Recht auf Reparatur: So hat Apple sich das nicht vorgestellt

iPod touch (2008) auseinandergenommen, Bild: iFixit

Im US-Bundesstaat Nevada wird demnächst über ein neues Gesetz entschieden. Darin geht es um das „Recht auf Reparatur“. Zumindest geht es darin um eine Facette des „Reparierens“ im gewerblichen Umfeld. Apple stellt sich neben HP und Honeywell gegen das Gesetz. Das vermeintliche Totschlagargument in diesem Fall ist abermals die Privatsphäre.

Wenn man die passenden Schlagzeilen liest, könnte man das Gefühl haben, Apple wehrt sich mit Händen und Füßen gegen das Reparieren seiner Geräte. Tatsächlich scheint der iPhone-Hersteller kein Freund davon, dass die eigenen Geräte wirklich reparaturfreundlich sind. Eine Frage, die man nicht ohne Weiteres beantworten kann, ist: Wie sehr steht Apple gegen das Recht auf Reparatur.

Entscheidung in Nevada ist besonders

Vor diesem Hintergrund wird Apples Lobbyarbeit leider aus den falschen Gründen vor den Karren gespannt. Denn die Interpretation kann nur die falschen Schlüsse ziehen.

Es geht im Kontext der Entscheidungen in Nevada nämlich nicht um Themen wie Obsoleszenz, oder wenn, dann nur im entfernten Sinn. Vielmehr planen die Gesetzgeber die Pflicht für Elektronikhersteller, unabhängigen Reparaturdienstleistern passende Reparaturunterlagen zur Verfügung zu stellen, aber auch den Zugang zu Ersatzteilen zu gewähren. Noch konkreter regelt das Gesetz dieses Vorgehen für alle Elektronikgerät im Wert von unter 5.000 US-Dollar. Hersteller beispielsweise teurer Klimaanlagen, oder von Autos wären dann von dem Gesetz ausgenommen. Bei Computern würde sich hingegen eine merkwürdige Situation ergeben. Für seinen Mac Pro müsste Apple womöglich keine Ersatzteile und Unterlagen bereitstellen, für viele andere Geräte aber schon, vor allem iPhones und iPads.

Privatsphäre als Totschlagargument?

Nun hat der Konzern aus Cupertino Sorge, dass dann die Nutzerdaten auf dem Spiel stehen. Bislang nämlich erhalten nur autorisierte Reparaturdienstleister die Möglichkeit, Apples Geräte zu reparieren und unterschreiben Verträge, die Apple absichern und manche als drakonisch kategorisieren.

Ungeprüfte Dienstleister könnten Zugang zu persönlichen Informationen der Gerätebesitzer bekommen lautet Apples, aber auch das Argument einiger anderer Technologiekonzerne. Sie werden vertreten von Cameron Demetre, dem Direktor von TechNet. Über den Vorgang berichtet Associated Press.

Apple und andere Technologiekonzerne stehen zunehmend unter Druck, die Elektronik nachhaltiger zu gestalten. Dazu zählt auch, sie reparaturfreundlicher zu machen.

Um ein wenig Druck vom Kessel zu nehmen, führte Apple Ende 2019 das „Independent Repair Provider“ Programm ein. Daran können Reparaturdienstleister teilnehmen und erhalten Zugang zu Ersatzteilen und Dokumentation für Geräte, die Apple selbst nicht mehr repariert.

Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 31. März 2021
  • Zuletzt aktualisiert am: 31. März 2021
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