Beim Druckerkauf sparen: Daniel Orth von Tonerdumping im Interview

Drucker sind bei vielen Verbrauchern ein unbeliebtes Thema. Beim Kauf sind sie heute zwar sehr günstig, später bitten viele Hersteller dann aber bei den Patronen zur Kasse. Wir sprechen im Interview mit Daniel Orth, Geschäftsführer von Tonerdumping aus Berlin über das Druckergeschäft und wie man beim Druckerkauf sparen kann. Er betont auch, welche Herausforderung die Instant-Ink-Angebote an den Einzelhandel stellen und wie sich die Coronavirus-Pandemie auf sein Geschäft ausgewirkt hat.

Drucker im Büro, Bild: CC0

Macnotes:

Herr Orth, Drucker sind in den letzten 20 Jahren deutlich günstiger geworden. Gilt das auch für Zubehör und Druckerpatronen?

Daniel Orth:

Hi! Ja, in den letzten 20 Jahren war der langfristige Trend, dass die Druckerpreise runter sind. Gleichzeitig sind allerdings die Füllmengen bei Tintenpatronen immer kleiner geworden. Wurde in einer HP 45 Patrone aus dem Jahr 2000 noch 42 ml schwarze Tinte gefüllt, sind es in der aktuellen HP 305 Patrone nur noch 2 ml. Auf der anderen Seite gibt es für clevere Kunden auch Drucker mit sehr niedrigen Folgekosten. Von Canon, Epson und HP gibt es Drucker, bei denen man keine Druckerpatrone mehr kaufen muss, sondern per Tintenflasche neue Tinte in den Drucker hinein füllen kann. Allerdings kosten diese Tintentank-Drucker mindestens 200 €. Während der Corona-Pandemie kam es allerdings zu einer riesigen Nachfrage an Home-Office-Druckern. Viele Kunden haben festgestellt, dass der eingemottete Drucker nicht mehr funktioniert und zeitgleich haben die Home-Office-Arbeiter und Arbeiterinnen die Druckerbestände leer gekauft.

Macnotes:

Wenn ich als Verbraucher beim Kauf der Tintenpatronen sparen möchte – wie mache ich das am besten?

Daniel Orth:

Eigentlich sollte man einen Schritt vorher ansetzen. Beim Kauf des Druckers entscheidet sich, wie teuer die Druckerpatrone später sein wird. Die bereits angesprochenen Tintentank-Drucker sind da eine sinnvolle Investition, wenn man vorhat viel zu drucken. Druckt man aber nur selten, dann sollte ein billiger Drucker mit Druckkopf-Patronen gekauft werden. Die haben zwar nur Tinte für 100 bis 300 Seiten – je nach Modell – aber wenn die Patrone eintrocknet, dann ist nicht der Drucker kaputt, sondern nur die Druckerpatrone.

Macnotes:

Jetzt bietet HP über HP-connect Druckerpatronen praktisch im Abo an. Die neue Patrone kommt dann automatisch per Post, wenn die alte leer wird. Spare ich hier auch oder ist das nur ein Trick?

Daniel Orth:

Ja, HP nennt das Instant-ink. Das ist auch ein großer Trend im Moment. Es spricht vor allem die Netflix-Generation an. Der HP Anwender zahlt dann nicht mehr für die Patronen, sondern zahlt eine Abo-Gebühr. Wer seinen Seitenverbrauch richtig gut einschätzen kann, kann damit gutes Geld sparen. Dabei gibt es vier Preisstufen: 0,99 € pro Monat für 15 Seiten, 2,99 € für 50 Seiten, 4,99 € für 100 Seiten oder 11,99 € für 300 Seiten pro Monat. Überschreitet man sein Seitenvolumen, wird es richtig teuer. Dann kosten weitere 10 Seiten plötzlich 1 €. Ganz unabhängig vom Bezahlmodell. Funktioniert die Abbuchung beim Konto nicht, funktionieren die Patronen auch nicht mehr. Die Drucker müssen also immer mit dem Internet verbunden zu sein, damit HP prüfen kann, ob die Monatsgebühr bezahlt wurde oder nicht. Was also sehr verlockend aussieht, kann schnell zur Kostenfalle werden. Vor allem, wenn man eigentlich den Drucker nur sporadisch genutzt hat und dann plötzlich beginnt im Homeoffice jeden Tag dutzende Seiten zu drucken.

