Sajonaras 7 Minuten #41: Spotify hat 158 Millionen Abonnenten, na und?

Spotify hat im Rahmen der Bekanntgabe seiner Quartalszahlen auch bekannt gegeben, dass es über 158 Millionen Abonnenten verfügt. Während die Zahl selbst auf den ersten Blick beeindruckend wirkt, macht es bei genauerem Hinsehen jedoch eher Sorgen. Und genau darüber möchte ich in dieser Ausgabe des Podcasts sprechen.

Sajonaras 7 Minuten, Bild: Alexander Trust

Viele Abonnenten, wenig Ertrag

Spotify hat in seinem Quartalsbericht auch informiert, dass der Preis pro Nutzer derzeit bei rund 4,12 Euro liegt. Weniger als noch vor einem Jahr. Diese Entwicklung zeigt, dass das Unternehmen Wachstum vor allem in „Billigmärkten“ erzielt. Es sei jedem Menschen gegönnt. Trotzdem sehe ich ein Problem darin. Denn am Ende des Tages muss man auch Künstlerinnen und Künstler bezahlen. Die klagen sowieso schon darüber, dass Streaming zu wenig Geld abwirft. Ich denke allerdings nicht, dass man dieses Rad wieder zurückdrehen kann.

Milchmädchenrechnung am Beispiel YouTube

Überlegt Euch einfach mal, dass Ihr auf YouTube oder Twitch 4,12 Euro zur Verfügung habt, um sie denjenigen Künstlern zu geben, deren Videos Ihr schaut. Wenn Ihr zwischen 25 und 30 Kanäle abonniert habt, würdet Ihr unterm Strich jedem circa 13,7 Cent zahlen können, und zwar einmal im Monat. Dazu kommt, dass YouTube beispielsweise 30 Prozent einbehält. Es blieben also rund 10,5 Cent über. Eventuell kommen noch Kosten für das Livestreaming hinzu, die Ihr abziehen müsstet.

Das „Durchschnittseinkommen“ in Deutschland lag 2020 bei 3.975 Euro brutto (vgl. Statista). Wollte ein YouTuber also auf so einen Lohn kommen, müssten circa 37.850 Personen ihm einmal im Monat 10,5 Cent zustecken.

Bei meinem Beispiel vergleiche ich natürlich Äpfel mit Birnen. Nur die Situation für Musiker ist noch deutlich miserabler. Denn Spotify zahlt lediglich 0,0044 US-Cent pro Stream, für den Fall, dass man einen Plattenvertrag hat. Unabhängige Künstler erhalten lediglich 0,0031 US-Cent pro Stream. Bei großen Musikverlagen kommt jedoch nur ein Bruchteil davon auch bei den Musikern an. Übrigens wurde im April bekannt, dass Apple mittlerweile rund 1 US-Cent pro Stream an die Künstler zahlt, also gut doppelt so viel wie Spotify.

Deezer, Google Play Music, Apple Music – alle Zahlen besser als Spotify. Dessen Gründer beklagte sich zudem im Jahr 2020 darüber, dass Künstler nur zu faul seien, und einfach mehr neue Alben produzieren müssten, um mehr Geld zu bekommen. Als selbstständiger Künstler müsste man dann 4.807,69 US-Dollar erzielen (den Durchschnittslohn in US-Dollar umgerechnet). Mit der Vergütung pro Stream würde man entsprechend über 1,55 Millionen Wiedergaben benötigen, um auf diese Zahl zu kommen.

Es wird aber noch komplexer, da man die Musik gar nicht direkt bei Spotify hochladen kann, und also immer jemand mitverdient. Auch deshalb fragte zum Beispiel das Branchenmagazin Rolling Stone, „wie“ denn mehr Geld bezahlt werden soll.

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Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 16. Mai 2021
  • Zuletzt aktualisiert am: 26. Mai 2021
  • Wörter: 529
  • Zeichen: 4026
  • Lesezeit: 2 Minuten 18 Sekunden