Kommentare zu: Über das Für und Wider der Leserreporter https://macnotes.de/2008/10/07/uber-das-fur-und-wider-der-leserreporter/ iPhone, iPod, iPad, Mac - das unabhängige Magazin rund um Apple Mon, 01 Mar 2021 23:07:45 +0000 hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 Von: Jan https://macnotes.de/2008/10/07/uber-das-fur-und-wider-der-leserreporter/#comment-52868 Tue, 07 Oct 2008 18:15:27 +0000 http://www.macnotes.de/2008/10/07/uber-das-fur-und-wider-der-leserreporter/#comment-52868 Um mal zur inhaltlichen Kritik zurückzukommen:

Ein interessanter Punkt auf den du zurecht hingewiesen hast ist die Wirkung solcher „benutzergenerierten Enten“ aus hauseigenen Plattformen für eine Medienmarke, die auf Qualitätsjournalismus setzt. Inzwischen scheint es ja zum guten Ton zu gehören, als großer Sender oder Verleger eine eigene News-Community zu haben. Ich halte die Verknüpfung solch unterschiedlicher Angebote unter einer Marke für ziemlich riskant. Eine Newscommunity ist zunächst einmal eine technische Plattform für die Benutzer, und kein journalistisches Angebot. Im besten Fall sorgt eine Redaktion für die Einhaltung eines formalen Rahmens, viel mehr (wie bspw. eine inhaltliche Überprüfung) ist bei der Ausrichtung als Massenplattform natürlich nicht machbar.

Obwohl ich den News-Communities nicht ihre Legitimation absprechen möchte, bin ich ob ihres Nutzens als verlässliche Informationsangebote doch ziemlich skeptisch, zumindest in der derzeit verbreiteten Form. Ich halte auch das Prinzip der automatisierten Selektion, die allein auf der statistischen Auswertung des Massengeschmacks basiert für ziemlich fragwürdig. Das ist in ungefähr das, was die BILD-Zeitung durch Antizipation zu erreichen versucht. Und: Im Internet mag zwar jeder sowohl als Sender als auch als Rezipient auftreten können. Journalisten und Rezipienten haben jedoch eben nicht die gleichen Möglichkeiten, Inhalte zu recherchieren und aufzubereiten, wie gerade du mir sicher zustimmen wirst.

Das alles hat für mich jedenfalls wenig mit Graswurzeljournalismus zu tun – was aber nicht heißt, dass ich im Internet mit seinen kollaborativen Techniken und der Aufhebung des Sendungsmonopols nicht auch riesige Chancen für eine demokratischere Informationsgesellschaft sehe. Bürgerjournalismus kann im Internet gut funktionieren, wie man beispielsweise bei einigen tollen, privat betriebenen Fachblogs sieht. Und auch spezialisierte Newscommunities mit funktionierenden Reputations-Mechanismen (wie es sie ja indirekt auch in der Blogosphäre gibt) können gut funktionieren. Aber es reicht halt nicht, „wenn alle ein wenig mitmachen“. Das redaktionelle Konzept muss stimmen, einfach ne Plattform liefern und auf die Weisheit der Massen [sic] hoffen ist… blöd.

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