Ich bin ja selbst begeisterter Apple Kunde seit vielen Jahren, habe mir aber bislang kein Apple-Music-Abo zugelegt. Ich kaufe lieber meine Lieblingsmusik ein und baue damit meine private Sammlung aus. Genauso ist es auch bei den Druckerkunden. Gerade die Generation Z ist da sicher leicht zu begeistern, weil es eben sehr bequem ist, wenn die Patrone automatisch kommt, wenn der Füllstand bereits beginnt knapp zu werden.

Macnotes:

Andere Hersteller bieten vergleichbare Abo-Dienste an. Ähneln die sich, oder sticht HP Connect hervor?

Daniel Orth:

HP ist da ganz sicher der Vorreiter und auch in diesem Segment Marktführer. Andere Hersteller sind da relativ spät auf diesen Trend aufgesprungen und spielen daher nur eine untergeordnete Rolle.

Macnotes:

Sie sind mit Tonerdumping bereits seit 2003 am Markt und erfahren in der Branche. Wie schätzen Sie die Zukunft des Marktes ein? Sind Druckerpatronen etwas, das immer gebraucht wird – wie man es in der Gastronomie oder im Handwerk gerne sagt – oder wird sich der Markt in den nächsten Jahren verändern und wir kaufen vielleicht alle nur noch über HP Connect?

Daniel Orth:

In der Tat ist das Instant-ink Programm von HP ein großer Angriff auf alle Händler, die bisher Druckerverbrauchsmaterial verkauft haben. Das Geschäft wird dann zwischen Endkunden und Hersteller abgewickelt, ohne dass andere Handelsstufen davon profitieren können. Tonerdumping ist seit Anfang 2020 mit dem größten Hersteller kompatibler Druckerpatronen eng verbunden. Wir verkaufen kompatible Patronen der Marke G&G – leicht zu erkennen an den Pinguinen auf der Schachtel. G&G plant ein ähnliches System zu entwickeln. Die Umsetzung wird allerdings noch etwas dauern.

Macnotes:

Was viele gar nicht wissen: Tonerdumping gibt es nicht nur im Internet. Sie haben auch Filialen in Berlin und Hamburg. Warum? Machen Sie sich mit Ihrem Onlineshop da nicht selbst Konkurrenz?

Daniel Orth:

Ich startete 2003 von meinem Wohnzimmer aus einen Onlineshop. Sehr bald klingelten bei mir Kunden, die die Ware persönlich abholen wollten, da nicht jeder einen Versandtag abwarten will, sondern sofort eine neue Patrone braucht. Also habe ich ein halbes Jahr später, im November 2003 im Erdgeschoss einen kleinen Laden angemietet. Das hat seitdem gut funktioniert.

Beide Kanäle haben ihre Stärken und Schwächen. Wer 50 verschiedene Produkte für den Schulanfang braucht und nicht genau weiß, welche Produkte empfehlenswert sind, der ist im Laden besser aufgehoben. Im Laden sind auch Cent-Artikel versandkostenfrei. Auf der anderen Seite ist es auch eine bequeme Sache online seine Toner einzukaufen. Gerade dann, wenn kein Druckerpatronen-Laden in der Nähe ist.

Gerade während des Lockdowns im Frühling waren wir sehr froh, dass wir einen gut funktionierenden Onlineshop haben, der in dieser Zeit mehr als doppelt so viel Umsatz machen konnte.

Macnotes:

In Ihrem Onlineshop bieten Sie noch weit mehr als Druckerpatronen. Was wir besonders spannend finden: Tonerdumping verkauft an den gesetzlich zugelassenen Tagen auch Silvesterfeuerwerk. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Daniel Orth:

Ja, diese Information kann man unserer Gewerbeanmeldung entnehmen, denn das sind Produkte, die man nur dann verkaufen darf, wenn sie in der Gewerbeanmeldung stehen. Feuerwerk war ein interessantes Zusatzsortiment. Für 2020 haben wir uns aber entschlossen kein Feuerwerk zu verkaufen. Da die Krankenhauskapazitäten zu Silvester angespannt genug sein werden, wollen wir damit einen Beitrag leisten, dass etwas weniger geböllert wird. In unseren Läden und Online stehen weiterhin Zubehör für Drucker im Vordergrund. Aber seit 2020 haben wir aufgrund der hohen Nachfrage auch Alltagsmasken und Desinfektionsmittel aufgenommen und sind auch sehr erfolgreich mit Schulsachen für die Schulbeginn-Saison. Besonders im Jahr 2020 war auch das Geschäft mit Druckern interessant.

Macnotes:

Vielen Dank an Herrn Orth für das Interview.

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Metadaten
  • Geschrieben am: 3. Dezember 2020
  • Zuletzt aktualisiert am: 3. Dezember 2020
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