dass man auch als Nutzer von Amazon Music Unlimited in Zukunft 3D-Audio und Lossless-Streaming ebenfalls ohne Extrakosten genießen kann. Das Angebot kann man übrigens derzeit als Neukunde drei Monate kostenlos testen.

Fragen, die noch offen sind

Unklar ist, ob tatsächlich alle Geräte auch wirklich die allerhöchste Musikqualität wiedergeben werden, oder ob Apple die Qualität entsprechend einschränkt. Denkbar ist, dass Apple trotz allem selbst auf eigenen Kopfhörern wie den AirPods Max nur maximal 48 kHz wiedergibt. Die Wiedergabe mit 192 kHz Frequenzspektrum bliebe dann nur mit speziellem Zubehör möglich.

Sollten wir weitere Informationen erhalten, aktualisieren wir den Beitrag entsprechend.

Update vom 17. Mai um 20:00 Uhr: Ursprünglich gab es Unklarheiten über die Wiedergabe von Lossless auf Kopfhörern von Apple und Beats. Wie nun bekannt wurde, unterstützen diese wenn überhaupt nur 3D-Audio, nicht aber Lossless.

Update vom 18. Mai um 10:30 Uhr: Da es Unklarheiten über die Kompatibilität gab und nach wie vor gibt, konnten wir zumindest eine Information ergänzen, bzw. korrigieren. Offenbar können Apples HomePods ebenfalls nur 3D-Audio, nicht aber Lossless.

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