NDrive: Turn-by-Turn Navigation für iPhone im Test

NDrive - Einstellungen, Screenshot

Der Navi-Hersteller NDrive bietet neben stationären Navigationsgeräten auch Software-Lösungen für nahezu alle GPS-fähigen Mobilgeräte an. Auch für das iPhone ist eine entsprechende App verfügbar, die damit in direkter Konkurrenz zu TomTom und Navigon steht. Wir haben die Version für Deutschland, Österreich und die Schweiz getestet.

NDrive verfolgt einen interessanten Ansatz: Erstens weisen die Entwickler explizit darauf hin, dass die App gleichermaßen zur Navigation mit dem Auto oder zu Fuß geeignet ist. Zweitens wird NDrive für iPhone nicht nur wie üblich in Versionen für Westeuropa oder Nordamerika angeboten, sondern auch zugeschnitten auf einzelne Länder, Regionen oder gar Städte. Damit schont z. B. die Berlin-Ausgabe mit 3,99€ den Geldbeutel derer, die nur selten außerhalb unterwegs sind. Darüber hinaus gibt es bereits für einige Städte spezielle Versionen, die statt der gewöhnlichen Karten ähnlich wie Google Earth Satellitenbilder verwenden, so dass man sich noch besser zurecht finden kann.

Start

Die App startet auf unserem iPhone 3GS extrem schnell: In zwei Sekunden befinden wir uns bereits auf dem Navigationsbildschirm – ausreichender GPS-Empfang vorausgesetzt. Das macht schon mal einen guten Eindruck. Über die Menü-Taste rechts unten am Bildschirmrand erhalten wir dann Zugriff auf alle Funktionen von NDrive, die mit verhältnismäßig großen Icons darauf ausgelegt sind, dass man auch dann zielsicher die gewünschte Option auswählt, wenn man das iPhone nicht in der Hand hat, sondern es in einer Halterung untergebracht ist. Die aktuelle Position wird am unteren Displayrand als Laufschrift eingeblendet.

Einstellungen

Von hier aus haben wir die totale Kontrolle über die Funktionen und Anzeigen von NDrive. Die Berücksichtigung des Verkehrs oder die Helligkeitsstufe können hier ebenso konfiguriert werden wie die Sprache bzw. Ausgabestimme oder die Farben der Kartenansicht. Die „night“-Schablone ist nur eingeschränkt empfehlenswert, weil sie trotz erhöhtem Kontrast mehrere Objektarten in ähnlichen Farben anzeigt, was sich während unserer Fahrt als störend erwiesen hat.
Auch das Uhrzeitformat, die Umgehung von Mautstraßen und das Format der GPS-Koordinaten sind einstellbar – eine vollwertige Navigationsapp. Natürlich kann man in einer solchen auch die Aktualität der Karten einsehen.

Navigieren

Anders als bei der TomTom-App führt uns ein Fingertipp auf die geöffnete Karte nicht ins Menü, sondern zeigt die Koordinaten der ausgewählten Position an – eine Funktion, die für die Wegplanung mit dem Auto weniger geeignet ist als beispielsweise zum Geocaching.
Nach Eingabe der Zieladresse wird die Route sehr schnell berechnet, die Planung für die Strecke von der Bochumer Innenstadt zum Kölner Dom war etwa in fünf Sekunden abgeschlossen.

Ist der Routenvorschlag einmal mit „OK“ bestätigt, sieht so unser Navigationsbildschirm aus: Am linken Bildschirmrand zeigt ein kleiner grüner Punkt den aktuellen Fortschritt der Reise an, darunter werden wir auf den nächsten Schritt hingewiesen. Direkt daneben finden wir die verbleibende Restzeit, die noch zu bewältigenden Kilometer, die Uhrzeit, die aktuelle Geschwindigkeit und den Menü-Button. Die Displayansicht ändert sich übrigens automatisch zwischen vertikaler und horizontaler Ansicht, je nachdem, wie das iPhone gedreht wird. Per Multitouch mit zwei Fingern können wir den Neigungswinkel der Karte einstellen, mit einem Finger „rollen“ wir durch unsere Umgebung, zoomen funktioniert wie gewohnt durch Auseinanderziehen zweier Finger.

Alle diese Schaltflächen sind im Übrigen interaktiv: So bringt uns ein Fingertipp auf den Fortschrittsbalken in eine Art Notmenü, von dem aus wir eine alternative Route berechnen lassen, wenn wir auf ein Hindernis stoßen. In einer Übersicht lassen sich Straßensperre, ein unerwarteter Stau oder eine unbeliebte Teilstrecke auswählen. Die App berechnet dann sofort eine Alternative zur aktuellen Route und der Fahrer kann sich so mit wenigen Fingertipps aus der Situation befreien, wenn die eingebaute Stauwarnung einmal nicht funktioniert hat.

