25c3: Mac- und andere Impressionen

Die Hacker müssen auseinanderhalten, auf dem 25c3 ist die Stimmung aber harmonisch. Auf dem 25. Congress des Chaos Computer Club entsteht der Eindruck, dass sich der CCC vom reinen Hackerverein stetig, aber unverkennbar in Richtung Bürgerrechtsorganisation entwickelt. Nach einigen Vorträgen auf dem 25c3 scheint das dem Zuhörer auch noch notwendiger zu sein als letztes Jahr. Trotzdem gibt man sich zuversichtlich. Nach den ersten drei Tagen des alljährlichen Hackerkongresses einige Impressionen von Themen und Technik sowie von Macs in echt und in falsch.

Ein MacBook auf dem 25C3, Bild: Macnotes

Denn die Macs sind physisch allgegenwärtig, als Thema ist Apple dagegen weniger gut vertreten. Spektakulärstes Event war natürlich der iPhone-Hack, darüber hinaus kommen Apples Produkte insbesondere als Arbeitsgerät vor – nach der unangefochtenen Spitzenposition, die von der Kombination Thinkpad/Linux eingenommen wird, folgen die Apple-Notebooks auf dem zweiten Platz. Geht es nach dem Hackergeschmack, dann wäre es wirklich an der Zeit für Apple, das Tablet bzw. das Subnotebook neu zu erfinden, denn EEEpcs und Ableger genießen wachsende Beliebtheit. Wenig überraschend kommt hingegen Windows kaum vor.

Dem Besucher bietet sich im überfüllten bcc-Gebäude am Alexanderplatz die bekannte Mischung: Das Hacken verschiedenster Systeme und Infrastrukturen koexistiert friedlich mit den Hardwarebastlern von der Sensortechnik über die Quadcopter bis zu den Blinkenlights-Lichtinstallationen. Hacktivismus und Datenschutz haben ihren Ort neben Security-Workshops, Politsatire und Funveranstaltungen. Von Lego bis zum Lötbausatz gibt es Gelegenheiten, selbst Hand anzulegen, und auch die Lockpicker sind wieder vor Ort und bringen Interessierten das Schlossknacken bei.

Der Spaß überwiegt, auch wenn die Ausblicke nicht immer zum Lachen sind. 2010 soll beispielsweise der e-Perso kommen, der voraussehenderweise auch mit einer „Internet-Ausweis“-Funktion ausgestattet werden soll. Der Chip im Ausweis wird beschreibbar sein – mit einer höheren Sicherheit gegen Identitätsdiebstahl rechnet im bcc jedoch niemand. Ähnlich viel Spaß am Gerät erhofft man sich von der NFC-Technik für Handys: „Near Field Communication“, mittels der beispielsweise das Bezahlen per Handy realisiert wird.

Ein Lesesensor entdeckt Handys in der Nähe und ermöglicht Bezahlung per SMS – eingesetzt wird die Technik bereits. Schon jetzt ist es aber auch beispielsweise möglich, Snackautomaten in Wien mit modifizierten NFC-Sensoren auszustatten, die eine Bezahlung nicht für den dort aufgestellten Automaten verbuchen, sondern für ein beliebiges anderes Gerät. Die Zukunft könnte spannend werden, wenn man bereits heute einfach alle SMS-Bezahlungen auf seinen Lieblingsautomaten umleiten kann, vor dem man dann nur noch zu warten braucht, um alle Waren zu kriegen, die an allen anderen Automaten per SMS-Payment angefordert werden.

Unsichere Technik also, wohin man blickt. Grund genug, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen. Neben Festplattenverschlüsselung, VPN- und TOR-Anleitungen wurde aber ebenso diskutiert, wie man offensiv mit der „Post-Privacy“ umgeht – dem Zustand, in dem Information für alle über alle öffentlich zugänglich sind. Wem das alles zu lebensfern wurde, konnte zwischendurch auch erfahren, mit welchen Strategien Menschen ihre Pornosammlung auf dem Rechner einerseits verstecken und andererseits organisieren und ordnen (es gibt laut Vortrag sogar vereinzelt Nutzer, die zu diesem Zweck eine relationale Datenbank einsetzen).

Trotz aller beunruhigenden Themen ist der – subjektive – Eindruck indes der einer eher gewachsenen Gelassenheit. Diese beginnt beim Umgang mit der grenzwertigen Platzsituation 2008 – das bcc ist definitiv zu klein geworden, bereits am ersten Tag waren die Kongresskarten ausverkauft – und endete beim Tenor der Vorträge, insbesondere wenn es um die aktuellen Entwicklungen in Datenschutz, Politik und Gesetzgebung ging.

Heiter abzuwarten, bis die Akteure auf die Nase fallen – das scheint inzwischen die bevorzugte Strategie. Über welche Sicherheitskatastrophen nächstes Jahr gelacht werden darf, wird morgen noch einer der letzten Programmpunkte sein. Wenn der Trend anhält, werden 2009 noch einige Besucher mehr lachen. Immerhin: es interessiert offenbar einen immer größeren Kreis, was auf den Chaoskongressen diskutiert wird. Das verwendete Gerät spielt offenbar kaum eine Rolle dabei: Hauptsache, man hat Spaß daran.

P.S. Die Bilder sind alle mit dem iPhone gemacht, Möglichkeiten und Grenzen sind erkennbar. Aufzeichnungen der Vorträge stehen im 25c3-Wiki zum Download, für die Veranstaltungen morgen sind dort auch die Streaminglinks zu finden.