iCloud-Backups wegen FBI nicht verschlüsselt?

Apple gibt Daten an FBI weiter, Bild: CC0

Wie ehrlich ist Apple mit seinen Nutzern? Selbst wenn das Unternehmen für ein Saubermann-Image wirbt, gibt es genügend „Kräfte“, die versuchen dasselbe zu beschmutzen.

Weswegen verschlüsselt Apple iCloud-Backups nicht?

Vor zwei Jahren dachte Apple daran, iCloud-Backups Ende-zu-Ende zu verschlüsseln. Doch das Unternehmen rückte von dem Plan ab. Weil es Widerstände beim FBI gab?

Das jedenfalls behauptet nun die Agentur Reuters. In einem Bericht beruft sie sich auf gleich sechs Quellen. Es handele sich dabei um einen aktuellen und drei ehemalige FBI-Mitarbeiter, und einen aktuellen und einen ehemaligen Apple-Mitarbeiter.

Apple ist leider nicht fein raus

Mit der Einführung von Ende-zu-Ende-verschlüsselten iCloud-Backups wäre Apple „fein raus“ gewesen. Denn dann würden die Backups auf den Geräten der Nutzer verschlüsselt. Die Dateien würden über eine sichere Verbindung auf die Server geladen. Und Apple hätte keine Möglichkeit, Strafverfolgungsbehörden zu helfen.

„So richtig“ tut Apple das heute auch nicht. Allerdings kommt es manchmal den gesetzlichen Pflichten nach. Zuletzt händigte Apple nämlich iCloud-Backupdateien von einem Amokläufer an Strafverfolgungsbehörden aus. Dieser tötete im Dezember drei Amerikaner auf einer Marinebasis in Pensacola, Florida. Apple geriet daraufhin unter Druck.

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FBI-Logo

Warum führt Apple die Verschlüsselung nicht ein?

Diese Frage muss sich das Unternehmen gefallen lassen. Ganz klar. Doch der Bericht von Reuters konstruiert einen Zusammenhang auf Basis von Hörensagen. Liest man den Beitrag könnte man annehmen, dass Apple dem FBI zuliebe keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für iCloud-Backups eingeführt hat. Gerade die Überschrift und ein Großteil des Texts suggerieren dies.

„Exclusive: Apple dropped plan for encrypting backups after FBI complained – sources“ (Reuters)

Gerade die anonymen Quellen aus dem Lager des FBI sind es, die Öl ins Feuer gießen. Sie behaupten, es habe „private“ Gespräche zwischen dem FBI und Apple gegeben. Am Ende konnte man den iPhone-Hersteller „wohl“ überzeugen, dass es nicht helfen würde, den letzten Strohhalm von Strafverfolgungsbehörden zu entfernen.

Diese Behauptung stammt allerdings genau von zwei FBI-Mitarbeitern, die „nicht“ bei den Gesprächen zwischen der US-Bundespolizei und Apple dabei waren.

„Two of the former FBI officials, who were not present in talks with Apple, told Reuters it appeared that the FBI’s arguments that the backups provided vital evidence in thousands of cases had prevailed.“ (Reuters)

Ist es also Wunschdenken von ehemaligen FBI-Mitarbeitern, sie hätten ihre Agenda durchsetzen können?

Apple gibt Daten weiter

In den USA gibt es Gesetze, die Konzerne dazu verpflichten, publik zu machen, „welche“ Daten sie an Strafverfolgungsbehörden weitergaben. Natürlich enthalten diese öffentlich einsehbaren Berichte keine individuellen Daten, sondern nur Zahlenspielereien. Demnach reagierte Apple in der ersten Hälfte 2019 auf 90 Prozent der Anfragen von US-Nachrichtendiensten. Diese betrafen rund 18.000 Nutzer-Accounts.