Kommentar zu Google Zeitgeist 2008: Warum sucht eigentlich niemand nach Apple?

Die Boshaftigkeit am Rande muss sein: Google Zeitgeist, die Jahresausgabe 2008, lässt einige wieder über die nach wie vor populären Social Networks nachdenken. "wer kennt wen", in Deutschland Top-Gewinner bei den Suchanfragen, weltweit gar auch auf Platz acht, und dagegen das iPhone gerade mal in einzelnen Länderwertungen im Ranking - Deutschland ist nicht dabei. Aber was sagt uns das Jahres-Endergebnis eigentlich überhaupt?

Google Zeitgeist 2008

Etwas kurz gekommen ist die naheliegende These, dass die User erstaunlich faul oder erstaunlich dumm sind. Wenn man sich die deutschen Top 10 betrachtet, was bitte soll man sonst glauben?

  1. ebay
  2. youtube
  3. wetter
  4. gmx
  5. google
  6. video
  7. wikipedia
  8. web.de
  9. bild
  10. telefonbuch

Ebay auf eins. Trägt die These, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda endlich durchschlug und Deutschlands Netzuser 2008 nach diesem Auktionshaus googelten, von dem man immer wieder so viel hört? Platz fünf: waren sich so viele User unsicher, ob sie tatsächlich auf der echten Google-Startseite waren, dass sie sicherheitshalber noch mal nachgoogelten, was nun wirklich von Google für die relevanteste Seite zum Thema Google gehalten wird? (Am Rande: wer Platz 5 für „Google“ bei Google für erschreckend hält: In der Schweiz ist er auf Platz 2).

Google selber umschreibt das Ergebnis charmant:

„Zu den Klassikern der meist gesuchten Begriffe auf Google gehören wie in jedem Jahr das Wetter oder auch das Telefonbuch.“
Google

Treffsicher (sic!) haben die Suchmaschinenbetreiber die beiden einzigen einigermaßen generischen Begriffe der Top Ten in Deutschland ausgesucht, um die Ergebnisse zu kommentieren – angemessener wäre vielleicht der Kommentar gewesen, dass acht der zehn meistgesuchten Begriffe dem Umstand geschuldet sind, dass der größte Teil der User in Deutschland die Adresszeile des Browsers allenfalls noch dazu verwendet, um beim Homebanking nach diesem Schloss zu schauen, das anzeigt, dass alles in Ordnung ist.

Insofern: Wo und wie die Apple- (und andere) Keywords ranken, ist mit etwas Vorsicht zu genießen. Die Topliste in Belgien führt das iPhone auf Vier, einige andere generisch scheinende Begriffe der belgischen Rankings lassen auf eine gewisse Aussagekraft hoffen. Die schweizerische Zweitplatzierung für „iPhone“ bei den schnellstwachsenden Suchbegriffen ist vielleicht sogar noch bedeutsamer: wo selbst nach Google gegoogelt wird, da ist so ein hoher Anteil an den Sucheingaben wirklich erstaunlich.

Warum ist „Apple“ nicht in den Toplisten? Wollen wir optimistischerweise annehmen, dass die Anwender des Geräts aus Cupertino einfach schon in der Lage und fähig sind, Bookmarks zu setzen und Browserzeilen zu verwenden. Immerhin: nach Microsoft googlen (inzwischen?) auch vergleichsweise wenig Leute. Aber wahrscheinlich nur, weils dort keine Videos gibt. Ansonsten gilt auch für die 2008er-Zeitgeist-Edition: wenn man eine Statistik erstellt, sollte man sich immer im Vorfeld fragen, was sie eigentlich misst.