Facetime-Phonesex: Erste Angebote stehen, Apple putzt woanders

Keine Woche vergeht, ohne dass Apples strikte Haltung an der XXX-Front nicht wieder eine neue Widersprüchlichkeit produziert. Ein US-Vermarkter hat nun recht konkrete Startkonditionen für einen Facetime-Videochat genannt. Währenddessen geraten Apples Versuche, das Image der "sauberen" Plattform zu bewahren, zunehmend albern.

Es wäre ungefähr so, als ob die Post oder die Telekom plötzlich versuchen würde, mit einer No Porn-Kampagne Sympathien zu wecken. Ebensowenig wie eine Telefonleitung mit dem Gespräch oder ein Briefumschlag mit dem Inhalt zu tun hat, liegt es in Apples Hand, iPhone-Nutzung zu steuern. Gegen den in „wenigen Wochen“ startenden Sexvideochat des US-Unternehmens CamWorld auf iPhone 4-Basis kann Apple entsprechend wenig unternehmen. Nach wie vor wird im Übrigen via Craigslist nach Darstellerinnen gesucht. Die Kunden sollten mit Minutenpreisen um die fünf bis sechs Dollar rechnen.

Die Pläne dürften Apple Bauchschmerzen machen. Denn die Versuche, das große Wort Steve Jobs‘ vom „Freedom from Porn“ in eine notdürftige Synchronisation mit der Realität zu bringen, muten immer kläglicher an. Letzter Höhepunkt der endlosen Geschichte: Letzte Woche verschwanden vier erotische Buchtitel auf einen Schlag aus der iBooks-Bestsellerliste, darunter Platz eins, ein Text mit dem vielsagenden Titel „Blonde and Wet, the Complete Story“.

Mehr Beweise, dass die Käufergruppe der „iDevices“ ebenso wie alle anderen in durchaus großer Zahl die einschlägigen Inhalte kauft und konsumiert, sind wohl nicht vonnöten. Die restriktive Linie kann Apple jedoch nur recht eingeschränkt fahren. Während die Facetime-Variante von ChatRoulette iChatr kurzerhand aus dem App Store flog, weil zu viele Nutzer die Genitalien in die Kamera hielten, wird dasselbe mit Facetime kaum möglich sein – schließlich wird das Feature von Apple selbst im iPhone 4 angeboten.

Zukünftige Probleme mit Facetime-Liveporn könnten somit insbesondere die Anbieter bzw. deren Kamerapersonal bekommen. Einerseits sei der anziehende Faktor an dem Sexchatservice die empfundene Nähe und Intimität, die durch das Gespräch direkt am eigenen Smartphone zustandekäme, andererseits stehen die Darsteller vor dem Problem, dass Ganzkörper-Aufnahmen während dem Facetime-Chatten auf biologische Grenzen stoßen: entweder hält man das Gesicht oder eben etwas anderes in die Kamera.

Mehr über rj:

Berufsbedingt auf iPhone und Macbook Pro gewechselt und pflegt seitdem ein stetig wachsendes Faible fürs iPhone wie auch eine gewisse Distanz zum Macbook. Nutzt ungeniert auch Linux und Windows, was ihn nicht davor schützt, gelegentlich Fanboy geschimpft zu werden.

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  • Zuletzt aktualisiert am: 27. März 2021
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