Face ID ist „unheimlich sicher”: PR in eigener Sache?

Face ID auf dem iPhone XS in Aktion, Bild: Apple

Was kommt also dabei raus, wenn man eine PR-Mitarbeiterin mit einem Journalisten zusammenbringt? Eine positive Berichterstattung über Apples biometrische Gesichtserkennung, die vor zwei Jahren mit dem iPhone X eingeführt wurde.

Nadagopal Rajan durfte mit einem PR-Mitarbeiter Apples sprechen, der ihm vermeintliche Details zu Face ID präsentierte, die der Journalist dann mit seinen Lesern teilte.

Muss dass sein, Apple? Es muss…

Tragisch ist, dass Apples Face ID im Vergleich zu anderen Lösungen am Markt tatsächlich sehr viel sicherer ist. Entsprechend können wir uns nicht erklären, warum diese Eigenwerbung überhaupt notwendig war.

Das heißt: Wir können uns natürlich schon erklären, warum gerade Indien als Schauplatz gewählt wurde. Denn dort hat Apple trotz großer Investitionen in der Produktion nach wie vor Schwierigkeiten am Markt Fuß zu fassen. Nicht zuletzt wegen der viel zu hohen iPhone-Preise, die es vielen Indern unmöglich machen, sich so ein Gerät zu kaufen.

Geht es nicht anders, Apple?

Face ID habe die Art und Weise verändert (neu erfunden), wie wir unser iPhone entsperren oder mit dem Apple-Smartphone bezahlen, schreibt Rajan. Die True Depth Kamera, die Secure Enklave und die Neural Engine auf dem Co-Prozessor moderner iPhones machten Face ID zu dem „sichersten Authentifizierungssystem, das es jemals in einem Smartphone gab“. Wow. So viel Lob stinkt! Es mag sogar zustimmen, aber versteckt in einer Nachricht wirkt das eher wie subtile Werbung und nicht wie Information.

„Wir“ und Ihr vielleicht auch wussten bereits, dass Apple kaum Daten auf dem Gerät speichert, aber ebenso wenig Daten in der Cloud lagert. Lediglich die „mathematische Repräsentation“ des Gesichts des iPhone-Nutzers findet sich auf dem Gerät verschlüsselt in dem Zusatzchip, der Secure Enklave. Das war schon bei Touch ID so mit dem Fingerabdruck. Selbst wenn also Fremde das Gerät entwenden, können sie damit eigentlich nichts anfangen. Eigentlich deshalb, weil sie vermutlich einen Supercomputer bräuchten, um die „mathematische Repräsentation“ des Gesichts des Nutzers in absehbarer Zeit zu erlangen.

Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 27. November 2019
  • Zuletzt aktualisiert am: 19. März 2021
  • Wörter: 352
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  • Lesezeit: 1 Minuten 31 Sekunden