So stellt Apple sich den digitalen Ausweis/Führerschein vor

Es ist Zukunftsmusik – der digitale Ausweis, der ohne Dokument auskommt, und nur in unseren Geräten schlummert. Das sagt Apple selbst. Doch aus Patentunterlagen des Konzerns aus Cupertino geht nun hervor, wie sich das Unternehmen diesen digitalen Ausweis oder Führerschein vorstellt, und welche Rolle das iPhone dabei spielt.

Reisepass als Ausweisdokument

Benötigen wir in Zukunft bald keinen Ausweis mehr? Es wird vermutlich noch Jahre dauern, bis es so weit sein wird. Doch aus einem Patentdokument Apples geht hervor, wie das iPhone als digitaler Ausweis fungieren könnte.

iPhone als Ausweisdokument

Apples Patentdokument beschreibt ein System, das ähnlich funktioniert wie die Kartenzahlung momentan. Ein Terminal und das iPhone kommunizieren miteinander einen Token. Ein Authentifizierungsserver erlaubt die Weitergabe der Daten. Szenarien, die Apple vorschweben, sind unter anderem Rettungskräfte und Polizisten, die mittels Lesegeräts schnell einen Identitätscheck durchführen könnten.

Daneben sieht Apple aber auch weiterhin die Möglichkeit vor, das Ausweisdokument ganz profan auf dem Bildschirm des iPhones anzuzeigen. Das iPhone würde dabei nicht entsperrt, man könnte es bedenkenlos bei einer Kontrolle übergeben. Der Gegenüber würde keinen Zugriff auf das Gerät selbst erhalten.

Besondere Möglichkeiten für Rettungskräfte

In Situationen, in denen wir selbst entscheiden können, das Ausweisdokument auszuhändigen, ergeben sich weniger Schwierigkeiten. Doch was, wenn wir verunfallen? In solchen Situationen, sollten wir nicht ansprechbar sein, könnten autorisierte Personen mit speziellen Lesegeräten sich dennoch die Ausweisdaten übertragen, wenn sie ihr Lesegerät nur ganz nah an das iPhone halten. Derzeit bemächtigen sich Rettungskräfte und Polizisten in solchen Fällen des herkömmlichen Ausweises.

Das System könnte allerdings auch auf abgestufte Anfragen reagieren. Wenn wir behaupten Franz Müller zu sein, kann eine autorisierte Person eine Überprüfung vornehmen, ob wir wirklich Franz Müller sind. Die Daten würden ähnliche unserer biometrischen Merkmale in einer Secure Enklave untergebracht, auf die fremde Personen keinen Zugriff haben.

Apple macht sich übrigens schon länger über dieses Thema Gedanken. Das neue Patent wurde im April 2020 eingereicht und nun vom US-Patent- und -Marken-Amt (USPTO) veröffentlicht. Es würdigt sechs Erfinder und Erfinderinnen.

Welche Möglichkeiten gibt es heute schon?

Natürlich kann man mittlerweile das iPhone oder andere Geräte als Ersatz für EC- und Kreditkarten nutzen und es als digitale Eintritts- oder Fahrkarte verwenden.

Außerdem ist es seit Mitte 2019 möglich, die Daten des deutschen Personalausweises mittels iPhone auszulesen und damit beispielsweise Online-Authentifizierungen durchzuführen, wenngleich dies kaum jemand anbietet.

Doch bis wir tatsächlich das iPhone zur Identifikation nutzen können, wird es noch dauern. Nicht zuletzt sind viele (datenschutz)rechtliche Fragen vorab zu klären und muss man eine passende Infrastruktur anbieten, damit dies ähnlich sinnvoll genutzt werden könnte wie Bezahlterminals an Supermarktkassen.