Wie entwickeln sich die Werbeeinnahmen Googles, wenn immer mehr Leute ein iPhone nutzen?

Ende Juli veröffentlichte nicht nur Apple seine Quartalszahlen, sondern auch die übrigen Internetgiganten Amazon, Facebook und Google. Während der Konzern aus Cupertino wegen der Zunahme bei Heimarbeit in der Pandemie trotzdem mehr MacBooks und iPads verkaufte, zeigte besonders der Quartalsbericht Googles eine überraschende Entwicklung: Das Unternehmen verzeichnete „zum ersten Mal seit der Unternehmensgründung vor 22 Jahren“ einen Rückgang des Erlöses.

iPhone 11, Bild: Apple

Vor diesem Hintergrund stellen sich Werbetreibende und spezialisierte Google Ads Agenturen nun folgende Fragen: Woher kommt dieser Rückgang der Werbeeinnahmen und wie wird sich Google davon wieder erholen? Und welche Rolle spielen aktuelle Entwicklungen wie die neuen DSGVO-Richtlinien oder die vermehrte Nutzung von mobilen Endgeräten wie dem iPhone dabei? Mit diesen Fragen hat sich Ads Experte Felix Wenzel von der AdPoint AdWords Agentur im Folgenden auseinandergesetzt.

Warum sinken die Werbeeinnahmen bei Alphabet?

Der Grund für den Rückgang der Werbeeinnahmen bei Google und Alphabet ist schnell gefunden. Wie in vielen Bereichen der Wirtschaft ist auch hier die Corona-Krise der Hauptverantwortliche. Vielen Unternehmen fehlte zu Corona-Hochzeiten das Budget, um in Werbung zu investieren. In großen Bereichen wie dem Dienstleistungssektor und der Veranstaltungsbranche wäre es in den letzten Monaten zudem nicht zielführend gewesen, Werbung zu schalten, da sie ihren Betrieb aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen und des Lockdowns zwischenzeitlich vollständig einstellen mussten.

Während einige Bereiche wie Amazon im Speziellen und der E-Commerce im Allgemeinen von der Krise deutlich profitieren konnten, mussten sich die meisten Unternehmen in letzter Zeit gegen große Werbeausgaben entscheiden. Das Resultat ist eine sinkende Investitionsbereitschaft in Google Ads und somit auch ein Rückgang der Alphabet-Werbeeinnahmen.

Wird Google sich von diesem Rückgang erholen?

Die Antwort auf diese Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden. Bereits jetzt fängt Google an, langsam wieder bessere Einnahmen zu verzeichnen. Das ist auch kein Wunder, da Unternehmen im Internet auf Google-Werbung angewiesen sind, um den Traffic ihrer Webseiten zu erhöhen und somit ihren eigenen Umsatz zu steigern. Besonders nach der Corona-Krise setzen Unternehmen auf Google-Werbung im Gegensatz zu organischen Rankings, da sie durch Ads Kampagnen in kürzerer Zeit und mit weniger Budget zurück zu ihren Einnahmen vor der Krise gelangen können. Zusätzliche Maßnahmen seitens Google, wie beispielsweise die Einführung einer Corona-Gutschrift von bis zu knapp 700 € für werbetreibende Unternehmen, sind ein weiterer Anreiz für diese Entwicklung.

Welchen Einfluss haben iPhone und Co. auf Googles Werbeeinnahmen?

Googles Weg aus dem unerwarteten Tief wird unter anderem auch durch den Trend zum mobilen Endgerät geebnet. Während viele Werbetreibende fürchten, dass die vermehrte Nutzung von iPhone und Co. die Möglichkeiten der Suchmaschinenwerbung einschränken, ist das Gegenteil der Fall: Durch die zunehmende Mobilnutzung im B2C-Bereich haben Unternehmen die Gelegenheit, potenzielle Kunden an noch mehr Orten und noch präziser zu erreichen. Letztendlich kann mobil nicht weniger Werbung ausgespielt werden, sondern sogar mehr.

