Alexander Trust, den 22. Juli 2020

Die Hölle friert zu: US-Investoren wollen Chinas TikTok kaufen

TikTok
TikTok, Bild: CC0

Im Kampf zwischen Gut und Böse siegt offenbar der Kapitalismus. Denn Medienberichten zufolge wollen eine Reihe von US-Investoren um General Atlantic und Sequoia Capital die Social-Media-Plattform TikTok von dessen chinesischem Besitzer kaufen. Die Investoren verfolgen ambitionierte Pläne und wollen das Netzwerk nach der Übernahme unter Auflagen auch in den USA anbieten.

Noch aber sind weder die Verhandlungen abgeschlossen, geschweige denn die Rahmenbedingungen gegeben. Denn die Investoren verhandeln offenbar mit zwei Seiten. Tatsächlich holen sie sich auch das Feedback von US-Regulierungsbehörden ein, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit das Netzwerk auch in den USA bedenkenlos genutzt werden darf. Dazu gehört auch, die Daten von US-Kunden auf Servern in den USA zu speichern und nicht etwa in China.

Spioniert TikTok Amerikaner aus?

Geht es nach Donald Trump, dann sind die Chinesen böse und sowohl Huawei als auch TikTok und andere chinesische Unternehmen spionieren die Nutzer weltweit aus. Das Wahlkampfteam Trumps veröffentlichte zuletzt auf Facebook Werbeanzeigen, die behaupten, dass TikTok die Nutzer ausspäht.

Worum geht es dabei eigentlich? Es geht um ein Allmachtsgefühl, das anfängt zu bröckeln. Denn die Amerikaner haben das Internet erfunden und die größten Social Networks und Apps stammen allesamt aus den USA. Dass gerade ein chinesischer Konzern sich das Internet zunutze macht und damit groß rauskommt kann nicht jedem Amerikaner gefallen. Zumindest dann nicht, wenn er annimmt, dass ein Schüler seinen Meister nie wird schlagen können.

General Atlantic und Sequoia Capital wollen TikTok

Die Investoren möchten offenbar US-Regulierungsbehörden zufrieden stellen, um dann mit dem Investment Geld zu verdienen. Denn tatsächlich ist TikTok der „letzte Scheiß“ für die nachwachsende Generation. Die gibt sich mit Twitter, Instagram oder Snapchat und Facebook nicht mehr ab.

Gründer blieben ohne Stimmrecht

Die US-Investoren möchten den Löwenanteil an TikTok übernehmen. ByteDance und Douyin, denen TikTok und eine weitere App gehören, würden einen geringen Teil am Business behalten dürfen. Doch die Anteile hätten allesamt keine Stimmrechte.

Eigentlich ging es für die Investoren zunächst nur darum mit den Regulierungsbehörden „abzuklopfen“, wie man verhindern könnte, dass TikTok in den USA gesperrt würde. Doch dann wurde TikTok in Indien gesperrt und die Gespräche bekamen einen ganz anderen Charakter. Dies geht aus einem Bericht der Financial Times hervor, den ArsTechnica nun abdruckte.

Die Besitzer von TikTok selbst gaben vor einigen Wochen öffentlich bekannt, dass man über eine Änderung der Firmenstruktur nachdenke. Der Grund ist einfach: Zwar konnte TikTok in kurzer Zeit in Indien und „dem Westen“ mehrere hundert Millionen Nutzer generieren. Doch die Monetarisierung schlug bislang fehl. Damit das Projekt also kein Investment-Grab wird, scheint diese Alternative zumindest lukrativ.

Kommentar: Gut und Böse?!

Sollte es tatsächlich zu einer Übernahme durch US-Investoren kommen, würden Konsumenten weltweit ein abstruses Schauspiel erleben. Denn als chinesisches Unternehmen wird TikTok als „böse“ hingestellt. Doch sobald die Plattform einen US-Hintergrund hätte, wäre die Erzählung eine ganz andere. Mit Sicherheit.


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