DoubleTwist: Mediaplayer soll Format-, Medien- und Netzwerkgrenzen überschreiten

Ein "Universal-Mediaplayer" soll DoubleTwist sein bzw. noch werden. Auf allen Rechnern, Gadgets, Netzen, Browsern soll der Alleskönner laufen und abspielen, was Ton und/oder Bild aufweist - egal, ob es nun auf dem eigenen Rechner, den Handy oder dem Fileserver des Buddies liegt, egal, ob MP3 oder alles andere. Ein "einfaches Interface, das sich zu jedem Gerät, Medium oder Netzwerk verbinden kann", so die Zielvorstellung der Macher. Unter denen findet sich ein alter Bekannter: Jon Lech Johansen war am Knacken des Kopierschutzes CSS für die erste DVD-Generation beteiligt. Ob DoubleTwist zumindest eine Beta der Versprechungen in der jetzt erschienenen Beta des Programms einlöst, zeigt unser Betatest.

DoubleTwist, Screenshot

Am Anfang steht ein knapp 10 MB großer Download der Mac-Version von Doubletwist. Die Installation verläuft problemlos, und anschließend sollte eine Software am Start sein, die nach einigen einfachen Grundsätzen gestaltet ist: die Nutzung verschiedenster Hardwareplattformen, Medienformate oder Rechnernetze sollte auf simple Weise offen und verfügbar sein. Ziel: Media-Dateien einfach abspielen, egal, ob diese nun auf eigenen Geräten oder denen guter Freunde liegen – denn gute Freundschaften sollten nicht an unterschiedlichen Plattformen scheitern, so die Macher der angehenden universalen Medienlösung. Klingt gut, denn außerhalb von iTunes hat man ja auch auf dem Mac gelegentlich Zahnschmerzen, was die Medienverwaltung oder den offenen Zugriff auf die entsprechenden Files angeht. Vom Format- und Device-Wirrwarr in der aktuellen Gadget-Landschaft ganz zu schweigen.

Nach Programmstart kommt das Interface in der Tat einfach daher, nur ist diese Einfachheit auch einer noch recht eingeschränkten Funktionalität geschuldet. Im iTunes-Look and Feel stehen nach Programmstart schnell die Inhalte der iTunes-Library und dem Musik-Ordner im Programm zur Verfügung und können mit dem integrierten Player abgespielt werden. Beim Klick auf die „Devices“ hingegen wird der Mac-Nutzer enttäuscht – eine Sammlung unterstützter Geräte wird angezeigt, iPhone und iPod sind dabei – nur werden sie bislang erst in der Windows-Variante von DoubleTwist unterstützt. Wer angesichts der gelegentlich umständlichen Synchronisierung der iPhone-Musikbibliothek auf mehreren Gastrechnern auf eine einfache Lösung gewartet hat, muss vorerst weiter warten. Immerhin, ein „Stay Tuned!“ ist diesem fehlenden Feature beigefügt. Nokia N und E-Serie, Blackberry, Sony PSP oder G1-Handys werden jedoch bereits unterstützt. Am Rande: die Entwickler selber besitzen zusammen über 200 Gadgets, für die DoubleTwist entwickelt und auf denen es getestet wird. Eine Vielfalt, die OS-technisch noch nicht durchgeschlagen hat: Neben Windows und Mac OS X wird angesichts der Ansprüche des Projekts natürlich Linux schmerzlich vermisst.

Einfach auf die Schnelle den Freunden etwas vorspielen ermöglicht DoubleTwist schon jetzt schnell und – mit Einschränkungen – problemlos. Angemeldet muss der Empfänger nicht sein. Medienfile markieren, auf den „Send“-Button klicken, und eine Mailadresse auswählen bzw. eingeben – und schon wird dem Empfänger ein Web-Vorschaulink per Mail zugeschickt. Die dauerhafte „Freundschaft“ kommt logischerweise, aber nicht unbedingt intuitiv über das gegenseitige Kontaktieren mit den jeweils zur Registrierung verwendeten Mailadressen zustande.

Was auch immer passiert, wird im eigenen Feed im Programmfenster archiviert. Erhaltene Mediafiles lassen sich aus der Feedansicht heraus abspielen, alternativ findet man den Default-Ordner, in dem Doubletwist Medien ablegt, unter „Musik“ – „DoubleTwist“. Ein alternativer Speicherort soll in künftigen Programmversionen anwählbar sein.

Das böse D-Wort: FairPlay-geschützte Files können mit DoubleTwist ebenfalls versendet, wie von der Technik vorgesehen jedoch nicht ohne weiteres abgespielt werden. Der Rechner des Empfängers kann via iTunes als lizenzierter Wiedergaberechner freigeschaltet werden, wie es FairPlay vorsieht, wenn nicht, bleiben die Lautsprecher still.

Neben den Freundschafts- und Netzwerkfunktionen bringt die erste Beta von DoubleTwist auch bereits eine einfache Flickr- und Facebook-Integration mit, über die Bilder auf den beiden Diensten publiziert werden können. Im Picture-Ordner finden sich dafür zwei Buttons neben der bekannten „Send“-Funktion, die nach einer Authentifizierung ermöglichen, Bilder aus der Applikation heraus im Social Network bzw. der Flickr-Plattform zu veröffentlichen.

Zusammengefasst: wenn alles so kommt, wie im Video gezeigt, wenn alles auch so plattformübergreifend funktioniert, und wenn noch ein wenig entbuggt wird, dann kann sich DoubleTwist wirklich machen. Bisher fehlt auf dem Mac noch einiges an Funktionalität und an Einbindung in die mac-typischen Dienste, sind die Menus und Features noch zu sehr einfach und zu wenig intuitiv, und ein gelegentliches, nichtreproduzierbares Abschmieren des Programms muss man auch noch tolerieren. Die Versprechen in Sachen format- und plattformübergreifenden Funktionieren müssen auf jeden Fall eingelöst werden, sonst droht DoubleTwist das Verstauben als weiteres Filesharing-Tool mit netten Zusatzfeatures – denn in Sachen Medienorganisation wird zumindest in einer Mac-Umgebung iTunes nicht zu schlagen sein. Im aktuellen Zustand macht das Programm jedoch Lust auf die Final und bringt dabei eine Reihe betatypischer Einschränkungen und Bugs mit – insofern, eine prima Beta, aber eben eine Beta.