Sideloading von Apps? Nicht mit Apple, nicht mit iOS

Am heutigen Mittwoch informiert Apple die Öffentlichkeit über seine Haltung gegenüber dem sogenannten Sideloading von Apps unter iOS. Das Unternehmen lehnt die Installation von Software auf dem iPhone und iPad jenseits des App-Store-Mechanismus kategorisch ab. Um der Position Nachdruck zu verleihen, ging ein Verantwortlicher in einem Interview in die Offensive.

Hacker (Symbolbild), Bild: CC0

Apple veröffentlichte eine Art Privatsphäre-Dokumentation. Darin beschreibt das Unternehmen die wichtige Rolle des App Store beim Datenschutz unter dem Titel „Buildung a Trusted Ecosystem for Millions of Apps“ (PDF). Alle Apps würden überprüft, auch auf Datenschutz-Verstöße hin oder das Vorhandensein von Schadsoftware.

Dass das allerdings nicht immer funktioniert, zeigen Beispiele aus der Vergangenheit. Genau dieses Argument gegen Apples Ablehnung von Sideloading führen Anhänger ins Feld. Dabei vergessen sie allerdings, dass die Zahl an Schadsoftware unter Android genau deswegen sehr viel größer ist. Es kommt zu Bedrohungen beispielsweise wie zuletzt durch den Banking-Trojaner FluBot. Apple selbst verweist in seinem Leitfaden auf Studien, die 15 Mal mehr Infektionen mit Schadsoftware auf Android-Geräten erkennen.

Apple zitiert Sicherheitsbehörden

Apple führt in dem Leitfaden auch Zitate von Institutionen wie der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) oder dem US-Heimatschutz (Homeland Security) an. Diese weisen Nutzer „explizit“ darauf hin, Software ausschließlich aus den offiziellen App-Stores herunterzuladen. Apple sieht dies offenbar als indirekte Bestätigung, dass es erst gar keine Alternative benötige.

Sideloading umgeht Kindersicherung

Einen weiteren Aspekt, den Apple anspricht, ist die Kindersicherung. Apps, die mittels Sideloading installiert würden, umgehen die Kindersicherung. Dies hat mehrere Implikationen. Einerseits wird die Privatsphäre der Kinder ausgespäht, andererseits könnten so teure Buchungen auf dem Konto der Eltern entstehen.

Wer Sideloading will, soll zu Android wechseln

Am selben Tag veröffentlichte außerdem Fast Company ein Interview mit Erik Neuenschwander. N. ist Chef des Bereichs Nutzer-Privatsphäre bei Apple. Er machte sehr deutlich, dass Nutzer, die Sideloading möchten, in jedem Fall zu Android wechseln müssen. „Sideloading“, so Neuenschwander, sei ein Ausschlusskriterium für Nutzer, weil es das unter iOS nicht gibt. Diejenigen, die sich für iOS entschieden, wüssten, dass sie entsprechend gar nicht erst hereingelegt werden könnten.

 

„Users who want that direct access to applications without any kind of review have sideloading today on other platforms. The iOS platform is the one where users understand that they can’t be tricked or duped into some dark alley or side road where they’re going to end up with a sideloaded app, even if they didn’t intend to.“
Erik Neuenschwander

Gerichtsverfahren zwischen Apple und Epic Games

Apples Softwarechef Craig Federighi betonte im Rahmen des Gerichtsverfahren mit Epic Games, dass der Mac viel zu viel Schadsoftware beherberge. Auf dem Mac ist Sideloading möglich, obwohl Apple sukzessive mehr Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Gäbe es so viele Mac-Anwender wie iOS-Nutzer, würde das ein verheerendes Bild zeichnen.

Auch Neuenschwander verglich die Situation am iPhone und Mac. Nutzerinnen und Nutzer mit Desktop-Apple-Computern würden in der Regel nur die Software installieren, die sie auch einsetzen. iPhone-Besitzer hingegen würden deutlich mehr Software ausprobieren, und zwar immer wieder neu. So wäre ein mögliches Risiko, sich mittels Sideloading Schadsoftware einzufangen sehr groß.

Ob Apple nicht Sideloading doch wird akzeptieren müssen, oder zumindest andere App Stores von Drittanbietern, das entscheiden womöglich am Ende die Gerichte. In zwei US-Bundesstaaten gab es bereits Versuche dies über Gesetze zu regeln. Doch letztlich scheiterten die Vorhaben in Arizona und North Dakota.

Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

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  • Zuletzt aktualisiert am: 1. Juli 2021
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