Kommentar: Wenn Meinung Geld kostet – 1-Klick-Kauf im App Store

Uns erreichen täglich Dutzende Pressemitteilungen zu neuen Spielen (und Apps) für iPhone, iPod touch oder iPad. Manchmal finden wir etwas optisch ansprechend, in anderen Fällen überzeugt uns die Idee. Doch sehr häufig werden uns Games (und Apps) aufgetischt, mit denen wohl nicht nur wir nichts anfangen können...

App Store - Icon

Als ich bei der Recherche für eine potenzielle Meldung zu RC Heli 2 den App Store ansurfte, um zu überprüfen, um was für ein Machwerk es sich nun wieder handelt, kam mir ein Gedanke, den ich nicht zum ersten Mal hatte und wohl auch nicht zum letzten: Der App Store ist ein prima Katalysator. Er verwandelt in vielen Fällen Geld in Meinungen. Diejenigen, die am meisten Geld für Apps ausgeben, haben ganz offensichtlich zumindest die meisten Möglichkeiten, ihren Senf abzugeben. Ob sie das immer tun, sei dahingestellt.

Doch eines ist ganz klar. Der App Store kann bei mehreren Zehntausend Games nicht nur von den Kronen der Spiele-Schöpfung bevölkert sein. Vielmehr gibt es in Apples Downloadshop für iOS-Apps mitunter den größten Schund. Gerade weil es jeden Tag mehrere Hundert neuer „Spielchen“ gibt, ist es quasi unmöglich für die Pressevertreter und Kritiker nur ansatzweise großflächig Hilfestellung geben zu können. Man wäre schon jetzt sein Lebtag damit beschäftigt, alles zu zocken, was es gibt, um ein Meinungsbild zu erstellen.

Womit „wir“ allerdings überfordert sind – diese Aufgabe nehmen die User selbst in die Hand, und sie lassen es sich sogar etwas kosten. Im Fall von RC Heli bspw. hat der User „Danny the Fool“ 2,39 Euro bezahlt, um sagen zu können:

„Steuert sich nicht wie ein RC-Heli (jedenfalls nicht wie meine), aber auch nicht wie ein Spiel sondern künstlich erschwert. Zudem stottert die Grafik und man darf weitere Helis als überteuerte IAPs freischalten.“
Danny the Fool

Mit IAPs meint er In-App-Käufe – eine Modeerscheinung oder ein Business-Modell, je nachdem auf welcher Seite man sich gerade befindet. 2,39 Euro ist für iOS-Games ein moderater Preis. Es gibt teurere, aber eben sehr viele billigere. Allerdings gibt es derlei Erfahrungen sicherlich ebenso mit Apps die 10, 20 oder noch mehr Euros gekostet haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass „Danny the Fool“ nicht alleine dort draußen ist, könnte hunderte, ja tausende solcher Kommentare zitieren, von grummelnden Käufern von Apps, die ihr Geld nicht Wert sind. Wenn es dann oft genug keine Lite-Version zum Probieren gibt, spielt der App Store seine ganze Kraft als Katalysator aus und die Nutzer geben ihr Geld, nur um ihre Meinung sagen zu dürfen. Dieses Verhalten wirkt dekadent. Zumal ich genauso überzeugt annehme, dass sehr viele, die eine App gekauft haben, und kurz danach bereuen, es getan zu haben, trotzdem nicht den eher bürokratischen Weg gehen, um bei Apple über weniger dokumentierte Pfade ihr Geld zurück zu verlangen.

Zurück bleiben enttäuschte Kunden, Entwickler, die nicht wirklich schlauer sind, und Apple, das an der Misere auch noch verdient. Die Firma aus Cupertino hat die Nutzer dazu dressiert, Geld zu zahlen, um etwas tun zu können, das sowieso jeder ins Grundgesetzt geschrieben bekommen hat – das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich übertreibe an dieser Stelle absichtlich. Doch glaube ich, dass sich an dieser Situation erstmal nichts ändern wird. Apple muss nicht sofort einen 1-Klick-Umtausch einrichten, aber könnte zumindest den Umtausch-Prozess etwas durchsichtiger gestalten. Zudem sollten die verbrämten Käufer ruhig die Geduld an den Tag legen, ihr Geld zurück zu fordern, weil man weder Apple dafür belohnen muss, dass sie so einen digitalen Moloch wie den App Store bereitstellen, der Geld schluckt und eine Kommentarfunktion ausspuckt. Noch muss man einfallslose Entwickler mit 70 Prozent vom Meinungs-Kuchen belohnen, von dem Geld, das man am Ende des Tages eigentlich nur ausgegeben hat, um sagen zu dürfen, was man denkt. Da gibt es bessere und vor allem kostengünstigere Mittel und Wege, das zu tun.

Mehr über Alexander Trust:

Bekam seinen ersten PC mit sieben Jahren, einen XT mit 4 MHz und Monochrom-Monitor. Registrierte die erste Domain im Jahr 1998, vorher auch in Mailboxen aktiv, bei AOL und Compuserve. Studierte Computer Science (Anwendungsentwicklung) in Wuppertal und Informatik und Soziologie, Linguistik und Literatur in Aachen. Veröffentlichte bereits einen Roman.

Metadaten
  • Geschrieben am: 22. April 2011
  • Zuletzt aktualisiert am: 3. November 2019
  • Wörter: 618
  • Zeichen: 4020
  • Lesezeit: 2 Minuten 41 Sekunden