Verlage fühlen sich von Apple „betrogen“, Strategietreffen geplant

iPadZahlreiche europäische Verlagshäuser planen derzeit ein Treffen in London, um gemeinsam über Apples In-App-Kauf-Verpflichtung zu diskutieren. Man fühle sich „betrogen“ und wolle sich mit der European Online Publishers Association treffen, um die jeweiligen Standpunkte miteinander auszutauschen.

Der Roundtable der zum Thema Tablet Subscriptions wurde von der International Newsmedia Marketing Association (einer Dachvereinigung von insgesamt 5000 Mitgliedern in 50 Ländern der Welt) für den 17. Februar angekündigt. „Manche sagen, dass sie sich betrogen fühlen„, so Grzegorz Piechota von der INMA gegenüber Moconews. „Sie glaubten daran, dass es [das iPad, Anm.d.Red] ein guter Weg sei, auf Inhalte von Tageszeitungen und Magazinen zugreifen zu können. Also haben viele das iPad hochgelobt, viele haben sogar in die Entwicklung von Apps investiert. Indem sie diese beworben haben, haben sie auch das Gerät beworben. Verlagshäuser haben genau genommen dazu beigetragen, dass das iPad sich auf dem Markt so gut behaupten kann.

Was viele Verlage allerdings stört ist die Art und Weise, wie Apple mit ihnen umgegangen ist. So wurden zwischenzeitlich immer wieder die „Spielregeln“ angepasst, im aktuellsten Fall geht es unter anderem darum, dass Verlage, die innerhalb der App ein eigenes Store-System anbieten, ebenfalls auch den Apple-eigenen In-App-Kauf anbieten müssen. Laut Piechota scheiterte es seitens Apple vor allem an der Kommunikation der neuen Regeln. „Apple hat manche Verlage kontaktiert, manche aber nicht. Manche bekommen E-Mails, manche bekommen informelle Anrufe. Der gesamte Prozess der Zulassung bzw Ablehnung von Apps ist nicht transparent. […] Manche Apps erlauben es, Inhalte zu lesen, die anderswo gekauft wurden, manche erlauben es aber nicht.“ Tatsächlich besteht die Verpflichtung bereits seit Einführung der In-App-Kaufoption, nur wussten viele Verlage offenbar nichts davon.

Das Problem liegt für Piechota unter anderem in der Frage der Preisgestaltung. „Weil Apple 30 Prozent der Einnahmen verlangt, wird es für die Leser schwerer und sclechter, weil man jeweiles mehr für die iPad-App verlangen muss, um die gewünschten Umsätze zu erreichen.

Ein weiteres Problem liegt in einem Bereich, der gerade für den Verkauf von Werbeplätzen von großer Bedeutung ist: Die Weitergabe der Nutzerdaten. Über den regulären In-App-Verkauf erfährt der Verlag nichts über den Kunden, im kommenden In-App-Abonnement soll dies wohlgemerkt möglich sein, darauf weist bereits die Änderungen der iTunes Store-Nutzungsbedingungen hin.

Der Standpunkt der Verlagshäuser ist durchaus nachzuvollziehen: Erst weigert sich Apple, ein taugliches Abomodell auf die Beine zu stellen, das die Verlage dazu zwingt, andere Infrastrukturen sowie dazugehörige Webumgebungen zu entwickeln, und nun, wo das neue In-App-Abo-Modell offiziell ist, lehnen sie kategorische alles ab, was sich nicht den Regeln beugt. Genau darüber soll diskutiert werden, sowie über die Frage, wie die Zukunft der europäischen Verlage auf dem iPad aussehen könnte.

Aktuell läuft Apples Frist für die Anpassung bereits vorhandener Apps bis 30. Juni 2011, teilweise wurde Entwicklern auch der 31. März als Fristende genannt. Verlage, die bis dahin ihre Apps nicht auf den In-App-Kauf angepasst haben, werden damit rechnen müssen, dass sie aus dem System verschwinden.

Mehr über kg:

Erst Atari-Besitzer, dann ab Mitte der Neunziger Apple-User, angefangen mit einem Performa 5200, jetzt MacBook-Nutzerin.

Metadaten
  • Geschrieben am: 3. Februar 2011
  • Zuletzt aktualisiert am: 3. Februar 2011
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