mz, den 13. Februar 2011

iPhone Kamera-Apps Teil 15: ProCamera

ProCamera
ProCamera

In der heutigen Ausgabe der iPhone-Kamera-Apps-Reihe stellen wir ProCamera vor – eine Rundumlösung mit großem Funktionsumfang, die fast keinen Wunsch unerfüllt lässt. Aber eben nur fast.

ProCamera* ist schon etwas länger im App Store und liegt bereits in der Version 3.0.1 vor. Sie stammt vom deutschen Entwickler Jens Dämgen. Dass auch ein Ein-Mann-Unternehmen gute Apps produzieren kann, hat er gezeigt, denn ProCamera schmückt sich mit dem Gizmodo-Award „Best Photo App 2010“. Aber genug der Vorschusslorbeeren.

Start

Ohne viel Hin und Her öffnet die App direkt im Kamera-Modus. Ist der Expertenmodus aktiviert, präsentieren sich dem Nutzer gleich umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten: Neben einer Ausrichtungshilfe mit diversen zuschaltbaren Rastern, die den Beschleunigungssensor des iPhone bzw. iPod touch nutzt, gibt es diverse Buttons zum Justieren des LED-Blitzes, zum Wechsel von der Rück- auf die Frontkamera und einen zuschaltbaren, dreistufigen Bildstabilisator. Sogar der Weißabgleich lässt sich feststellen. Im Expertenmodus verfügt ProCamera wie der größte Konkurrent Camera+* von taptaptap und Lisa Bettany auch über getrennt justierbare Fokussierung und Belichtung. Diese lassen sich zwar anders als bei Camera+ statt mit zwei Fingern gleichzeitig nacheinander mit einem Finger verstellen, aber daran kann man sich leicht gewöhnen.

Die Ausrichtung der Icons auf dem Display passt sich selbstverständlich immer der aktuellen Haltung des iPhones an. Der „Pro“-Button, der im Querformat rechts unten zu sehen ist, führt entweder in die Einstellungen, oder in die Kategorie „Album&Studios“, wo später – falls gewünscht – die Weiterbearbeitung der Fotos stattfindet. Anders als in anderen erfolgreichen Kamera-Apps wie Instagram, BestCamera und vor allem Camera+ (wo alle Aufnahmen zunächst in der App selbst zwischengespeichert werden) integriert sich ProCamera in die vorhandenen Ressourcen des iPhones, nutzt also den integrierten Gerätespeicher, aus dem die zu bearbeitenden Bilder erst wieder geladen werden müssen. Ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal deutet sich in der unteren Symbolleiste an: Ohne auf den Funktionsumfang der App verzichten zu müssen, lassen sich Videos direkt in ProCamera in voller Auflösung aufnehmen. Somit präsentiert sich die App als vollständiger Ersatz der im iPhone integrierten Kamera-Applikation.

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Viele Optionen

In den Einstellungen lässt sich zuoberst die Empfindlichkeit des Bildstabilisators regeln. Der Selbstauslöser lässt sich zwischen 0,5 und 20 Sekunden variieren. Auch einen „Full-Resolution-Zoom“ bietet ProCamera. Hierbei wird ein gezoomtes Foto dann auf die vollen fünf Megapixel interpoliert.
Es lassen sich überdies die umfangreichen Geo-Tagging-Funktionen deaktivieren und für alle, die mit dem Zwei-Finger-Zoom nicht zurechtkommen, zusätzliche Zoom-Buttons hinzuschalten. Außerdem stehen optional noch ein Vollbildschirm-Auslöser und umfassende Anleitungen, Tipps und Tricks innerhalb der App zur Verfügung.

Anpassen der Fotos

Ein einmal aufgenommenes Foto kann vor dem endgültigen Speichern noch einmal überprüft werden (sofern in den Settings nicht das automatische Speichern aktiviert ist). Zur weiteren Bearbeitung muss das Bild dann über „Albums&Studios“ wieder geladen werden. Mehr Zeit kostet das Alles nicht, denn ProCamera ist eine erstaunlich schnelle App.
Im „Pro Lab“ lassen sich zunächst Belichtung, Helligkeit, Kontrast etc. verbessern. Dazu tippt man auf die halbrunden Symbole am rechten Bildschirmrand. Im Beispielbild in der Galerie sind zur Ansicht einmal alle Einstellungsmöglichkeiten ausgeklappt. Ein Tipp auf die rot leuchtenden Symbole versenkt die Schieberegler wieder im rechten Rand. Oben rechts werden die Anpassungen dann gespeichert.

Zuschneiden und Verschönern

Unter „Pro Cut“ finden sich vielfältige Möglichkeiten zum Zuschneiden – entweder mittels vorgefertigter Seitenverhältnisse oder individuell -, Drehen und Spiegeln der Fotos. Die Effekte sind ein weiteres Highlight: Neben 27 verschiedenen Farbfiltern, die sich über die Fotos legen lassen, gibt es neun spezielle „Retouch“-Filter, die im Prinzip die Farb- und Helligkeitsanpassung übernehmen, die man ebenso im „Lab“ selbst vornehmen kann. Die „Special“-Filter hingegen bieten eher seltene Effekte wie „Marylin“, der an Andy Warhols Kunst erinnert, oder „Alien“, nach dem das jeweilige Motiv in leuchtendem, außerirdischem Blau erstrahlt.
Die Filter bauen sich in der Übersicht im Übrigen nacheinander auf, was etwas länger dauert als bei den Foto-Apps der Konkurrenz. Dafür muss man nach der Auswahl eines bestimmten Filters nicht warten, bis die Vollbild-Vorschau geladen ist – bei Camera+ beispielsweise dauert dies mitunter sehr lang.

Weitere Features

Bereits angesprochen wurden die speziellen Geo-Tagging-Features von ProCamera. In einer übersichtlichen Darstellung werden – sofern verfügbar – nicht nur die kompletten EXIF-Daten des jeweiligen Fotos angezeigt. Auch zeigt die App auf einer eingeblendeten, voll interaktiven Karte den Ort der Aufnahme an, inklusive einer Umschaltmöglichkeit von der Karten- in die Satellitenansicht.

Fazit: Was fehlt?

Was die Foto-Funktionen angeht, kann sich der iPhone-Fotograf eigentlich nicht mehr von einer Kamera-App wünschen. ProCamera beschränkt sich allerdings wirklich auf die Basics der Bildbearbeitung. So kommen die Sharing-Funktionen eindeutig zu kurz. Ein fertiges Bild lässt sich über den entsprechenden Button ausschließlich per E-Mail verschicken. Es gibt keine Exportfunktion zu sozialen Netzwerken oder Fotocommunities (Twitter, Facebook, Flickr etc.), sodass bei Bedarf der Umweg über Dritt-Apps gegangen werden muss. Ein eigenes Fotoportal, wie es von BestCamera, Instagram oder Camera+ bekannt ist, sucht man entsprechend vergeblich.
Allen, die darauf verzichten können, bietet ProCamera allerdings einen konkurrenzlosen Funktionsumfang und gute Foto-Ergebnisse in einem schicken Design, welches trotz der vielen Möglichkeiten nicht überladen wirkt. Für die vergleichsweise geringen 2,39€*, die die App im App Store kostet, kann man sich also – bis auf die fehlenden Sharing-Funktionen, auf die einige sicher verzichten können – auf ein stimmiges Gesamtpaket und viel Foto-Spaß freuen.

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