Test: iPod nano 6G

Keines der vor zwei Wochen auf dem Apple Music Event vorgestellten neuen Geräte polarisiert so wie der neue iPod nano. Den einen ist er zu klein, die anderen lieben das neue Multi-Touch Display. "Quadratisch, praktisch, gut" oder zu viel des Minimalismus? Unser Test klärt auf.

Die Antwort auf die Frage, die sich bereits vor dem Auspacken des neuen iPod nano stellt, wirkt sich weniger auf das letztendliche Testurteil als auf die Farbtoleranz der Testperson aus: Warum ist unser Testmodell pink? Schnell zeigt sich, wer in der Redaktion bei der vorherigen Aufteilung der Versuchsgeräte zwischen Männlein und Weiblein unwissend über diese Problematik den kürzeren gezogen hat. Aber wer will sich beschweren? Schließlich gibt es einen hippen Neuzugang in Apples Musikplayer-Riege auszuprobieren, also packen wir’s an.

Design

Am Design hat sich beim neuesten Sproß der erfolgreichen nano-Reihe am meisten verändert: Statt der länglichen Form mit Breitbild-Display und dem darunterliegenden Scrollwheel haben wir es neuerdings mit einem kleinen, quadratischen Display zu tun, das die gesamte Gehäusevorderseite für sich einnimmt. Mit dieser Neuerung macht der kleine Bruder des iPod touch schon vor dem Einschalten eines klar: Fotos und Videos scheinen für die sechste Generation des iPod nano nicht mehr allzu wichtig zu sein. Stattdessen unterstützt das neue Display Multi-Touch und bietet auf gerade einmal 240×240 Pixeln und einer Diagonale von 3,91 cm Platz für 4 entsprechend angeordnete „App“-Icons, wie wir sie bereits von iPhone und iPod touch kennen. Da das schwarz umrandete Display etwa einen Millimeter vorsteht, setzt sich leider leicht Schmutz in der so entstandenen Kante ab.

Die übrigen Details erinnern ebenfalls ein wenig an die vierte (und die ältere zweite) Generation des iPod shuffle. Auf der Oberseite befinden sich links zwei Lautstärketasten und rechts der Standby-Button. Unten ist der traditionelle Dock-Anschluss nebst dem ebenso obligatorischen Kopfhöreranschluss zu finden. Diese finden im übrigen in der Standard-Version ohne Fernbedienung in der außerordentlich kleinen Verpackung ebenso Platz wie das USB-Verbindungskabel, über das sich das Gerät laden und mit Daten befüllen lässt. Auf der Rückseite wird der quadratische iPod neuerdings von einem Clip unterstützt, der es einfach macht, ihn überall zu befestigen – ebenfalls erschreckend ähnlich dem iPod shuffle. Eine Kamera suchen wir an unserem pinken Gehäuse vergeblich.

Handhabung und Ausstattung

Einige Punkte des vorigen Abschnitts bedürfen hier einer Erklärung: Erstens liegt es neuerdings in der Hand des Nutzers, wo beim iPod nano überhaupt oben und unten ist. Ist das Display eingeschaltet, kann man die Orientierung einfach mit zwei Fingern jeweils um 90° drehen – so lange, bis dort oben und da unten ist, wo es der aktuelle Befestigungsort erfordert. Mehr als zwei Finger bekommt man auf dem Mini-Display allerdings auch nicht unter, bei großen Händen dürfte selbst das schwierig werden.

Zweites Stichwort „Befüllen mit Daten“: Nicht nur Musik findet in dem wahlweise 8 oder 16GB fassenden nano Platz. Auch Fotos lassen sich über iTunes auf den internen Speicher synchronisieren. Auf dem extrem kleinen und zudem quadratischen Bildschirm ist das aber allenfalls eine witzige Spielerei, denn wirklich viel erkennen kann man auch unter Benutzung des Zooms auf den Fotos nichts. Dafür kann auch die „Verwendung als Volume“ aktiviert werden und er somit als mobiler Speicher für alle möglichen Daten den USB-Stick ersetzen. Synchronisation und Transferraten sind dabei recht schnell (5MB in unter einer Sekunde).

