rj, den 16. Februar 2009

Apple vs. Jailbreaker: Reaktionen und Eskalationsmöglichkeiten

Ein SDK fürs iPhone
Ein SDK fürs iPhone, Bild: Apple

Mehr Streit geht immer: die ersten Reaktionen auf Apples harten Kurs gegen Jailbreaker deuten auf Streit. Nachdem die EFF ihre Eingabe beim Copyright Office machte, nach der Jailbreaks mit einer DMCA-Ausnahmeregelung legalisiert werden sollen, zeigt sich Apple unnachgiebig: Jailbreaks sind illegal. An anderer Stelle wird ergänzt: und strafbar mit bis zu fünf Jahren Haft. Und an dritter Stelle: Will Apple wirklich Millionen User kriminalisieren? Exemplarisch werden dann zur Illustration auch schon mal die jailbreakenden Promis aus dem Hut gezogen.

Letzte Woche erschien die Replik Apples auf das Begehren der EFF, das Freischalten von Smartphones für beliebige Software zu legalisieren. Standpunkt der EFF: Der Besitzer eines Gerätes solle mit selbigem anstellen dürfen, was er will, Beschränkungen seien zum einen unzulässig und zum anderen kein Urheberrechtsverstoß, der DMCA werde in diesem Kontext missbraucht. Apple hingegen: mit der Plattform aus Apple-Hardware und von Apple genehmigter Software wird die „Chain of Trust“ geschmiedet, mit der das reibungslose Funktionieren des iPhone sichergestellt wird, und die mit dem Jailbreak eben zerstört wird.

In der New York Times wurde kommentiert, dass es nicht Sache Apples sei, Leute daran zu hindern, verbuggte Software auf ihren Geräten einzusetzen, wenn sie das denn wollen. So weit, so zutreffend – wobei man durchaus ein wenig Verständnis für Apples restriktiven Standpunkt bekommen kann, wenn man hört, dass sie regelmäßig Supportanfragen wegen Softwareabstürzen erhalten – in siebenstelliger Zahl werden Abstürze auf gejailbreakten iPhones gemeldet, wie Appleinsider weiß. Dabei seien „mehr als 1,6 Millionen Abstürze von Usern von 10.000 gejailbreakten iPhones“ gemeldet worden. Pro Handy demnach 160 Absturzmeldungen? Angesichts dessen, dass die Fehlermeldungen der iPhones „en bloc“ nach iTunes-Synchronisationen bei Apple auflaufen, sollte ein automatisiertes Handling und entsprechende Gewichtung der Jailbreak-Crashes möglich sein. Dafür gibt es Computer.

Apples Befürchtung: diese Zahlen werden noch weiter steigen und damit Apples Kosten erhöhen, wenn die EFF-Legalisierungsforderung für den Jailbreak durchgeht. Ein Grund, aber kein Hindernis – denn in der Tat sollten sich Jailbreaker damit zurückhalten, den Apple-Support für jailbreakbedingte Probleme anzugehen. Es sollte auch durchaus im Rahmen des technisch Möglichen liegen, Jailbreak-Crashmeldungen vom Support auszuschließen – dass nach der Freischaltung des iPhone für von Apple ungenehmigte Software kein Support mehr für dieselbe geleistet werden kann, sollte der Kundschaft mehr als leicht vermittelbar sein.

Das größere Problem im NYT-Kommentar ist indes die Frage nach der Durchsetzung der entsprechenden Sanktionen, behielte Apple den Standpunkt bei, dass Jailbreaken illegal wäre. Über das (US-)Vertragsrecht stehe es Apple durchaus frei, bestimmte Nutzungsformen seiner Produkte zu untersagen. Bei Zuwiderhandlungen sei Apple nur auch gezwungen, gegen die Verstoßenden rechtlich vorzugehen und entstehende Schädigungen nachzuweisen. Eine spannende These, die leider nicht weiter ausgeführt wurde, denn an dieser Stelle beginnt es, interessant zu werden – droht Apple, dass Vertragsbestimmungen möglicherweise nicht mehr als bindend gelten, wenn sie vorgeschrieben, aber bei Zuwiderhandlung niemals rechtlich durchgesetzt werden?

Denn bei der Durchsetzung hört die akademische Debatte über das Pro und Contra Jailbreaking auf und stellt sich die Frage, was konkret an Sanktionsmitteln zur Verfügung steht. 2.500 Dollar Vertragsstrafe fürs Jailbreaken stünden im Raum, beim Handeln mit Gewinnerzielungsabsicht sind im DMCA-Rahmen gar Haftstrafen von bis zu 5 Jahren vorgesehen. Gewinninteresse könnte bei Händlern attestiert werden, die Jailbreaks anbieten, interessant wäre natürlich auch die Frage, welche Rolle Anbieter der Jailbreak-Tools, der Cydia-Repositories oder kommerzieller Cydia-Programme spielen.

Passend zur Kriminalisierungsdebatte stellt 9to5mac die Promifrage: was ist denn mit den bekennenden, bekannteren Jailbreakern? Angeführt wird Ashton Kutcher, der offenbar begeisterter CyCorder-Nutzer ist, wie zahlreiche Videos bei qik zeigen.

Wem Kutcher zu b-prominent ist, sei an Steve Wozniak erinnert, der mit Kutcher das Faible für Cycorder teilt und ebenfalls bekennender Jailbreaker ist. Spätestens bei der Vorstellung, Apple würde Steve Wozniak wegen der Verwendung von iPhone-Software ohne Apple-Zulassung rechtlich belangen, stellt sich ein Gefühl wie beim Dividieren durch Null ein: es funktioniert irgendwie nicht. Insofern fällt es schwer sich vorzustellen, dass Apple tatsächlich rechtliche Schritte gegen US-Jailbreaker ergreift. Wie sich das „Verbot“ so wie von Apple betrachtet unter diesen Umständen erhalten lässt, wird sich zeigen.


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