Cracked iPhone Applications I: Entwickler hoffen auf Apple

Im Siegeszug des iPhone gründeten sich zahlreiche neue App-Schmieden, die relativ zügig auf das - von anderen Plattformen altbekannte - Phänomen der unlizenzierten Kopien stießen. Andreas Heck, der seit Februar fürs iPhone entwickelt, ruft angesichts hoher Kopierquoten von über 80% zusammen mit anderen Entwicklern Apple dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen. Die Situation, das Für und das Wider werden in einer Artikelserie auf Macnotes diskutiert.

Ein SDK fürs iPhone, Bild: Apple

Position vier bei den Kartenspielen hatte die erste iPhone-App aus dem Hause „der.heckser“ inne, und es dauerte nicht lang, bis das Autoquartett „Supertrumpf“ auch in einer geknackten Version kursierte. Dank eines Online-Highscores konnte man sich ein Bild von der Kopierrate machen: um die 80% wurden hier wie auch schon in vorigen Fällen beobachtet. Die erste Reaktion des Entwicklers Andreas Heck: „Wut, Entsetzen, Unverständnis“ – nachvollziehbar angesichts 3000 Kopien innerhalb einer Woche. Und so fragte Heck in den einschlägigen Entwicklerforen, ob er alleine sei mit dem Phänomen – erwartungsgemäß war er es nicht:

„Wir haben uns an andere deutsche Entwickler gewandt, die vom Phänomen gecrackter iPhone Programme betroffen sind – u. a. Michael Zimmermann, Entwickler des erfolgreichen ‚Spiel der Weisen‘. Ebenso durchforsteten wir Entwickler-Foren und Blogs zum Thema. Der Tenor war immer der selbe: ‚Es ist schrecklich und traurig, Apple scheint sich (noch) nicht für die Thematik zu interessieren. Aber es lässt sich nicht vermeiden, man muss damit leben.“
Andreas Heck

 

Nach Rücksprache mit dem Entwickler Oliver Drobnik veröffentlichte man die aktuelle App „Supertrumpf Guns“ mit integrierter Crack-Überprüfung, die nichtlizenzierte Kopien in einen Lite-Modus schaltet und zum Kauf auffordert – auch dazu wurde bereits in der Vergangenheit geraten. Auch für Heck eine

„… vernünftige Reaktion auf das Phänomen „Crack“, denn grundsätzlich verhindern lässt es sich nicht, solange Apple keine technische Möglichkeit entwickelt, das auszuschließen. Bis dahin nutzen wir mit der Lösung all die Crack-Portale und Filesharing-Server quasi als eine Art Marketing-Plattform. In wieweit User einer Crack-Version in der Praxis Willens sind, die App zu kaufen, muss sich erst beweisen. Wir haben jedoch durchaus die Hoffnung, auf diesen Weg zusätzliche Kunden zu gewinnen, wenn diese auch aus ungewöhnlichem Umfeld kommen.“
Andreas Heck

Noch immer sei das Thema jedoch eine Randerscheinung, so Heck, was aber in Zukunft nach Möglichkeit anders werden sollte. Insbesondere Apple solle sich stärker der Problematik annehmen, die seiner Ansicht insbesondere die kleineren Entwickler und Entwicklerteams trifft, die nicht auf die hohen Gesamtumsätze der Genre-Platzhirsche bauen können.

Zu befürchten bleibt, dass die Kopierquote trotz des „Lite“-Vorstoßes von Heck hoch und die anschließenden Käufe der kopierenden Nutzer gering bleiben – iCombat-Entwickler Miguel berichtete von 0% Kaufquote in seinem Versuch, mit der Lite-Fassung Kopierer zu Kunden zu machen. Ob eine Reaktion Apples auf die Kopierquoten zu erhoffen oder zu befürchten wäre, wird auch in Zukunft nicht eindeutig entschieden werden können – einige Standpunkte sollen jedoch demnächst dargestellt werden.