Sajonaras 7 Minuten #26: Wie kann NRW nur 2,6 Millionen Euro für den Brockhaus ausgeben?

Sajonaras 7 Minuten, Bild: Alexander Trust

Die Überschrift zu unserer jüngsten Podcast-Ausgabe ist etwas irreführend. Tatsächlich hat sich die Bildungsministerin des Landes NRW dazu entschieden, auf drei Jahre 2,5 Millionen Euro für eine Brockhaus-Lizenz auszugeben. Doch das ist deutlich weniger ein Aufregerthema als man das nach der Recherche in den sozialen Medien denken könnte.

Heutzutage regt sich eigentlich jeder über alles auf. Spannend wäre aber, wenn die Leute irgendwann anfingen, sich über sich selbst aufzuregen, statt über andere. Vielleicht werden wir das ja noch erleben. Gerade aber in den „Social Networks“ gibt es zu jedem Thema auch eine Aufreger-Bubble, ob nun gerechtfertigt oder nicht. Letztlich ist Aufregen nie gut, auch nicht für die eigene Lebenserwartung, wie diverse medizinische Studien bereits nachgewiesen haben.

2,5 Millionen Euro für den Brockhaus?

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass dort jemand 2,5 Millionen Euro für Wissen ausgegeben hat, das heute niemand mehr benötigt. Auf Twitter beispielsweise wurde die Entscheidung kritisiert und der Ruf laut, man hätte doch das Geld auch für die Wikipedia ausgeben können.

Doch wer so etwas fordert, der weiß nicht, was es mit dem Brockhaus 2021 auf sich hat. Die Marke firmiert unter schwedischer Flagge und liefert keine staubtrockenen Bücher mehr, die man sich ins Regal stellt. Die gibt es bereits seit 2015 nicht mehr. Stattdessen offeriert Brockhaus ein gesamtes Bildungsangebot für Schüler und Lehrer, zu den unterschiedlichsten Themen in der Bildung. Dazu zählen auch Inhalte in der Cloud und Videokurse und interaktive Tutorials, Prüfungsvorbereitungsinhalte, und vieles mehr. Lehrer bekommen außerdem einen Kanon an Inhalten geliefert, Inspiration für Aufgaben, usf.

33 Cent pro Schüler

Man muss zudem die Situation ein wenig näher beleuchten. Sind 2,5 Millionen Euro viel Geld? Mit Sicherheit. Aber das Bundesland NRW verfügt über 2,5 Millionen Schüler. Die 2,5 Millionen Euro fließen auf drei Jahre. Also zahlt man umgerechnet lediglich 33 Cent pro Jahr pro Schüler und für 200.000 Lehrer, um diesen allen den Zugriff auf ein umfangreiches Lehr- und Bildungsangebot zu ermöglichen.

Wikipedia ist (k)eine Anlaufstelle

Wer spontan Wikipedia als Ersatz für „den“ Brockhaus, wie ich ihn oben erläutert habe, sieht, der irrt. Zum einen hat das Onlinelexikon keine Schnittstellen um Computer und Tablets mit Lehr- und Lernmaterial zu versorgen. Man kann die App oder die Website öffnen und selbst darin suchen. Aber das ist nicht vergleichbar mit dem „modernen“ Angebot von Brockhaus.

Nun erläutere ich im Podcast aber noch umfangreicher, wieso ich denke, dass die Aufregung absolut nicht angebracht ist, und Wikipedia in diesem Fall keine echte Alternative. Und auch wenn es so klingt, möchte ich gar nicht Partei ergreifen für etwas, sondern nur darauf aufmerksam machen, dass man nicht aufgrund falscher Annahmen ein Urteil fällt, was so nicht statthaft ist.

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Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 3. März 2021
  • Zuletzt aktualisiert am: 3. März 2021
  • Wörter: 536
  • Zeichen: 3809
  • Lesezeit: 2 Minuten 19 Sekunden