E-Books auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks?

Als das iPad erschien, war insbesondere iBooks plus Store eines der appletypisch genial umgesetzten Features. Nur: Bücher gelten nach wie vor (zurecht) als haptisches Erlebnis. Ist angesichts der Buchpreispolitik in Deutschland die elektronische Alternative bereits eine? Auch auf dem iPad? Wenn nicht - wie könnte sie es werden? Einige subjektive Antworten, eine Frage an die Leserschaft und eine Konfrontation mit Sascha Lobo.

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In den „Ausreden fürs iPad-Kaufen“ liefen die „freien E-Books“ auf erster Stelle. Ein paar Monate später: genau die sind auch mein „zeitintensivster“ iPad-Nutzungsgrund. Die Betonung liegt dabei auf „freien“ – ich muss gestehen, auf dem iPad noch kein einziges Buch gekauft zu haben. Dafür gab es zu viel ungelesene Klassiker im iBooks-Store (im Moment: Bram Stoker, Dracula. Nicht schlecht, aber ich hatte es mir spannender vorgestellt). Aber vor allem sind die aktuellen deutschen Bezahltitel meiner Ansicht nach unverschämt teuer.

Die Gründe sind bekannt – Buchpreisbindung und Verlage, die keine elektronischen „Billigformate“ neben den gedruckten Titeln etablieren wollen. Was jetzt Autoren (und potentielle Käufer) ins Grübeln bringt, wie beim elektronischen Format der gefühlt höhere Preis angesichts wegfallender Druck- und Distributionskosten gerechtfertigt werden soll. Ich mag inzwischen die Portabilität – es ist großartig, immer den Lesestoff in der Tasche zu haben. Außerdem weiß ich den Lesezeichensync via iTunes sehr zu schätzen, seitdem ich bei einem unerwarteten Zwischenstopp in einem Wartezimmer auf dem iPhone die vorabendliche iPad-Lektüre fortsetzen wollte.

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Rechtfertigen diese kleinen Bequemlichkeiten Preise auf Hardcoverniveau? Meiner bescheidenen Ansicht nach nein, entsprechend bleibt meine Kaufquote im iBook-Store aktuell auf Null stehen.

Auf die Frage, wie ich am iPad Bücher lese (und vielleicht in Zukunft Bücher lesen will), brachte mich gestern Sascha Lobo. Angesichts der auch ihn schmerzenden 18,99 für die App-Version seines Titels „Strohfeuer“ sonderte er einige Gedanken zum Thema ab, in denen auch die Frage nach der Zukunft des „Formats Buch“ aufgeworfen wird.

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Lobo probiert eine „Feedback“-Variante in Sachen Mehrwert aus. Die Idee: er kommuniziert als Autor zeitnah mit seinen Lesern, falls diese zu Passagen seines Buchs Fragen stellen. Wer die Online-App kauft, kauft quasi den direkten Draht zum Autor mit, so Lobos Grundgedanke. Wohin das führt und ob so die Zukunft des E-Books aussieht, lässt Lobo offen. Vermutlich zutreffend konstatiert er, dass im Augenblick kein Mensch begründbar voraussehen könne, wie die technische Entwicklung und die damit einhergehenden Möglichkeiten das Buch als Medium und Format verändern werden.

Einen anderen Weg beschreitet momentan Neal Stephenson mit „The Mongoliad“. Sein kommender neuer Buchtitel scheint eine Art abonnierbares, kollaboratives Online-Abenteuer zu werden. Wer „Quicksilver“ oder „Crypronomicon“ gelesen hat, wird wissen, dass sich Stephenson selten mit einer Nummer kleiner zufriedengibt, egal, worum es geht. Eine gewisse Gigantomanie scheint auch dem Mongoliad-Projekt nicht absprechbar zu sein, ob es der Lesbarkeit bekommt, wird sich nächstes Jahr weisen. Dann soll zumindest eine vorläufige „Final“ dessen erscheinen, was aktuell nach einer Mischung aus Serie, Adventure und virtueller Weltschöpfung aussieht.

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So gern ich mich als dem technischen und medialen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen gebe, in Sachen Buch muss ich eine gewisse Konventionalität eingestehen. Nach wie vor bin ich mit simplen Buchstaben in linearer Abfolge vollkommen zufriedenzustellen. Ob diese totholz- oder LCD-basiert daherkommen, ist mir beim Lesen ehrlich gesagt egal, in Sachen Wohnatmosphäre werde ich ein Bücherregal aber eher vermissen als den CD-Ballast, der vor kurzem definitiv das letzte Mal mit mir umziehen durfte.

Was mich zum Schluss bringt: Ich wünsche mir fürs iPad eigentlich weder fragenbeantwortende Autoren noch aufs detaillierteste ausgearbeitete Online-Welten zum Buch. Auch die „enhanced E-Books“ scheinen mir mit Features punkten zu wollen, die ein wenig an Hannover erinnern: Stört niemand, aber würde auch nicht weiter auffallen, wenn es fehlt. Bei Büchern reicht mir simpler Text vollkommen. Umblätterporno a la iPad mag ich gerne mitnehmen, ein offenes und portables Format sollte das File haben und ansonsten eben einen Kaufpreis, bei dem ich mich beim Bezahlen nicht schlecht fühle. Eine Steilvorlage, zu der Tucholsky zitiert werden muss: „Macht unsere Bücher billiger!“

Aber wie gesagt: mehr fehlt mir auf dem iPad eigentlich nicht. Geht es anderen anders?