Berührt man den Button, der die nächste Abbiegung anzeigt, wiederholt die freundliche Navi-Stimme (die sich sehr laut einstellen lässt) die nächste Aktion, ein Tipp auf die Restzeit oder die Kilometerzahl zeigt uns im „Straßenatlas“ an, welche Straßen noch auf uns zu kommen und der Uhrzeit- bzw. Geschwindigkeitsbutton führt uns ins Einstellungsmenü. So wird nicht nur die Navigation durch die Straßen, sondern auch durch die App optimiert.

Die Straßenführung funktionierte in unserem Test sehr gut, allerdings können anscheinend auch hier bekannte Probleme wie z. B. Konflikte zwischen parallel zur Autobahn verlaufenden Seitenstraßen nicht behoben werden. Obwohl wir mit 100km/h auf der linken Spur unterwegs waren, zeigte NDrive uns plötzlich an, dass wir uns neben der Autobahn befinden und doch bitte in 170m links abbiegen sollen. Generell ist die Navigationsleistung der App absolut vergleichbar mit den Marktgrößen von TomTom und Navigon, da hier eben in erster Linie der GPS-Empfänger eine Rolle spielt – und der ist im iPhone nunmal immer gleich. Touristenattraktionen wie der Kölner Dom können auf der Karte als 3D-Objekte angezeigt werden, was die Navigation durchaus vereinfachen kann.

Aus gegebenem Anlass haben wir NDrive im Übrigen auch mit dem TomTom Car Kit ausprobiert, das einen zusätzlichen GPS-Empfänger mitbringt und die Leistung entsprechend stark verbessern soll. Genau wie bei der TomTom-App konnten wir allerdings keine Verstärkung des Signals feststellen. Möglicherweise dient der Empfänger im Car Kit nur der Stabilisierung, wir können uns dieses Ergebnis jedenfalls bisher nicht erklären.

Eine kleine Ärgerlichkeit muss noch festgehalten werden: In regelmäßigen Abständen von ca. 5 Minuten zeigte uns NDrive eine Bildschirmdeckende Meldung mit dem Inhalt „HTTP-Verbindungsfehler“ an. Möglicherweise gibt es ein Problem mit dem integrierten Stauwarnsystem, das der Hersteller auf einem eigenen Server anbieten müsste. Wo genau der Fehler seine Wurzeln hat, konnten wir bisher nicht ermitteln. Die Navigation wurde dadurch nicht beeinträchtigt, aber dieses Problem führt bei der ansonsten einfach und schnell zu bedienenden App zu einer Abwertung, weil wir ständig mit „OK“ bestätigen mussten.

Fazit

NDrive bietet eine vollwertige Navigationslösung, die sich von der Konkurrenz durch zwei Stärken absetzen kann: Einerseits ist die App bis in viele Details konfigurierbar und bleibt dabei intuitiv zu bedienen. Andererseits bietet die große Auswahl an Kartensets für jeden das richtige Paket und kann so dazu beitragen, dass man keinesfalls zu viel ausgeben muss. Die von uns getestete Version für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist zudem zurzeit auf 34,99€ reduziert, die Westeuropa-Variante kostet 59,99€ und lokale Alternativen für München oder Berlin sind bereits ab 2,99€ zu haben. NDrive ist damit eine echte Alternative zum Platzhirsch Navigon und dem großen Konkurrenten von TomTom. Laut Hersteller wird wegen der Abhängigkeit von einem GPS-Empfänger natürlich ein iPhone 3G oder 3GS benötigt, das iPhone 2G und der iPod touch werden nicht unterstützt.

Update:

In einem Gespräch mit Marcin Fejfer, Produktmanager bei NDrive, stellte sich heraus, dass der „HTTP-Fehler“ in der Tat mit der Verkehrsinfo-Funktion der App zu tun hat. Dieses Feature gibt es zurzeit nur in Portugal, ist aber bereits in der D-A-CH-Version implementiert worden. Offenbar soll die Funktion erst im kommenden Jahr auch in Deutschland verfügbar sein. Abhilfe schafft die Deaktivierung im Menü „Verkehrsoptionen“.

Auch die Zusammenarbeit mit dem TomTom Car Kit funktioniert im Nachhinein doch: Eine fehlerhafte Bluetooth-Konfiguration verhinderte eine stabile Verbindung. Nach einem Bluetooth-Reset des Car Kits wurde die Verbindung vollständig hergestellt und bescherte uns etwa einen Empfangsbalken mehr, als wir zuvor ohne Car Kit-Anschluss hatten. Zu beachten ist: Die Sprachausgabe über das Car Kit funktioniert anders als bei der TomTom-App nur, wenn das iPhone nicht auf lautlos gestellt ist.

Mehr über mz:

Mac-User und Fernostexperte, gelten Max’ Interessen neben den Geräten und Programmen aus Cupertino auch der Situation in Japan, China, Korea und anderen weiter entfernteren Ländern, in denen Apple-Hardware nicht nur begeistert genutzt, sondern auch zu weiten Teilen hergestellt wird.

Metadaten
  • Geschrieben am: 29. November 2009
  • Zuletzt aktualisiert am: 4. März 2021
  • Wörter: 1138
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  • Lesezeit: 4 Minuten 56 Sekunden