App Store Abos: Kartellbehörden in USA und EU beobachten aufmerksam

Sowohl Justizministerium und FTD in den USA sowie das EU-Kartellamt beobachten die Entwicklung um die neuen Abo-Modelle Apples im iTunes-Store genau, wollen sich jedoch nicht zu konkreten Ermittlungsplänen äußern. Auch Apple schweigt still - klugerweise, denn wenn sich jemand mit Monopolvorwürfen öffentlich blamieren will, dann dürfen das ruhig die Verlage sein.

Die hatten bereits im Fall der Google News-Debatte bewiesen, dass Fakten allenfalls störender Einwurf sind, wenn es darum geht, Unternehmen zu melken, die im Unterschied zu den Publishern die digitale Revolution nicht verschlafen haben. Auch im Fall der Apple-Abos für iPad und Co., für die Apple 30% Provision bei gleichzeitigem Umgehungsverbot der iTunes-Kaufplattform fordert, dürfte die Realität nur eine untergeordnete Rolle spielen, sollte es zur kartellrechtlichen Diskussion kommen.

Insbesondere das Verbot, aus einer Abo-App heraus zu eigenen Kauf- und Aboangeboten zu verlinken, weckt das Misstrauen der Wettbewerbshüter. Das WSJ zitiert den Juristen Eric Goldman von der Universität Santa Clara mit den Worten, dass Apple eine „recht aggressive Position vertrete“ und es „rein in den Interessen Apples begründet liegt, Transaktionen zu verhindern, bei denen sie keinen Schnitt machen können.“ In der EU sind die Töne noch aggressiver, der Chef des französischen Musikabodienstes Deezer wird mit dem Satz angeführt, dass Apples Vorgehen „dermaßen wettbewerbswidrig ist, dass es niemals in Europa überleben kann“.

„Wettbewerbswidrig“, „monolopistisch“, „restriktiv“ – man könnte meinen, es gäbe keinen Browser auf dem iPad, kein WWW, in dem seit Jahren kostenpflichtige Dienste angeboten und (erfolgreich) verkauft werden. Vor lauter App-Hype übersehen die Kritiker, dass es ein Netz jenseits des App Store gibt, in dem sie sich in jeder Beziehung austoben, Angebote machen und in Wettbewerb treten können. Die „restriktive“ Plattform App Store Abo auszustechen, sollte dann kein Problem mehr sein – insbesondere, wenn die Wettbewerber dort 30% Apple-Steuer abdrücken müssen. Fakt ist: von monopolistischen Medienkanälen und Vertriebsstrukturen auf einem Gerät zu sprechen, das über einen modernen Browser verfügt, ist lächerlich, sonst nichts.

Die blutige Nase, die man sich in der peinlichen Streiterei um Google News geholt hat, reicht aber offenbar noch nicht aus, was schmerzhafte, aber lehrreiche Lerneffekte angeht. Die Lektion, dass man nicht Trends verschlafen und anschließend die Verdienste anderer abgreifen kann oder alternativ zu eigenen Bedingungen Zugang in die von anderen gebauten Nester fordern kann, müssen manche Branchen offenbar noch weiter eingebläut bekommen.