Kommt Apples eigene Suchmaschine?

iOS 14 mit Widgets, Bild: Apple

Auch Macnotes hat es schon erlebt: In unseren Webstatistiken tauchte vor einer Weile eine neue Quelle auf: „apple.com“. Konkret gab es Besucher auf diesem Weg Mitte Februar und Ende April. Es waren vermutlich Tests Apples. Doch in der Zwischenzeit berichteten auch andere Medien über Besucher, die von Apple auf die eigene Webseite kamen.

Kommt Apples Suchmaschine schon bald?

Jon Henshaw von Coywolf sieht Anzeichen, dass Apple schon bald eine eigene Suchmaschine starten könnte. Er nennt dafür einige Indizien. So änderte Apple

  • a) die Suchergebnisse der Spotlight-Suche in Betaversionen von iOS 14 und iPadOS 14,
  • b) die Support-Seite für den Applebot
  • und erhöhte c) die Crawling-Häufigkeit seines Bots.

Apple deklariert die Suchergebnisse der Spotlight-Suche in iOS 14 und iPadOS 14 nur noch generisch. Diese Suchergebnisse werden dann als Siri-Vorschläge angezeigt.

Apple sucht(e) Mitarbeiter für Suchmaschine

Henshaw erinnert auch noch einmal daran, dass Apple diverse Stellenangebote ausgeschrieben hat, um die Suchmaschinen auch für die Siri-Suche zu optimieren.

Suchergebnisse umgehen Google in Beta

Bereits im Juni fiel Henshaw auf, dass die jüngsten Betaversionen von iOS 14 und iPadOS 14 Suchergebnisse aus dem Web direkt anzeigen und nicht mehr auf Ergebnisse von Google verweisen. Er sieht dies als weiteres Indiz dafür, dass Apple über kurz oder lang den Umstieg auf eine eigene Suche plant, zumindest oder zuerst im Rahmen seiner mobilen Endgeräte.

Mehr Informationen zum Applebot

Apple nutzt den Applebot, um Inhalte im Web zu durchforsten. Damit Webseitenbetreiber wissen, wie sie mit dem Bot umzugehen haben, hat Apple im Juli 2020 die Beschreibung deutlich erweitert. Apple durchsucht mit dem Bot die Webseiten nicht nur inhaltlich, sondern „rendert“ sie, vergleichbar wie es der Googlebot tut, der versucht sich so ein Bild zu machen, wie schnell eine Webseite ist, genauer gesagt, wo sich Informationen finden.

Zunahme des Crawlings

Henshaw beobachtete zumindest bei seiner eigenen Webseite eine deutliche Zunahme der Besuche des Applebots. Dieser sei mittlerweile täglich auf der Webseite unterwegs.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Oder warum Apple eine eigene Suchmaschine starten könnte

Apple kann darauf verweisen, dass weltweit über eine Milliarde iPhones und iPads im Einsatz sind. Bis dato bezahlte Google dafür, in den Suchergebnissen aufzutauchen. Es handelt sich um Milliardenbeträge. Doch für Apple ist das am Ende des Tages trotzdem nur Kleingeld. Doch gerade, weil es so viele iOS- und iPadOS-Geräte gibt, wurden die Verträge zwischen Apple und Google zuletzt auch Gegenstand von Untersuchungen. Kartellwächter beispielsweise in Großbritannien wollen darin den Wettbewerb verzerrt wissen.

Apple könnte also mit der Einführung einer eigenen Suchmaschine sowohl Geld sparen als auch Bedenken von Kartellwächtern zerstreuen.

Auch könnte Apple nicht nur die Marktmacht Googles schwächen, sondern unter Umständen auch Suchergebnisse in der Spotlight-Suche mit solchen für eigene Produkte und Services kombinieren. Doch auch dies könnte man im Umkehrschluss als Wettbewerbsverzerrung werten und Apple sich auf diese Weise neue Probleme mit den Institutionen ins Boot holen.

Was, wenn niemand es merkt?

Henshaw gibt zu bedenken, dass Apple womöglich nie eine echte eigene Suchmaschine herausbringen könnte, sondern es stattdessen bei der Integration der Ergebnisse in der Spotlight-Suche und in anderen Suchumgebungen in Apps belässt. Nutzer, die auf diese Weise nach Informationen suchten, würden, je informativer die Ergebnisse ausfielen, weniger aktiv im Internet suchen. Auch auf diese Weise könnte der iPhone-Hersteller Google schrittweise die Butter vom Brot nehmen.

Erst im Juni gab es übrigens Gerüchte, Apple könnte die Suchmaschine DuckDuckGo übernehmen.