ml, den 11. Dezember 2009

Test: Apple Magic Mouse

Nach unserem ersten Schnelltest der inzwischen nicht mehr ganz neuen Magic Mouse, folgt jetzt der ausführliche Testbericht. Mit Multitouch-Technik ausgestattet bricht die Magic Mouse mit dem hergebrachten Bedienkonzept herkömmlicher Eingabegeräte ohne dabei die Intuition des Benutzers zu missachten. Anders sieht es bei der Ergonomie aus. Hier werden sich wieder die Geister scheiden. Zumindest in dieser Hinsicht ist sich Apple in seiner durchaus wechselvollen Mouse-Geschichte treu geblieben. Wer sich noch an die Eishockeypuck-Maus der ersten iMacs erinnern kann, der weiß sofort, was gemeint ist.

Lieferumfang
Die Magic Mouse wird von Apple in einer Art Schneewittchensarg verpackt. Mit Hilfe von transparenten Klebefolien ist die Maus darin fixiert. Leider hinterlassen diese beim Entfernen hässliche Kleberückstände, die man mit etwas Spiritus entfernen kann. Die für den Betrieb benötigten zwei AA-Batterien sind bereits eingelegt und es muss lediglich noch ein kleiner Papierstreifen entfernt werden, damit die Maus ihren Betrieb aufnehmen kann.
[nggallery id=1355]In der Verpackung noch enthalten sind ein paar Faltzettel mit Hinweisen zu Garantie und Bluetooth sowie eine Mini-Bedienungsanleitung zur Einrichtung des neuen Eingabegeräts.

Design und Verarbeitung
Das Design der Magic Mouse gefällt auf den ersten Blick. Die Mouse ist deutlich flacher als der Vorgänger, die Mighty Mouse. Die Multitouch-Oberfläche aus transparentem Hochglanzplastik erhebt sich in einem schwungvollen Bogen über der aus Aluminium gefertigten Unterschale.

Die Verarbeitung ist exzellent. Nichts klappert oder knarzt. Der Deckel für das Batteriefach sitzt perfekt an der Unterseite. Dort befindet sich auch ein Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten, wenn die Maus mal längere Zeit nicht benutzt wird. Eine kleine grüne LED signalisiert den Betriebszustand der Maus, denn die Laserdiode zum Abtasten der Bewegung ist farblos.

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Durch die Batterien erhält die Magic Mouse ein angenehmes Gewicht. Die zwei an der Unterseite angebrachten Gleiter aus schwarzem Plastik ermöglichen das leichte Bewegen der Maus auf fast allen Oberflächen.

Einrichtung
Wer die Magic Mouse verwenden möchte, der benötigt einen Mac mit mindestens Mac OS X 10.5.8 bzw. 10.6.2 und natürlich Bluetooth. Inzwischen gibt es auch Tricks, wie man die Magic Mouse problemlos inklusive Multitouch auch unter Windows nutzen kann. Wir haben die Maus ausschließlich am Mac getestet.

Will man die Magic Mouse unter 10.5.8 verwenden, so muss man diese zunächst mit dem Bluetooth-Assistenten mit dem Mac verbinden und anschließend Software Update aufrufen. Dieses bietet dann das Wireless Mouse Software Update 1.0 an, welches in den Systemeinstellungen die Option Tastatur & Maus in zwei eigene Punkte teilt. Dort kann dann die Multitouchfähigkeit der Maus eingestellt werden.

Wer bereits unter Snow Leopard arbeitet und das aktuelle Update auf 10.6.2 schon eingespielt hat, kann die Maus sofort einrichten, da die benötigten Treiber schon im System integriert sind.

Bedienung
Ca. 3/4 der Oberfläche der Magic Mouse ist berührungsempfindlich und damit für die Eingabe von Multitouch-Gesten geeignet. Trotzdem ist der „Klick“ noch mechanisch und gibt dem Benutzer so Feedback über seine Aktionen. Der Rechtsklick muss erst in den Systemeinstellungen aktiviert werden. Alle weiteren Multitouch-Gesten sind standardmäßig aktiviert.

Das Scrollen ohne Scrollrad bzw. -ball geht sofort ohne Umgewöhnung und intuitiv. Wie von den Multitouch-Trackpads der MacBooks bekannt, kann mit der Magic Mouse auch zweidimensional gescrollt werden. Hier fiel uns auch ein kleiner Unterschied zwischen Mac OS X 10.5 und 10.6 auf. Unter 10.6 hat Apple das Scrollen mit einer virtuellen Trägheit implementiert, d.h. je nachdem wie schnell oder langsam man den Finger zum Scrollen bewegt und dann „loslässt“ scrollt der Inhalt des Fensters noch etwas weiter. iPhone-Besitzern dürfte das bekannt vorkommen, jedoch fehlt der nette Gummiband-Effekt, wenn das obere oder untere Ende erreicht wird.

