Foxconn mutiert zum Skandalhersteller: Kaum Besserung in der Berichterstattung

Eher von der BILD kennt man die Terminologie, die Spiegel Online in seiner letzten Meldung zum chinesischen Hersteller Foxconn verwendete. Die Zwangspraktika, die in der Provinz Henan für Schüler vorgesehen sind, müssen unter anderem beim "Skandalhersteller Foxconn" abgeleistet werden. Der eigentliche Skandal dürfte sein, dass nach wie vor nirgends die Selbstmordquote bei Foxconn in eine Relation gesetzt wird - denn sie liegt unter dem chinesischen Durchschnitt.

Stattdessen nimmt der Spiegel die Zwangspraktika, die in der chinesischen Provinz Henan von der dortigen Provinzregierung eingeführt wurden, zum Anlass, einmal mehr Foxconn als herausragendes Negativbeispiel chinesischer Produktionsbedingungen und expliziten Apple-Zulieferer hinzustellen. Das „für seine scharfe Disziplin“ bekannte Unternehmen stehe im „Mittelpunkt“ der Regierungsanordnung, billige Chinesen ermöglichen laut Spiegel günstige „T-Shirts, iPods oder Nintendo-Spiele“.

Auch anderswo sind die unter dem statistischen Mittel (nicht nur) Chinas liegenden Selbstmordquoten unter den Foxconn-Beschäftigten immer noch eine „Serie von Selbsttötungen“ bzw. „zahlreiche Suizide“ oder eine „Selbstmordserie„.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der linke „Freitag“ als Einziger Ansätze einer differenzierten und teilweise durchaus positiven Sichtweise auf die in der Tat unbestreitbar schlechten Produktionsbedingungen und der Vorgänge bei Foxconn und anderswo erkennen lässt. Nicht nur mit der nach wie vor seltenen Erwähnung der anderen Unternehmen, für die Foxconn produziert, fällt der Freitag auf. Dass unter anderem auch in Werken von „…Honda, Hyundai und Toyota“ für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt wird, ist an den restlichen Medien weitgehend vorbeigegangen.

Erstaunlich – wenn man bedenkt, dass das einzige nachvollziehbare Motiv für eine Skandalisierung der Foxconn-Verhältnisse darin liegt, anhand eines Musterbeispiels allgemeinen Mediendruck auf die „Fabrikhalle der Welt“, China, auszuüben. Dass es nicht um eine Verbesserung der chinesischen Arbeitsbedingungen geht, die eine aufmerksame Medienöffentlichkeit durchaus fördern kann, zeigen die jüngsten Publikationen erneut. Stattdessen scheint es nach wie vor eine auflagenstärkende Strategie zu sein, im Zusammenhang mit Apple von „Skandalherstellern“ zu reden und die Hintergrundinformationen wegzulassen. Die könnten die schöne Skandalstory ja verderben.