Ein Grund für diese positive Entwicklung im B2C-Bereich ist die rasante Verbesserung, die die mobilen Webseiten und Apps von Online-Shops in den letzten Jahren erfahren haben. Während es vor zehn Jahren noch vollkommen undenkbar war, einen Webshop vom Smartphone aus zu bedienen, ist das mobile Online Shopping mittlerweile weit verbreitet. Werbetreibende mit Google Ads sollten ihre Strategien dieser Entwicklung anpassen und ihre B2C-Kunden vermehrt auf Mobilgeräten abholen. Im B2B-Bereich sieht das übrigens noch anders aus. Hier nutzen die meisten User nach wie vor den Desktop PC. Da der B2B-Bereich jedoch im Vergleich zum B2C einen relativ kleinen Markt in der Suchmaschinenwerbung bildet, geht der Trend insgesamt deutlich in Richtung mobil.

DSGVO und Marketing Automation – Fluch oder Segen für Google?

Weitere Entwicklungen, die die Werbeeinnahmen des Internetgiganten beeinflussen könnten, sind unter anderem die DSGVO und der zunehmende Grad an Automatisierung, den Google aktuell anstrebt.

Die DSGVO und besonders die Opt-in-Regelung, die seit einiger Zeit für die Speicherung von Cookies gilt, erschweren Werbetreibenden das Erfolgstracking ihrer Ads Kampagnen. Während vor den Änderungen noch jeder Webseitenbesucher vom Klick auf die Anzeige bis zum möglichen Verkaufsabschluss genauestens verfolgt werden konnte, führt die neue Cookie-Regelung zu einem scheinbaren Nutzerverlust von durchschnittlich 20 – 30 %. Diese Nutzer sind trotzdem noch da, können jedoch nicht mehr wie gewohnt verfolgt werden. Der Werbetreibende kann letztendlich nicht erkennen, ob aus ihnen Käufer geworden sind oder nicht. Daraus resultiert eine Unsicherheit seitens der Werbetreibenden, die zu einem Rückgang der Werbeausgaben führt. Um das zu vermeiden, sollte Google eine Möglichkeit finden, den Erfolg einer Kampagne trotz dieses Nutzerverlusts wieder zuverlässig zu tracken. Eine gute Alternative, die dazu bereits zur Verfügung steht, ist das Tracking ohne Cookies, obwohl auch diese Möglichkeit ihre Vor- und Nachteile mitbringt.

Auch der Trend zur Automatisierung von Kampagnen, den Google seit geraumer Zeit vorantreibt, könnte die Art, auf die Werbetreibende ihre Erfolge tracken, nachhaltig verändern. Die Lenkung von Kampagnen wird mehr und mehr vom System selbst übernommen, während die Einstellungsoptionen, die dem Marketer zur Verfügung stehen, reduziert werden. Das sieht für Kleinunternehmen ohne Fachwissen im Ads-Bereich zunächst verlockend aus. Auf kurze Sicht kann die zunehmende Automatisierung also die Investitionsfreudigkeit von kleinen Unternehmen fördern und Google somit zu höheren Werbeeinnahmen verhelfen. Die zunehmende Automatisierung kann jedoch dazu beitragen, dass langfristig die Transparenz und die Möglichkeiten zur Performance-Optimierung, für die Google Ads so beliebt ist, ein Stück weit verloren gehen. Auf lange Sicht sollte Google demnach darauf achten, dass die Aspekte gewahrt werden, die Ads-Nutzer aktuell an dieser Form der Onlinewerbung besonders schätzen – und dazu gehören nun einmal die präzisen Einstellungsmöglichkeiten und das transparente Performance-Tracking.

Vielen Dank an Felix Wenzel von der Google Ads Agentur AdPoint für die Einschätzung!