Die Zwei-Finger-Wischgeste zum Vorwärts- und Rückwärtsnavigieren im Browser möchte man schnell nicht mehr missen. Für Multitouch-Trackpad-Nutzer ist lediglich zu beachten, dass hier nicht mit drei Fingern „gewischt“ werden kann.

Das sich bei der Magic Mouse potentiell auch Funktionen nachrüsten lassen zeigt das Tool MiddleClick welches mittels 3-Finger-Tap bzw. -Click ein CMD-Klick emuliert und damit im Browser das Öffnen von Links in einem neuen Tab vereinfacht. In unserem Test des Tools funktionierte allerdings nur der Klick richtig. Beim Tap öffnete sich immer nur das Dashboard.

Bei den Oberflächen, auf denen die Magic Mouse verwendet werden kann, gibt es fast keine Einschränkungen. Lediglich stark spiegelnde Oberflächen werden zum Problem für den farblosen Laser. Ansonsten ist die Maus recht anspruchslos und lässt sich auch gut ohne Mauspad verwenden.

Ergonomie
Dem Punkt Ergonomie widmen wir ganz bewusst einen eigenen Abschnitt, denn schließlich ist dieser neben der Bedienbarkeit das Wichtigste bei einer Maus. Kurz: der Weisheit letzter Schluss ist die Magic Mouse nicht, denn auch bei längerer Benutzung ist die Maus zu flach. Dadurch fixiert man sie meist nur mit Daumen und kleinem Finger. Benutzt man dann die Wischgesten, dann wird oft die Maus selbst verschoben als das man eine Eingabe machen kann. Etwas mehr seitliche Fixierung durch die aufgelegte Hand wäre hier hilfreich.
[nggallery id=1356]Welche Gründe Apple für das flache Design hatte bleibt unklar. Ob es eine Designentscheidung, Patentgründe oder technische Probleme waren, wird wohl im Dunkeln bleiben. Und so wird die Maus genauso ihre Liebhaber und Hasser finden. Tröstlich bleibt, dass es schon schlimmere Verfehlungen in Sachen Maus aus dem Hause Apple gab und die Magic Mouse in Sachen Ergonomie leider nur Mittelmaß ist.

Probleme
Inzwischen mehren sich in Foren die Einträge von Benutzern, die teilweise massive Probleme mit der Magic Mouse haben. Unklar dabei bleibt immer, ob diese Benutzer einen großen Anteil der Magic-Mouse-Nutzer darstellen oder ob es sich hier doch eher um „Einzelfälle“ handelt. Nichtsdestotrotz sind solche Dinge ärgerlich und machen im schlimmsten Fall die Investition in das neue, aber so kaum benutzbare Eingabegerät zunichte.

In unserem Test trat keines der beschriebenen Probleme (Verbindungsabrüche, Tracking-Probleme) bei uns auf. Die Maus ließ sich auch ohne Probleme an mehreren Rechner nutzen. Auch bei mehreren Metern Abstand mit Sichtverbindung zu Rechner ließ sich die Maus noch anstandslos benutzen.

Fazit
Grundsätzlich fällt das Fazit zur Magic Mouse positiv aus. Mit der Übertragung des Multitouch-Konzepts auf die Maus ist Apple ein großer Wurf gelungen. Die Grundfunktionen mit Klick, Rechtsklick und Scrollen sind intuitiv nutzbar. Für die Nutzung der Wischgesten ist ein kurzer Blick in die Systemeinstellungen notwendig. Danach gehen auch diese in Fleisch und Blut über und kurze Zeit später fragt man sich, wie man vorher überhaupt ohne klar gekommen ist.

Sehr ordentlich ist auch die Verarbeitung der Maus. Ausgeklügelte Stromsparmechanismen sorgen dafür, dass die Maus mit einer Batterieladung lange durchhält. Nach mehreren Wochen Test zeigte der Batteriefüllstand noch immer 94 Prozent an. Trotzdem ist es vermutlich ratsam, ein paar Ersatzbatterien parat zu haben, denn erfahrungsgemäß sind die Batterien genau dann leer, wenn man dringend auf die Maus angewiesen ist.

Zu kritisieren an der Magic Mouse bleibt die mangelhafte Ergonomie. Wieso Apple diesen Punkt bei der ansonsten sehr guten Maus so stiefmütterlich behandelt hat, bleibt unklar. Trotzdem sollte jeder zunächst die Maus einmal selbst in der Hand haben und für sich entscheiden, ob das flache Design ein Problem sein könnte.
Testurteil: 4/5 Macs
Bezeichnung: Magic Mouse
Hersteller: Apple
Preis: 69,00 Euro


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