Stefan Keller, den 13. Juni 2012

MacBook Pro mit Retina-Display von innen: Ein Air mit Pro-Performance

MacBook ProGespannt haben die Nerds dieser Welt darauf gewartet, doch nun ist es soweit: iFixit hat den fachgerechten Auseinanderbau des MacBook Pro mit Retina-Display vollendet und online gestellt. „Leider“, muss man sagen, ist das MacBook Pro mit Retina-Display eher ein „MacBook PrAir“ – von den Pro-Features ist jedenfalls nicht mehr all zu viel übrig geblieben, wenn man von der Performance absieht.

Die „Pro“-Reihe von Apple: Viel Performance, lange Akkulaufzeit, gut aufrüstbar. Die „Air“-Reihe von Apple: Dünn, etwas langsamer, ‚okaye‘ Akkulaufzeit, überhaupt nicht aufrüstbar. Das MacBook Pro mit Retina-Display: eine Mischung aus beidem. Das ist jedenfalls der Eindruck, der sich aufdrängt, wenn man sich das Teardown von iFixit zu Gemüte führt.

Auseinandergenommen haben die Bastler das Basis-Modell, das mit 8 GB RAM kommt, der GeForce GT 650M mit 1 GB VRAM, zwei USB 3.0 Anschlüssen, zwei Thunderbolt-Anschlüssen und natürlich dem Retina-Display. Hervorgehoben wird, dass das MacBook Pro mit Retina-Display eine neue Modell-Nummer spendiert bekam. Außerdem fiel den Kollegen auf, dass der Bildschirmrand so schmal ist, dass kein Platz mehr für die Produktbezeichnung „MacBook Pro“ war. Möglicherweise fand Apple auch „MacBook Pro with Retina display“ oder „das neue MacBook Pro“ zu lang oder zu albern.

Die erste Ernüchterung geht bereits bei den Schrauben los. Offensichtlich will Apple nicht, dass man das MacBook Pro der „neuen Generation“ auseinander nimmt, denn es werden proprietäre Schrauben verwendet mit einem sternförmigen Kopf. Die „normalen“ MacBook Pro haben einfache Kreuzschrauben. Der Akku, der gleich darunter sichtbar wird, hat ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich. War er zu Beginn noch austauschbar (ohne eine einzige Schraube zu verdrehen), verschwand er später unter einer Abdeckung und nun ist der Akku am Gehäuse festgeklebt. 95 Wh werden bei 10,95 V ausgegeben, damit soll der Rechner sieben Stunden ohne Steckdose arbeiten können.

Das SSD-Laufwerk ist „ähnlich“ wie beim MacBook Air eine eigene Lösung von Apple. Die Chips für den Flash-Speicher stammen von Samsung. Prinzipiell ist das Laufwerk austauschbar, momentan gibt es aber keine passenden Ersatzteile außerhalb von Apple. Die AirPort-Karte für WLAN ist auf den ersten Blick nah verwandt mit jener im MacBook Air, aber es gibt von den verbauten Chips dann doch Unterschiede.

Der Arbeitsspeicher ist, genau wie beim MacBook Air, auf dem Mainboard verlötet und demzufolge nicht nachträglich aufrüstbar. Wer sich also mit dem Gedanken quält, ein solches Gerät anzuschaffen, sollte besser gleich 16 GB ordern.

Das alles verleitet iFixit dazu, dem MacBook Pro mit Retina-Display eine magere 1 von 10 auf der Reparatur-Skala zu geben, wobei 10 am einfachsten zu reparieren wäre. Mit den guten, alten Tugenden der MacBook-Pro-Reihe was die Aufrüstbarkeit und Wartbarkeit angeht, hat dieses Gerät jedenfalls nicht mehr viel zu tun – technisch ist es ein MacBook Pro im MacBook-Air-Gehäuse und so wurde es auch zusammengebaut.


Ähnliche Nachrichten