Jauch doch nicht zur ARD. Kommt jetzt Plasberg?

Alexander Trust, den 12. Januar 2007
Günther Jauch
Günther Jauch, Foto: Bastih01 via Wikimedia (CC BY-SA 3.0).

Eine kleine Sensation im Transfergerangel für den Posten der Nr. 10 im Team der ARD ist gestern amtlich geworden. Günther Jauch wird nicht die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten.

Nachdem die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt bereits vor zwei Jahren einen attraktiven Transfer tätigte, und Harald Schmidt als Libero in sein Lager lockte, sah es für die Prima des öffentlich-rechtlichen TV-Betriebs lange Zeit sehr gut aus im Tauziehen um Starmoderator und Showmaster Günter Jauch. Doch jetzt kommt alles anders.

NDR-Intendant Jobst Plog charakterisierte das Vorgehen im Falle Jauch als dilettantisch:

„Den Entschluss von Günther Jauch bedaure ich außerordentlich. Wir haben uns in den Vertragsverhandlungen mit ihm auf ein Ergebnis verständigt, dass den ursprünglichen Forderungen der ARD entsprach. Die Intendanten der ARD haben dieses Ergebnis einmütig akzeptiert. Der Vertragsschluss wurde durch eine Reihe von Indiskretionen und Nachforderungen aus einigen Landesrundfunkanstalten und deren Gremien gefährdet. Vor diesem Hintergrund habe ich Verständnis für den Entschluss von Günther Jauch. Ich bin zugleich in Sorge, ob es der ARD in Zukunft noch gelingen wird, einen Fernsehstar ähnlichen Formats für sich zu gewinnen.“
Jobst Plog

Mehr Verantwortung

Entgegen mancher medialen Berichterstattung bin ich nicht der Meinung, dass Jauch bei der ARD nicht glücklich geworden wäre. Denn: Bei der ARD hätte Jauch auf jeden Fall mehr Wirkungsradius gehabt. Seine Quiz-Sendungen in allen Ehren und das boulevardeske Stern TV ebenso. Im Ersten hätte Günther Jauch meiner Meinung nach weitaus politischere Formate initiieren können. Er „hätte“ auf diese Weise eine neue Form von Verantwortung übernehmen können, die sich fernab von SKL-Werbespots mit Palmen abspielt. Es ist mehr als schade, dass die ARD es „vergeigt hat“, das Charisma an Land zu ziehen, das politische Inhalte im Ersten wunderbar ans Volk gebracht hätte. Das Land hat nicht viele Ikonen wie Günther Jauch, und manche trauen sich auch einfach nichts zu.

Die Konkurrenz aus Köln (RTL) hingegen freut sich. Wie zu erfahren war, hat der Kölner Privatsender in vielen seiner Nachrichtenformate vom Verbleib der Ikone im eigenen Team berichtet. Mit Sicherheit ist das auch PR in eigener Sache.

In der Folge tritt sofort Frank Plasberg mit seinem Format Hart aber fair wieder als Alternative aus dem Überschatten Jauchs heraus. SWR-Geschäftsführer Peter Voß äußerte sich bereits optimistisch. Plasberg selbst würde sich ebenfalls über ein Engagement freuen, dementierte allerdings, dass bereits jemand an ihn herangetreten sei.


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