Videos können darüber hinaus im iPod nano der sechsten Generation weder aufgenommen, noch angeschaut werden. Diese Funktion wurde gnadenlos wegrationalisiert. Vermutlich sollen Videofans jetzt eine Stufe nach oben klettern und sich gleich einen iPod touch gönnen, denn der kann seit kurzem nicht nur Videos und Fotos anzeigen, sondern beides auch aufnehmen.

Wie auf dem iPhone bzw. iPod touch können per Tippen-und-Halten-Geste die Icons auf dem Display in Bewegung versetzt und dann verschoben werden. Mangels der Möglichkeit, irgendeine Art von Apps hinzuzufügen, macht es nur insofern Sinn, als dass man eine selbstoptimierte Anordnung erstellen kann. Dass diese Funktion irgendwann nachgeliefert wird, ist unwahrscheinlich, zumal der nano weder über einen großartig leistungsfähigen Prozessor noch über versteckte Hardware wie ein GPS-Modul verfügt.

Immerhin gibt es eigene Icons für Songlisten, Interpreten, Alben, Titel, Genius-Mixe, Podcasts, Genres und Komponisten. Dazu kommen angesprochene und altbekannte Zusatzfunktionen, wie etwa das integrierte FM-Radio, Fotos, Einstellungen, eine Uhr und eine „App“ namens „Fitness“, in der ein integrierter Schrittzähler den neuen nano seinem zugewiesenen Haupteinsatzfeld näherbringt: Dem Sport.

Auch ohne Nike+-Sportkit kann der kleine Begleiter nämlich nun auch Schritte zählen und zeigt dabei neben der Dauer des Trainings auch Start- und Endzeit, Tempo, gelaufene Strecke und verbrauchte Kalorien an. Die Nike+-Zusatzausrüstung wird allerdings selbstverständlich noch immer unterstützt und kann weiterhin verwendet werden, auch wenn in unserem kurzen Test um den Essener Baldeneysee der integrierte Schrittzähler eine höhere Genauigkeit hatte als Sender und Empfänger von Nike+.

Die Bedienung ist wie auf Apples Homepage beschrieben schnell erklärt: Auf dem Homescreen nach links oder rechts streichen, eine Funktion antippen, wieder nach rechts streichen, um eine Ebene zurückzuwechseln. Wenn man sich mal in einem tieferliegenden Menüpunkt verlaufen hat, tippt und hält man den Finger dann auf dem Display und man landet wieder auf dem Homescreen.

In den Einstellungen bieten sich nach Kategorien geordnet viele Anpassungsmöglichkeiten. So lässt sich ein voreingestellter Equalizer für den iPod auswählen, ein Displayhintergrund oder die Farbe des Zifferblatts der integrierten Uhr auswählen. Neben der Anzeigedauer für Dias und dem Übergangseffekt weist die Option „TV-Signal“ unter „Fotos“ darauf hin, dass der kleine Freund tatsächlich über Apples Komponentenkabel an ein Fernsehgerät angeschlossen werden kann, um die gespeicherten Fotos dort anzuschauen. Das ergibt dann schon etwas mehr Sinn.

Die integrierte Uhr im Analog-Design mit Datumsanzeige verfügt im übrigen nicht nur über ein schwarzes und ein weißes Ziffernblatt, sondern bietet auch einen Stoppuhr-Modus und einen Timer bis 23 Stunden und 59 Minuten. Als Signalton dafür lassen sich die vom iPhone bekannten Töne auswählen, über eine Alarmfunktion verfügt die Uhr jedoch nicht. Und wieder pocht die Frage von oben: Warum? Immerhin macht der nano in seinem neuen Design auch als Armbanduhr eine gute Figur.

Musik

Um die Musik geht es eigentlich und entsprechend umfangreich zeigen sich die Funktionen im iPod-Modus. Nicht nur kann die Musik über einen Großteil der Multitouch-Bedienelemente auf dem Homescreen geordnet nach allen erdenklichen Kategorien ausgewählt werden, auch in der Wiedergabe gibt der iPod nano ein solides Bild ab, wie man es von Apples gesamter Musikplayer-Reihe kennt.

