iPad: Zwei Fronten bei der New York Times, verhaltene Stimmung deutscher Verleger

Die Fronten bei der New York Times verhärten sich: Innerhalb des Verlages wird derzeit ausgelotet, ob die Print- oder doch die Onlinesparte sich um den Vertrieb der zukünftigen iPad-App kümmern soll. Die Verlage in Deutschland währenddessen lassen es ruhig angehen: Springer plant eine iPad-Version, andere äußern sich noch gar nicht zu Tablet-Inhalten.

iPad

In Deutschland halten sich die Verlagshäuser noch zurück mit Ankündigungen für das iPad – nur seitens des Springer-Verlages konnte Macnotes bereits ein Grundinteresse vernehmen, was hinsichtlich der erfolgreichen Bild-App nicht verwundert. Ansonsten bleibt es aber still um die Tablet-fähigen Inhalte: Auf die gezielte Anfrage hat keiner der Verlage reagiert. Währenddessen sind die Diskussionen in den USA bereits in vollem Gange. Bei der New York Times zum Beispiel wird derzeit ein erbitterter Kampf der Abteilungen geführt: Sowohl die Print- als auch die Onlineredaktion halten sich für verantwortlich für den Vertrieb der Tablet-Anwendung. Argumentativ haben beide gute Gründe für die Ansprüche.

Die Printabteilung der NYT beruft sich darauf, dass der iPad-Vertrieb nur eine weitere Form des Papiervertriebs darstellt und demnach in ihren Aufgabenbereich fällt. Wie man es vom Print erwarten konnte fallen aber die Forderungen etwas happig aus: 20 bis 30 Dollar möchte man gerüchteweise für das E-Abo haben. Man hat ganz klar Angst um die eigene Existenz – wer das elektronische Abo für einen geringeren Preis erhalten kann, der kündigt sein Print-Abo. Was der Print offenbar nicht im Hinterkopf behält, sind die Einsparungen bei Druck und Vertrieb, die bei einer Onlineverbreitung möglich sind.

Auf der Gegenseite steht die Digitalabteilung der Times, die das Vertriebsrecht bei sich sieht, da der Content nur online verfügbar gemacht wird. Dort sieht man einen monatlichen Preis von $10 für die iPad-Version der Times als realistisch an. Wichtig ist dieser Abteilung vor allem, dass man auch interaktive Inhalte bereitstellen möchte, die Printler aber keinen Einfluss auf Preis, Marketing und verschiedene andere Aspekte der iPad-Version haben sollen. Das Hauptproblem der New York Times liegt unter anderem darin, dass die Kindle-Version der New York Times von der Printredaktion verwaltet wird, und diese in den Augen des Onlineressorts als zu teuer angesehen wird.

Ein guter Grund für einen niedrigen Preis der iPad-App liegt in den aktuellen Verfügbarkeiten der New York Times: Die reguläre Web-Variante wird weiterhin kostenlos verfügbar bleiben, voraussichtlich bis Ende 2011. Selbst bei einem Betrag von 10 Dollar für ein Monatsabo dürften sich viele Nutzer zweimal überlegen, ob sie sich die iPad-Variante leisten oder sich die Inhalte doch lieber im iPad-eigenen Safari anschauen möchten.

Und während man sich bei der NYT noch streitet, stellte Wired beim TED Talk seine Umsetzung einer Tablet-App vor. Jetzt wurde ein Film veröffentlicht, der im Wired-Beispiel zeigt, was ein Tablet bieten kann. Nicht nur für die Verlage, sondern auch für die Werber. Wireds Vision zeigt sich in Form einer Anwendung für Adobe AIR, könnte aber mit Mitteln der kommenden Adone Creative Suite auch für den App Store portiert werden – also auch für das iPad.

[via Businessinsider]

Update vom 29. Januar 2021: Im Artikel war ein Video enthalten, das aber nicht mehr verfügbar ist. Entsprechend haben wir es entfernt.