Big Brother Award für Apple: iPhone-Datensammelei in der Kritik

Für die Strategie der "Geiselnahme ihrer Kunden mittels teurer Hardware und darauf folgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen" erhält Apple Deutschland einen der Big Brother Awards 2011, mit dem alljährlich Datenkraken ausgezeichnet werden, die sich für die Zerstörung von Privatsphäre und dem Ausspähen privater Daten verdient gemacht haben.

In den vergangenen Jahren ist der Kelch an Apple vorbeigegangen – teilweise durch schlecht begründete Vorwürfe, teils wegen der übermächtigen Konkurrenz. 2011 ist es nun – ein Jahr nach unserer Prognose – so weit: Apple erhält eine der Datenkraken-Auszeichnungen angesichts der Pflicht, iTunes und App Store zu nutzen, will man das teuer gekaufte iPhone auch verwenden. 117 Seiten EULA müssen zugestimmt werden, in denen Apple sich allerlei Verwendungen der umfassend erhobenen Kundendaten genehmigen lässt.

Die Begründung der Preisverleihung führt entsprechend auch an, dass Apple die Erhebung und Weitergabe von „Daten wie namentlich Beruf, Sprache, Postleitzahl, Vorwahl, individuelle Geräteidentifizierungsmerkmale sowie Ort und Zeitzone, wo Apple Produkte verwendet werden“ genehmigen lässt, inbegriffen der Möglichkeit, dass Apple „präzise Standortdaten erheben, nutzen und weitergeben [darf], einschließlich des geographischen Standorts Ihres Apple-Computers oder Geräts in Echtzeit.“

Um eine Geiselnahme handle es sich, weil ohne die Einwilligung des Nutzers nach dem iPhone-Erwerb das teure Gerät mehr oder weniger nutzlos ist – andere Anbieter würden zeigen, dass man Smartphones auch ohne derart umfassende Datenerhebungen in einen durchaus nutzbaren Zustand versetzen kann. Insbesondere der obligatorischen Nutzung von App Store und iTunes ist die höchst invasive Datensammelgenehmigung geschuldet.

Letzteres ist ein Vorwurf, der Apple zurecht gemacht werden kann – offenbar wird an der Preisverleihung aber auch das Dilemma der Datenschützer, die sich mit dem Problem konfrontiert sehen, eine Abwägung zwischen invasiven und nützlichen „Kundendiensten“ vornehmen zu müssen. Die Erfassung (und die damit einhergehende erneute Lademöglichkeit) gekaufter Apps hat einigen Nutzern (dem Autor inbegriffen) schon einige Euro erspart, die Ortung des iPhone per GPS ist notwendige Vorausbedingung für die sinnvolle Nutzung geolocation-basierter Dienste von Tom Tom bis Aroundme und so weiter. Zuletzt der Vorwurf, die Konkurrenz mache es besser: die Lektüre der Datenschutzbestimmungen Googles (ohne entsprechenden Account macht auch ein Android wenig Freude) ist auch nicht von erbauender Art.

Erwarten kann man indes von Apple einmal mehr, dass sie ihrer selbstproklamierten Vorreiterrolle in Sachen Innovation, Design und Useability auch in anderen Bereichen gerecht werden – und Möglichkeiten dafür sind durchaus gegeben, auch ohne Abstriche bei der Bedienungsfreundlichkeit zu machen, die man sich mit der Datenpreisgabe bisher vergleichsweise teuer erkaufen muss. In derselben Kategorie wie Facebook bei derselben Preisverleihung als Datenkrake ausgezeichnet zu werden, sollte vermeidbar sein.

Alle Preisträger und Laudatien sind auf der Big Brother Award 2011-Seite nachzulesen.