Kommentar: Mit Salamitaktik zum Erfolg

Auf dem heutigen iPhone OS 3.0 Event gab Apple eine Vorschau auf die kommende Betriebssystemversion für iPhone und iPod touch. Die nächste Version wird sowohl für Entwickler (1000 neue APIs) als auch für Endanwender viele neue Funktionen (über 100) und Möglichkeiten bringen. Einige davon lang erhofft (Copy & Paste), andere überfällig (Push Notifications) und andere wiederum überraschend (Hardwarezugriffe auf Zubehör).

iPhone OS 3.0, Bild: Apple

Wie bei der Veröffentlichung von Mac OS X 10.0 im März 2001 war auch das iPhone OS 1.0 alles andere als ausgereift und komplett. Zwar verfügten beide in gewissen Bereichen über Funktionen die es so noch nicht gab, in anderen Bereichen waren beide hinter dem aktuellen technischen Standard hinterher. Bei Mac OS X schaffte Apple mit großen Updates im Jahresrhythmus die Basis für die beginnend bei Mac OS X Tiger realisierten Innovationen.

Wie es scheint, setzt Apple beim iPhone OS auf die gleiche Salamitechnik. Version 2.0 brachte das SDK und den App Store. Damit wurde das iPhone zu der Plattform für mobile Anwendungen, blieb jedoch in anderen Bereichen hinter der Konkurrenz zurück. Dinge wie MMS, Stereo-Bluetooth und Copy & Paste, die bei der Konkurrenz selbstverständlich sind, blieben iPhone-Benutzern bislang verwehrt. Bis heute.

Für Anwender

Mit dem Update werden endlich viele von den Anwendern gewünschte Funktionen umgesetzt. Copy&Paste dürfte bei vielen ganz oben auf der Liste gestanden haben und die Umsetzung von Apple verspricht in der Tat einfach und intuitiv zu sein. Mit der Integration von MMS in die Nachrichtenapplikation haben auch die Experten von Xonio, Computerbild und Co endlich nichts mehr zu meckern. Aber auch wer z. B. das Online-Ticket der Bahn nutzen möchte, kann dies dann endlich mit dem iPhone tun.

Der Konkurrenz mindestens wieder einen Schritt voraus ist Apple mit der Spotlight-Funktion für das iPhone. Ein eigener Homescreen wird Ort für die systemweite Suche nach E-Mails, Terminen, Notizen, Kontakten und SMS-Nachrichten. Das ist zwar von Mac OS X bekannt, aber auf einem Gerät wie dem iPhone einfach genial.

Erfreulich ist, dass Apple mit seinem Push-Dienst endlich aus den Startlöchern gekommen ist. Nach eigener Aussage musste das System noch einmal von Grund auf neu entwickelt werden, da die Anforderungen der Entwickler deutlich über dem lagen, was Apple sich vorgestellt hatte. Ebenfalls mehr als überfällig war die Integration des A2DP-Bluetooth-Profils, mit dem endlich die Ausgabe von Stereosound über ein entsprechendes Bluetooth-Headset möglich ist.

Insgesamt hat Apple diesmal viel Wert auf eine konsistentere Bedienung gelegt. Die Schlüsselapplikationen lassen sich jetzt auch im Querformat nutzen, die Suchfunktion steht allen wichten Applikationen zur Verfügung.

Ausbau der Verkaufsmöglichkeiten

Mit der Erweiterung des App Stores um In-App-Käufe reagiert Apple auf die Wünsche zahlreicher Entwickler, die z. B. neue Level-Packs direkt aus ihrer Applikation heraus verkaufen wollen. Wie gewohnt erhalten die Entwickler 70 Prozent des Verkaufspreises. 30 Prozent behält Apple.

Für Entwickler

Für Entwickler bohrt Apple für das iPhone OS 3.0 das SDK tüchtig auf und brüstet sich mit 1000 neuen APIs. Wie Apple das gezählt hat sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass Entwickler zukünftig auf mehr Funktionen zurückgreifen können. Spannend wird es zu sehen, welche Möglichkeiten die Entwickler aus dem Hardwarezugriff auf per Dock-Connector oder Bluetooth angeschlossenes Zubehör ziehen werden. Die während der Präsentation gezeigte Medizinanwendung für Diabetiker, die die Blutzuckerwerte vom Blutzuckermessgerät auswerten konnte ist schon sehr vielversprechend. Diese Funktion könnte jedenfalls die nächste Killer-Anwendung für die iPhone-Plattform werden.

Mit der neuen Maps-API macht Apple auch den Weg für echte Navigationsprogramme frei. Zwar muss der Hersteller aus lizenzrechtlichen Gründen eigenes Kartenmaterial mitliefern, aber dafür liefert das API den Zugriff auf den aktuellen Standort und genaue Wegbeschreibungen. Damit dürfte einem TomTom für das iPhone nichts mehr im Wege stehen. Weitere APIs zielen auf die Entwickler von Spielen ab. Die Peer-to-Peer-Funktionalität sowie In-Game-Voices sollen die iPhone/iPod touch Plattform weiter als mobile Spielekonsole etablieren.

Nichts ändern will Apple vorerst am Zulassungsverfahren von Applikationen für den App Store. Insgesamt gibt es aktuell etwa 25.000 Programme im App Store und 96 Prozent der eingereichten Programme wurden von Apple zugelassen. Im Umkehrschluss kann man aber sagen, dass auch über 1000 zum Teil sehr sinnvolle Programme mit mehr oder weniger fadenscheinigen Begründungen abgelehnt wurden. Das Verfahren wird also weiter für Kritik, Unmut und Ärger sorgen.

Verfügbar im Sommer

Das iPhone-OS-3.0-Update wird Apple im Sommer, genannt wurde Juni, für alle iPhone-Anwender veröffentlichen. iPod-touch-Anwender werden wieder mit knapp 10 Dollar für das Update zur Kasse gebeten. Allerdings dürfen sie sich über die Aktivierung von Bluetooth bei ihren Geräten (2. Generation) freuen. Ein wenig in die Röhre gucken müssen Anwender der 1. Generation von iPhones, denn aufgrund von Hardwareänderungen beim iPhone 3G werden einige Funktionen (MMS und A2DP) bei ihren Geräten nicht funktionieren. Damit ist mal wieder bewiesen, dass die Early Adopters auch die Early Deppen sind.