Alexander Trust, den 18. Januar 2006

Schimpansen ohne Missgunst oder Selbstlosigkeit

Schimpansen ohne Missgunst
Schimpansen ohne Missgunst, Bild: CC0

Schimpansen ohne Missgunst oder Selbstlosigkeit sollen die Regel in der Natur sein. Dies geht aus neuen Forschungsergebnissen hervor. Der Pan troglodytes, wie der Schimpanse lateinisch in seiner Artbezeichnung benannt wird, verfügt nicht über diese Gefühle. Das hat das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in neuen Untersuchungen herausgefunden. Man wird das Gefühl nicht los, dass es sich um zwei Seiten einer Medaille handelt.

Schimpansen ohne Missgunst

Dass Schimpansen ohne Missgunst oder Selbstlosigkeit auskommen, soll eine Versuchsanordnung zeigen, deren Wahl grob „niemand“ oder „der Andere“ zulässt. Der Schimpanse zieht an einer Schnur. Je nachdem, welchen Faden er zieht, wird ein Futterbehälter mit Bananen bewegt. Entweder wird sie in einen leeren Raum bugsiert, oder in einen, in dem ein Artgenosse sitzt. Der Versuchsaffe ging dabei selbst jedes Mal leer aus. In der Hälfte der Fälle geschah nichts. Jeweils in einem Viertel der Fälle schickte der Schimpanse das Futter wahlweise in den leeren Raum und zum Artgenossen.

Skepsis gegenüber Schlussfolgerung

Die vollständigen Forschungsergebnisse liegen nicht vor. Sie müssten einer Prüfung standhalten. Entsprechend ist eine gewisse Skepsis gegenüber wissenschaftlichen Arbeitsweisen gegeben. Die Schlussfolgerungen, die bislang gezogen worden sind, bleiben so vorerst nur Theorie auf dem Papier.

„Wenn Selbstlosigkeit und Boshaftigkeit auf den Menschen beschränkt sind und beim Schimpansen nicht vorkommen, dann ist es wahrscheinlich, dass diese Eigenschaften sich im Laufe der letzten 6 Millionen Jahren herausgebildet haben, seit sich die stammesgeschichtlichen Wege von Mensch und Schimpanse getrennt hatten. Die intensive Anteilnahme, im positiven wie auch negativen Sinne, die Menschen aneinander nehmen, könnte einen wichtigen Beitrag geleistet haben zu unserer Fähigkeit, miteinander zu kooperieren, zu unserem Sinn für faires Handeln und zu den Moralvorstellungen, die unsere Gesellschaft heute definieren.“
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

Evolutiver Faktor?

Die obigen Zeilen stammen aus der Presseerklärung des MPA. Sie bieten leider nur eine oberflächliche Präsentation der Resultate. In der Theorie könnte man die Ergebnisse zum Ausgangspunkt für weitere Forschung am Homo sapiens sapiens machen. Denn Selbstlosigkeit wäre womöglich ein „evolutiver Faktor“. Er bietet dann einen Vorteil (Kooperation) zum Erhalt der Rasse. Das ist jedoch angesichts der vielen Kriege auf der Welt fragwürdig.


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