Die Bedienung ist simpel wie eh und je: Im Hintergrund ist das Albumcover des aktuellen Songs zu sehen, vorne erlauben die eingeblendeten Buttons das Vor- und Zurückspulen, Springen zum nächsten oder vorherigen Song und das Pausieren des gerade laufenden Titels. Ein Fingerwisch nach links und die Zusatzoptionen zeigen sich: Hier können dann die Shuffle- und die Wiederholfunktion aktiviert und über einen Fingertipp mit dem Genius-Symbol ähnliche Songs im Speicher gesucht werden, die automatisch der aktuellen Wiedergabeliste hinzugefügt werden.

Klanglich enttäuscht der nano einmal mehr: Nicht nur aufgrund der zwar benutzbaren, aber bekanntlich an Bass und Ausgewogenheit mangelnden Apple-Kopfhörer verliert der kleine Musikplayer Punkte. Auch mit deutlich hochwertigeren Stöpseln von Sennheiser klingt die Ausgabe zumal im Vergleich zum iPhone 4 etwas blechern und dumpf. Die Lautstärke ist – vermutlich der bautechnisch bedingt kleinen Batterie geschuldet – gar deutlich geringer und wird wohl von einigen Benutzern auf Maximum eingestellt werden. Das Headset vom iPhone oder iPod shuffle 3G mit den Steuerungstasten für Lautstärke und Titel Play/Pause ist übrigens voll kompatibel mit dem neuen nano.

Akkulaufzeit

Wie der Vorgänger soll auch der neue nano laut Apple bis zu 24 Stunden durchhalten, wenn er voll aufgeladen ist. Spielt man nicht allzu viel mit dem Display herum und übertreibt es mit der Lautstärke nicht, ist diese Laufzeit auch drin. Als Vorteil erweist sich hier die fehlende Kamera: Wer nichts aufnehmen kann, hat auch länger etwas von einer Batterieladung. Ob das über den Wegfall der Videofunktion hinwegtröstet, ist Geschmacksache.

Fazit

Der iPod nano der sechsten Generation wurde von Steve Jobs mit dem Kommentar vorgestellt, dass viele User sich Multitouch gewünscht hatten und dass Apple diesem Wunsch nun nachgekommen ist. In der Macnotes-Redaktion konnte man sich zum größten Teil daran nicht erinnern und entsprechend fallen nun die Erfahrungen nach einer Woche Benutzung aus. Das sehr kleine Multitouch-Display legt ein weiteres Mal die Frage nah: „Warum?“

Die Bedienung ist nicht schneller oder übersichtlicher geworden. Der Miniaturwahn findet im neuen iPod nano seine Vollendung, während ihm Funktionen gekürzt werden, die im vergangenen Jahr – übrigens auch auf Wunsch der Benutzer – dem iPod nano 5G erst hinzugefügt worden waren: ein vergrößertes Breitbild-Display und die Möglichkeit, Videos aufzunehmen.

Preislich hat sich auch etwas getan: War der iPod nano 5G noch ab 139€ zu haben, kostet der Nachfolger nun bei gleicher Speicherkapazität mindestens 159€. Das Modell mit 16GB schlägt gar mit 189€ zu Buche. Ob man die für einen Musikplayer ausgeben möchte, der mittlerweile dem iPod Shuffle näher ist als dem iPod classic (und außer mehr Speicher und einem Display nicht viel mehr zu bieten hat), muss jeder für sich entscheiden. Sportler bzw. Fans der Nike+-Funktionalität werden sich auch überlegen, ob diese wenigen Vorteile einen Preisunterschied von satten 110€ rechtfertigen.

So bleibt nicht mehr als ein sehr kleiner iPod, der ganz hip aussieht und den man überall befestigen kann. Das Multitouch-Display macht hier wenig Sinn, zumal sich – und wir kommen wieder zum Sport – mangels physischer Knöpfe nicht mal eben schnell ein Song weiterschalten lässt. Auch die Tatsache, dass der Endkunde nicht wie wir auf die Gehäusefarbe Pink beschränkt ist, sondern außerdem die Wahl hat zwischen silber, anthrazit, blau, gelb, grün und einer Product:Red-Edition, kann die Enttäuschung und die anderthalb Macs, die wir hier anstandsweise vergeben, nicht verhindern.

Aber hey: Mit dem iPod nano 6G kann man sich erstmals den lang gehegten Traum der „iWatch“ erfüllen.

Wertung

3/10